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Japanische Elektronikindustrie im Dauerkrisenmodus   Facebook be



03.08.2012
 
Der Turnaround will nicht und nicht gelingen


Die japanische Elektronikindustrie befindet seit den 90er Jahren im Niedergang. Der Kurs vieler bekannter Namen hat sich weitgehend verflüchtigt. Besonders betroffen sind die damals erfolgreichen Unternehmen im Audiobereich, aber selbst diversifizierte Unternehmen wie Sony oder Matsushita (bzw. inzwischen in die Hauptmarke Panasonic umbenannt) haben schwer zu kämpfen.
Der Kurs des wohl jedem bekannten HiFi-Herstellers Pioneer, inzwischen auch Computerzubehör und TV, ist ein Beispiel für den Niedergang der Branche (Kursverlust in Euro seit 2000: -95%).

Sanyo (HiFi, Video, Akkus, Solar) kämpfte vor ein paar Jahren ähnlich wie Olympus im letzten Jahr mit einer großen Bilanzbetrugsaffäre und wurde zu einem tiefen Preis von Panasonic geschluckt.

Panasonic, ein breit aufgestellter Elektrokonzern (die ehemalige Marke Technics gehörte auch dazu, ferner Haushaltsgeräte, elektronische Bauteile) war bis vor kurzem in tiefroten Zahlen (letztes Quartal wieder knapp positiv). Die erfolglose Diversifizierung in das US-Filmgeschäft durch den Erwerb von MCA knapp vor dem japanischen Börsencrash 1990 wurde 5 Jahre später durch einen Verkauf an Seagram beendet, die MCA in Universal Studios umbenannten. Der Konzern leidet am festen Yen, dem schwachen TV-Geschäft und strukturiert seit längerem um.

Sony, zusammen mit Philips Erfinder der CD/SACD, Erfinder des Walkman, nach wie vor bekannt für formschöne VAIO-Notebooks, hat seit den 90ern stark von seinem guten Image verloren. Inzwischen gehört Sony, der drittgrößte Elektronikkonzern nach Hitachi und Panasonic, zu den eher unbeliebten Unternehmen und hat sich mit seiner restriktiven Antikopierpolitik und insbesondere dem CD-Rootkit-Skandal viele Sympathien verscherzt (die Installation von Schadsoftware auf fremden PCs dürfte ein bisher unerhörter Vorgang für einen Weltkonzern sein!). „Cool“ war Sony einmal in den 80ern und 90ern. Auch das permanente Reiten von Extrawürsten hat dem Unternehmen geschadet (Geräte mit Memorystick statt SD-Card), der Minidisc als geschlossenem Format wurde von der CDR/W und später von mp3 das Wasser abgegraben. Zudem sind Apple und Samsung übermächtige Konkurrenten geworden, ein Musikkaufsystem wie Apple einzurichten hat man aufgrund von Kopier-Ängsten verschlafen (eine Zeitlang durften Online-Shops wie Amazon nicht einmal CD-Tracks anspielen lassen, was dem Sony-CD-Absatz auch nicht förderlich war). Die restriktive Urheberrechtspolitik, die viele Sony-Fans vergraulte, ist auf das starke Engagement des Konzerns in der Musikindustrie (CBS) und Filmindustrie (Columbia Pictures) zurückzuführen und oft hat sich die Frage gestellt, ob die Diversifikation in diese Richtung Sinn mache. Wenig erfolgreich war bisher auch das inzwischen beendete Mobiltelefon-Jointventure Sony-Ericsson, dessen Marktanteil wegen der Smartphones bis 2011 auf bescheidene 1,7% sank. Sony übernahm 2012 auch den Ericsson-Anteil. Die für Sony einst wichtige Sparte der optischen Medien verliert an Bedeutung. Auf den Turnaround setzen Börsenauguren schon seit Jahren, aber erneut ist Sony in tiefroten Zahlen. Ob es der neue Konzernchef Hirai richten kann, muss sich erst zeigen.

Sharp, einst auch in der HiFi-Branche tätig, hat sich auf die Schwerpunkte LCD-TV und Solarzellen zurückgezogen und gehört weltweit zu den größten Solarpanel-Herstellern, leidet aber wie auch Sanyo/Panasonic am Preisverfall in beiden Branchen. Auch die 30%ige Beteiligung am TV-Hersteller Loewe (D) macht derzeit keine Freude. Sharp hofft nun mit einer Partnerschaft mit dem Apple-Zulieferer Foxconn (bekannt für die vielen Selbstmorde unter Mitarbeitern) aus der Misere zu kommen.

Denon und Marantz, auch zwei bekannte Namen der Edel-HiFi-Branche, haben 2002 zur D&M Holdings Inc. fusioniert und sind seit 2008 nicht mehr an der Börse.

Generell leiden die Japaner unter dem völlig grundlos hohen Yen, der Exporte erschwert, auch wenn dem durch Errichtung ausländischer Produktionsstätten entgegengewirkt wird. Zudem ist die japanische Industrie streng hierarchisch aufgebaut, was zu Inflexibilität und oft schwerwiegenden Fehlentscheidungen führt. Auch hat es Japan aufgrund historischer Feindseligkeiten (Besetzung durch Japan im 2. Weltkrieg) nicht geschafft, rechtzeitig und ausreichend in Ländern wie China und Südkorea Kooperationen aufzubauen. Bei der ganzen Misere sollte man aber eines nicht vergessen: Nach wie vor hält die japanische Industrie im Elektronikbereich viele Schlüsselpatente und nach wie vor sind japanische Geräte (egal ob in Japan oder im Ausland produziert) in der Regel gut verarbeitet. Ob dies für ein Comeback der japanischen Elektro/Elektronikindustrie genügt, ist jedoch die große Frage.

(cr)


 
 

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