Nein, hier ist nicht die Rede von Liborskandalen, Geldwäscherei oder Pleiten. Es geht um eine Kampagne von Foodwatch und anderen Organisationen, die das Verschwinden der Nahrungsmittel- Zockerei aus den Banken-Portefeuilles zum Ziel hat.
Das Business mit Lebensmitteln brummte in den letzten Jahren: Der Handel mit Agrar-Rohstoffderivaten stieg zwischen 2003 und 2011 von neun auf 99 Milliarden Dollar. Doch es mehrte sich auch die Kritik an den Termingeschäften mit Grundnahrungsmitteln - vor allem von Nichtregierungsorganisationen wie Foodwatch und Oxfam. Erst jüngst wiesen letztere darauf hin, dass die Allianz-Versicherung einen Spitzenplatz unter den deutschen Finanzkonzernen - sie halten demnach ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Nahrungsrohstoffen - einnimmt. Im Jahr 2011 hatte sie mehr als 6,2 Milliarden Euro in Nahrungsmittelfonds investiert - zusammen mit den knapp 4,6 Milliarden der Deutschen Bank wären das beachtliche 14 Prozent des Weltmarkts auf Lebensmittel.
Der Vorwurf der NGOs: Solche Spekulationen beschleunigen existierende Trends und treiben Preisaufschläge auf die Spitze. Menschen in den ärmeren Ländern, die 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, litten dann Hunger.
Termingeschäfte dienten allerdings seit jeher der Absicherung - Bauern schützen sich damit vor einem Preisverfall ihrer Produkte, wenn sie zum Liefertermin einen niedrigeren Preis erwarten. Hier ist die Spekulation mit Agrarrohstoffen auch nützlich, “denn dadurch wird die notwendige Liquidität für die Abwicklung von Termingeschäften im physischen Agrarrohstoffhandel bereitgestellt”, gibt auch Oxfam zu. Schlecht sei hingegen die exzessive Spekulation, die möglicherweise 2007/08 die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Weizen und Soja in die Höhe trieb. „Wir nehmen an, dass Indexfondsaktivität eine Schlüsselrolle bei der Preisspitze von 2008 gespielt hat. Biosprit spielte auch eine gewisse Rolle, aber viel weniger, als ursprünglich gedacht. Und wir finden keinen Beleg, dass die angeblich gestiegene Nachfrage aus Schwellenländern irgendeinen Effekt auf die Weltmarktpreise hatte“, äusserte sich die Weltbank 2010 dazu.
Die Kapitalanlage in Rohstoffmärkten von Banken, Hedgefonds und institutionellen Anlegern erfolgt vor allem über Swap-Händler - die grossen Vier sind Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan und Barclays Bank - und vor allem seit 2004 vermehrt über passiv gemanagte Indexfonds. Die dort hinein gesteckten Gelder stiegen von 13 Mrd. im Jahre 2003 auf 317 Mrd. Dollar im Juli 2008, gleichzeitig erhöhten sich die Preise der in den Indexfonds enthaltenen Rohstoffe um das Dreifache - für Oxfam ein klares Indiz für den Zusammenhang von Spekulation und Preissprung.
Die Kampagne trägt erste Früchte: Nach der DekaBank der Sparkassen und der Landesbank Baden-Württemberg steigt nun auch die Commerzbank aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aus. Die Deutsche Bank prüft immer noch..... (cg)






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