Der chinesische Handelsbilanzüberschuss fiel im Juli geringer aus als erwartet, Exporte und Importe stiegen weniger als von Analysten vorausgesagt. Wieder ein Fingerzeig, dass sich die Wirtschaft des weltgrössten Rohstoffkonsumenten verlangsamt und damit der Hunger nach Metallen, Energie und anderen Rohwaren kleiner wird. In der Folge geben heute die Rohstoffpreise und der südafrikanische Rand - wie im übrigen auch andere Rohstoffwährungen - nach. Die starke Abhängigkeit von weltwirtschaftlichen Gegebenheiten und Rohstoffexporten, eine enorm hohe Arbeitslosigkeit und ein belastendes Budgetdefizit sowie ein schwacher Rand - man sollte meinen, all dies spricht nicht gerade für einen sicheren Hafen und die Flucht in Randanleihen.
Und doch gab es in den letzten Monaten einen beispiellosen Run auf den südafrikanischen Bondmarkt, wie aus einem Bericht von Bloomberg hervorgeht. Anleger aus dem Ausland haben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 44 Prozent mehr südafrikanische Rand-Anleihen gekauft als im gesamten Vorjahr. Allein im Juli erwarben ausländische Investoren per Saldo für 12,8 Mrd. Rand (1,3 Mrd. Euro) Südafrika-Bonds. Damit summierten sich die Käufe in diesem Jahr auf insgesamt 68,4 Mrd. Rand (6,8 Mrd. Euro). Folglich kommen die Staatspapiere im laufenden Quartal auf einen Ertrag von 4,7 Prozent und verzeichnen damit die beste Entwicklung unter 26 Staatsanleihemärkten, wie Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts’ Societies (EFFAS) zeigen.
Dadurch hat sich auch die Risikoprämie der südafrikanischen Benchmark-Bonds mit einem Kupon von 6,75 Prozent und Fälligkeit 2021 gegenüber US-Treasuries abgeschwächt und ist derzeit so niedrig wie seit April 2011 nicht mehr. Südafrikanische Dollarbonds haben in den letzten vier Wochen ebenfalls an Risiko verloren. Die Kosten für deren Kreditausfallabsicherungen verringerten sich um 38 auf 121 Basispunkte und liegen damit nur 25 Basispunkte unter Ausfallswaps für Anleihen aus Polen, das eine höhere Bonitätsnote als Südafrika besitzt.
Der Hauptgrund für diesen Hype ist die im Oktober bevorstehende Aufnahme von südafrikanischen Staatsanleihen in den World Government Bond Index (WGBI) von Citigroup. Bloomberg zufolge soll das Vermögensverwalter mit rund zwei Billionen Dollar Anlagevolumen, die den WGBI als Benchmark verwenden, auf den Kaufplan gerufen haben. “Hier spielt eindeutig schnelles Geld eine Rolle. Die Investoren setzen darauf, dass weitere Investoren folgen und kaufen werden, wenn wir im Index sind”, begründet Mokgatla Madisha, Vermögensverwalter bei Argon Asset Management in Kapstadt, den Ansturm.
Zu diesen gehört offensichtlich auch Brian Hess, Portfoliomanager des Legg Mason Brandywine Global Fixed Income Fund: “Wir haben uns in 10-jährigen und 30-jährigen südafrikanischen Anleihen mit Renditen von 7,5 bzw. 8,5% engagiert.” Hess glaubt, dass die Indexaufnahme - übrigens als 23. Bondmarkt und fünfter Emerging Market nach Mexiko, Polen, Singapur und Malaysien - dem Anleihenmarkt einen weiteren Schub geben wird. Nomura Holdings sieht auch einen Anstieg des sich in ausländischen Händen befindlichen Anteils von südafrikanischen Anleihen von 29 auf 37 Prozent. Die optimistische Meinung stützt sich hier auf Mexiko, das 2010 in den WGBI aufgenommen wurde und diesen Anteil damals gleich von 24 auf 31 Prozent steigern konnte.
Andere sehen die Dinge nicht so rosig. Zwar sind weitere ausländische Kapitalzuflüsse wahrscheinlich, aber ein mögliches Rating-Downgrade von Moody's, S&P und Fitch - der Ausblick wurde in den letzten Monaten von allen drei von 'stabil' auf 'negativ' revidiert - könnte sich als Bremse erweisen und Druck auf den Rand erzeugen.
Auch aus technischer Analysesicht könnte die Zukunft des Rand zumindest kurzfristig ein gewisses Risiko bedeuten. Comdirect zitiert in diesem Zusammenhang den Analysten Thomas Neis mit einem nicht unbedingt positiven Ausblick: " Der Kurs des Südafrikanischen Rand tendierte zuletzt in einer anhaltenden Seitwärtsbewegung leicht positiv. Das kurzfristige Anstiegspotential ist nun aber fast komplett ausgereizt. Für die nächsten Wochen ist zunächst mit einer Gegenbewegung und damit verbunden mit schwächeren Rand-Kursen zu rechnen. Der Wechselkurs wird aber voraussichtlich mittelfristig unter hoher Volatilität seitwärts tendieren." (cg)






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