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Der Tag, an dem die Finanzkrise international wurde   Facebook be



08.08.2012
 

Der 9. August 2007 schien ein ruhiger Sommertag zu sein: Die Raumfähre Endeavour war auf dem Weg zur Raumstation ISS, der Tarifkampf der Lokführer erhitzte in Deutschland die Gemüter. Dann aber kam eine Nachricht, deren Tragweite viele in Finanzwelt und Politik auch lange danach nicht erfassten: Die EZB pumpte in einem massiven Schritt 95 Mrd. Euro in die Märkte. Sie reagierte damit auf die angespannte Lage der Finanzbranche durch die US-Häuserkrise. Die US-Krise war in Europa angekommen und schlagartig zur internationalen Finanzkrise geworden.

Die Probleme im weltweiten Finanzsystem in Folge der US-Häuserkrise hätten sich zwar schon seit Frühjahr 2007 gemehrt, sagt Max Otte, Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms. "Im Sommer aber dann stand der Herzinfarkt kurz bevor - es folgten massive Bluttransfusionen der Notenbanken."

Als erste Zentralbank erlaubte es die EZB anderen Banken, unbegrenzt Geld für jeweils einen Tag zu leihen. Die US-Notenbank Fed folgte tags darauf. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz sagte heute: "Mit dem Eingreifen der Zentralbanken kam sozusagen der offizielle Stempel drauf: Wir haben eine Finanzkrise."

Grund für das Einschreiten der Zentralbanker war, dass sich Geschäftsbanken einander immer weniger trauten und sich kein Geld mehr liehen. Der sogenannte Interbanken-Markt drohte, zum Erliegen zu kommen. Die Institute fürchteten, Kredite nicht mehr zurückzubekommen. Denn jeder wusste: In den Depots vieler Banken schlummerten fragwürdige Wertpapiere, die aus einer Vielzahl an US-Hypothekenkrediten zusammengeschnürt waren. Und deren Qualität stand in Frage.

"Die Wertpapiere, die zur Krise führten, waren schwer durchschaubar und schwer verständlich", sagt Commerzbank-Volkswirt Balz. Die Hypotheken-Bündel wurden aus einer Vielzahl an Baukrediten geschnürt. Teils waren diese von höherer Qualität, oft aber auch von minderer Güte - zweitklassige Darlehen also, sogenannte Subprime-Kredite.

In Wertpapierbündel zusammengepackt erhielten diese Darlehen dennoch Bestnoten von Ratingagenturen für ihre Kreditwürdigkeit. Die Überlegung war: Würden einzelne Darlehen ausfallen, bedroht dies nicht die Gesamtqualität des Hypotheken-Bündels. Doch dann gab es in den USA nicht nur Zeichen einer wirtschaftlichen Abkühlung und immer Häuserkredite fielen aus. Auch die Häuserpreise brachen ein.

Banken rund um den Globus hatten die US-Papiere gekauft - gelockt von hohen Renditen und vermeintlicher Sicherheit. Im Frühjahr 2007 stellte dann die britische Grossbank HSBC 10,6 Mrd. US-Dollar (aktuell 8,6 Mrd. Euro) für Kreditrisiken auch aus dem US-Markt zurück. In Deutschland machte am 30. Juli die bis dahin der breiten Öffentlichkeit weithin unbekannte Industriebank IKB Finanzprobleme aus dem US-Geschäft bekannt. Zuvor hatten ihr andere Banken Kreditlinien gekündigt.

Die dramatischen Ereignisse dies- wie jenseits des Atlantiks häuften sich. Am 9. August fror die französische Grossbank BNP Paribas drei Investmentfonds ein, die auf US-Papieren aufbauten. Die EZB verkündete ihr Einschreiten. Tage darauf geriet die Sächsische Landesbank (SachsenLB) ins Wanken, später die WestLB und andere. Es folgten Rettungsaktionen im Bankensektor, welche die Steuerzahler Milliarden kosteten. Und wie in Deutschland sah es auch in anderen Ländern aus.

Die Bankenrettung belastete vor allem die Südländer der Eurozone schwer. Dazu kam die Wirtschaftskrise in Folge der Finanzkrise. Staatliche Haushalte gerieten in dieser Situation zunehmend an Grenzen: Aus der internationalen Finanzkrise entwickelte sich zusätzlich eine Staatsschuldenkrise - und beide Krisen dürften die Eurozone noch auf Jahre belasten. Ökonom Otte schätzt: "Wir haben gerade Halbzeit."

(APA/APA/AFP)


 
 

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