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Italien: Diskussion um sechs Buchstaben   Facebook be



08.08.2012
 

Es gibt Wörter, die treiben vielen Menschen die Zornesröte ins Gesicht. Das gilt gerade für die Wirtschaftswelt, in der profitgierige Investoren angeblich als "Heuschrecken" von Unternehmen zu Unternehmen schwärmen oder in den Sand gesetzte Millionen schlicht "Peanuts" genannt werden. Im krisengeplagten Italien hat das kleine Wörtchen "Spread" (englisch für Spanne oder Differenz) inzwischen enorme Sprengkraft erlangt. Ministerpräsident Mario Monti weiss ein Lied davon zu singen.

Vereinfacht gesagt beschreiben diese sechs Buchstaben die Unsicherheit bei einer Investition in italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatstiteln. Mit anderen Worten: Je höher der Spread, desto höher das Risiko für den Anleger. Denn die Kennzahl, die in Basispunkten angegeben wird, zeigt die Differenz zwischen den Risikoprämien für derzeit äusserst kritisch beäugte italienische Anleihen gegenüber den als sicher geltenden deutschen. Aktuell liegt der Spread zwischen richtungsweisenden zehnjährigen Italo- und Deutschland-Bonds bei rund 450 Basispunkten.

So vergeht in Italien praktisch keine Nachrichtensendung, in der nicht prominent über die Entwicklung von "lo spread" berichtet würde. Die Laufbänder der Nachrichtensendungen sind voll davon, und beinahe an jedem Zeitungskiosk im Land springt einem der Begriff entgegen. Spread ist so etwas wie die Fieberkurve des tief in der Krise steckenden Landes geworden - und politischen Zündstoff bietet der Terminus allemal. Gerade vor dem Hintergrund der in Italien wachsenden Stimmung gegen den Euro und Deutschland.

Das durfte Regierungschef Mario Monti jüngst erleben, als er dem "Wall Street Journal" sagte: "Wenn die vorherige Regierung noch im Amt wäre, wäre der "Spread" bei 1.200 oder so." Der Seitenhieb auf seinen Vorgänger Silvio Berlusconi sass und löste im Lager des "Cavaliere", der konservativen PdL ("Volk der Freiheit"), eine Welle der Empörung aus.

Der Protest gegen Montis Äusserungen schwoll dermassen an, dass der Regierungschef zum Telefonhörer griff und seinem Vorgänger versicherte, er sei missverstanden worden und habe keinerlei politische Aussage damit treffen wollen.

Die Episode - pünktlich zur beginnenden Sommerpause in Italien - zeigt jedoch, wie gross der Einfluss des Spread mittlerweile auf öffentliche Debatten und auf die Stimmung der Menschen in dem Euro-Krisenland ist.

Und auch Berlusconi hat schon seine Erfahrungen mit dem Spread gemacht: Damals im November 2011 hatte der Wert für damalige Verhältnisse mit 548 Basispunkten eine schwindelerregende Höhe erreicht. Die Rendite für Papiere der rezessionsgeplagten drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone stieg über die Schmerzgrenze von 7 Prozent. Die weitere Geschichte ist bekannt: Berlusconi musste abtreten und Platz machen für die Technokratenregierung von Monti, der Italien vorerst vor dem Absturz bewahrt hat.

Der von Staatspräsident Giorgio Napolitano eingesetzte frühere EU-Kommissar wird auch nicht müde zu betonen, wie ungerecht es sei, dass sein Land sich nicht aus der Umklammerung der Anleihemärkte lösen könne. Doch gegen die "Diktatur des Spread" hat auch der Wirtschaftsprofessor bisher kein Rezept gefunden.

apa


 
 

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