Elf Jahre lang waren die Goldproduzenten, die seit längerem mit steigenden Kosten zu kämpfen haben, gesegnet mit anziehenden Goldpreisen, im laufenden Jahr verläuft der Unzenpreistrend eher flach und schon sind die Folgen bei den Quartalsergebnissen zu sehen. Die bisher verlautbarten Zahlen von Goldcorp, Newmont Mining. Agnico Eagle und Barrick Gold für das zweite Quartal stimmen nicht gerade euphorisch.
Nettogewinnrückgänge (bereinigt um Einmaleffekte) im Bereich zwischen 15% (Agnico Eagle) und 34% (Newmont Mining) sind die Konsequenzen eines Teufelskreises aus inflationsbedingt höheren Ausgaben für Löhne, dem teureren Abbau von Erzen mit geringeren Goldgehalten sowie teils erhöhten Treibstoffkosten auf der einen Seite und nur stabilen Verkaufspreisen auf der anderen Seite.
Zwar hatte die Mehrheit der Analysten mit solch schlechten Nachrichten gerechnet, aber manch maue Erwartungen wurden dennoch übertroffen. Dementsprechend stark fielen auch die Kursbewegungen nach unten bei den Datenlieferanten aus. Das Bild der sinkenden Aktienkurse bei den grossen Goldförderern verfolgt die Investoren allerdings schon länger. Für Ronald Stöferle, Goldexperte bei der Erste Group ist die Divergenz in der stark negativen Performance des Gold Bugs Index und der leicht positiven Tendenz beim Goldpreis seit dem Vorjahr einerseits auf die “gestiegenen Input-Kosten” zurückzuführen. “Andererseits dürfte auch die wachsende Risikoaversion im Zuge eines generellen „Risk-Off“ bei Aktien für die Underperformance der Miner ausschlaggebend gewesen sein”, schreibt der Analyst in seinem neuesten Goldreport.
Dazu kommt für die Majors noch die Schwierigkeit, die Goldproduktion organisch wachsen zu lassen, “nachdem Greenfield-Exploration in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt wurde und die Kapitalkosten signifikant anstiegen”. Ein Beispiel dafür ist Barrick Gold, das mit der neuen Schätzung einer explosionsartigen Steigerung der Investitionsaufwendungen in das unternehmensentscheidende Projekt Pascua Lama um 50 bis 60 Prozent negativ aufhorchen liess.
Angesichts der enttäuschenden Performance sollte die Rentabilität der Goldaktien erhöht werden und in diesem Zusammenhang ist für Stöferle die Differenz zwischen Goldpreis und Produktionskosten der wichtigste Faktor. Für Aktionäre und potentielle Investoren wird es also zunehmend interessanter, wie das Management die Kosten im Zaum halten will und kann. Barricks neuer CEO Sokalsky hat Fehler eingestanden und einen Strategiewechsel angekündigt: Zukünftig werde man die Rentabilität der produzierten Unzen steigern, statt die Produktionsmenge zu maximieren. Auch der diszipliniertere Ansatz bei der Kapitalzuteilung der Entwicklungsprojekte könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein.
Ob damit das Niveau des grössten Analystenpessimismus bezüglich zukünftiger Ergebnisse, das Stöferle erfahrungsgemäss als verlässliches Einstiegssignal bei Goldaktien sieht, bereits erreicht ist?






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