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Euro-Zone steuert auf eine neue Rezession zu   Facebook be



07.08.2012
 

Die Euro-Zone steuert auf eine neue Rezession zu. Die drittgrösste Volkswirtschaft Italien schrumpfte im Frühjahr bereits das vierte Quartal in Folge. Auch über der lange gegen die Folgen der Schuldenkrise immun wirkenden deutschen Industrie ziehen dunkle Wolken auf: Ihre Aufträge schrumpften im Juni so stark wie seit Herbst 2011 nicht mehr. Ökonomen gehen davon aus, dass die gesamte Währungsunion im Sommer zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009 in die Rezession rutscht.

Das Bruttoinlandsprodukt Italiens sank zwischen April und Juni um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt Istat am Dienstag mitteilte. Ökonomen hatten nur ein Minus von 0,6 Prozent erwartet. Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark gefallen wie seit drei Jahren nicht mehr. Der Industrieverband Confindustria befürchtet für 2012 ein Minus von 2,4 Prozent - das wäre doppelt so viel wie von der Regierung prognostiziert.

Zum erneuten Rückgang im Frühjahr dürften die schweren Erdbeben beigetragen haben, die die Emilia-Romagna erschütterten und dort viele Industriebetriebe lahmgelegt haben. Experten sehen den Hauptgrund für die Misere aber in den harten Sparmassnahmen der Regierung. "Sie belasten die Wirtschaft", sagte Analyst Vincenzo Bova von MPS Capital Services. "Private wie staatliche Investitionen und Konsumausgaben sind besonders stark gefallen." Der Einzelhandelsverband geht davon aus, dass 2012 die Konsumausgaben pro Kopf so stark zurückgehen wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise hat die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti Ende 2011 Sparmassnahmen von mehr als 20 Mrd. Euro durchgesetzt - vor allem Steuererhöhungen. Mit neuen Sparmassnahmen versucht Monti, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Die Regierung gewann am Dienstag eine Vertrauensabstimmung im Parlament über zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,5 Mrd. Euro. Der Industrie setzt die sinkende Nachfrage nach italienischen Waren im In- und Ausland zu: Sie fuhr ihre Produktion im Frühjahr deshalb um 1,7 Prozent nach unten.

Die kriselnde Euro-Zone und die schwächere Weltkonjunktur bekommt auch die deutsche Industrie zu spüren. Deren Aufträge fielen im Juni um unerwartet starke 1,7 Prozent. Dies war der grösste Rückgang seit November 2011. Analysten hatten nur mit einem Minus von 1,0 Prozent gerechnet. Die Inlandsnachfrage ging um 2,1 Prozent zurück, die Auslandsaufträge um 1,5 Prozent.

"Das macht sehr deutlich, dass die deutsche Binnenkonjunktur nicht gegen Rückschläge immun ist", sagte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Das Risiko sei recht hoch, dass vor allem die Nachfrage nach deutschen Exportschlagern wie Maschinen und Autos unter der Unsicherheit leiden dürfte, die von der Schuldenkrise ausgehe. Ökonomen gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 0,2 Prozent gewachsen ist - die Statistik wird nächste Woche veröffentlicht. Zu Jahresbeginn expandierte Europas grösste Volkswirtschaft noch um kräftige 0,5 Prozent, was die gesamte Währungsunion vor einer Rezession bewahrte.

Die wird sich nach Einschätzung von Experten nun aber nicht mehr vermeiden lassen. Spanien, die viertgrösste Wirtschaftsmacht der Euro-Zone, schrumpfte im Frühjahr um 0,4 Prozent. In Belgien ging es um 0,6 Prozent nach unten. Nach einer Reuters-Umfrage unter Analysten dürfte das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone um 0,3 Prozent fallen. Auch diese Daten werden kommende Woche bekanntgegeben. Für den Sommer zeichnet sich ein erneutes Minus ab, wie zuverlässige Konjunkturindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex im Juli signalisierten.

Die italienischen Unternehmen drohen indes zurückzufallen. Italiens Schuldenberg entspricht 123 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist er noch höher. Der Staat muss deshalb Zinsen von etwa sechs Prozent für zehnjährige Anleihen bezahlen. Firmen müssen für Kredite ähnlich hohe Zinsen aufbringen. Sie halten sich deshalb bei Investitionen zurück.

(APA/Reuters)


 
 

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