Europas Währungshüter können Spanien nur eine vorübergehende Atempause bei den rekordhohen Finanzierungskosten verschaffen. Das ist jedenfalls die Einschätzung von Vermögensverwaltern.
Die Renditen der zwei-, fünf-, zehn- und 30-jährigen spanischen Anleihen sind in dieser Woche auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro gestiegen. Am Markt machten Spekulationen die Runde, das Land benötige ein Rettungspaket um seine Banken und Regionen zu stützen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat inzwischen die Europäische Zentralbank (EZB) aufgefordert, spanische Anleihen zu kaufen. Investoren sehen die Währungspolitiker als handlungsunfähig an für die Rettung eines Landes, dessen Wirtschaft doppelt so gross ist wie die von Griechenland, Irland und Portugal zusammengenommen.
“Die Krise ist beispiellos, daher müssen die Reaktionen beispiellos sein”, sagt Arif Husain, Direktor Festverzinsliche bei AllianceBernstein Ltd. in London. “Alle Massnahmen, die die EZB ergreifen kann, würden sich als vorübergehend erweisen. Das Problem liegt darin, dass alles, was derzeit passiert, nicht überzeugend ist, und die Märkte hassen Unsicherheit.”
Am Mittwoch stieg die Rendite zehnjähriger Spanien-Bonds bis auf 7,751 Prozent. Nach den Äusserungen von EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag, die Notenbank werde alles Notwendige zur Beibehaltung des Euro tun, erholten sich die Kurse der Spanien-Bonds, am Freitagvormittag lag die Rendite bei 6,82 Prozent. Die Kosten für eine Absicherung spanischer Anleihen gegen einen Zahlungsausfall erreichten zeitweise das höchste jemals verzeichnete Niveau.
“Ich denke nicht, dass ein Rettungsprogramm die Lösung ist”, erklärt Ralf Ahrens, Leiter Festverzinsliche beim Fondsanbieter Frankfurt Trust. “Die spanische Regierung muss die Märkte überzeugen, dass sie die wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommt. Es ist schwer zu sehen, was die EZB tun könnte, weil es ein Solvenz-Problem und kein Liquiditätsproblem ist. Durch Gelddrucken wird es nicht gelöst.”
Bisher hat die EZB den Anleihemarkt in turbulenten Zeiten durch Bondkäufe am Sekundärmarkt und das Angebot unbegrenzter dreijähriger Kredite über ihre langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) gestützt. Einen Teil der LTRO- Gelder investierten die Banken wieder in Staatsanleihen. Mit insgesamt einer Billion Euro in den LTROs im Dezember und Februar konnte die EZB einen Ausverkauf spanischer und italienischer Bonds vorübergehend umkehren.
Im Gefolge des zweiten LTROs fiel die Rendite zweijähriger spanischer Anleihen auf 2,15 Prozent, inzwischen ist sie jedoch wieder bis auf 7,147 Prozent geklettert. Bei vergleichbaren italienischen Anleihen rückte die Rendite von 1,68 Prozent am 1. März auf inzwischen 5,26 Prozent vor.
“Die Leute reden über die Möglichkeit eine drittes LTRO, aber das würde sich mit Sicherheit als noch kurzfristiger erweisen als zuvor”, sagt Michael Riddell, Fondsmanager bei M&G Group Plc in London. “Beim letzten Mal haben die Liquiditätsspritzen nur erreicht, dass notleidende Staatsanleihen in den Büchern notleidender Banken gelandet sind, und das zu Preisen, mit denen die Banken jetzt noch weniger Wert in den Büchern haben als zu Anfang des Jahres.”
Für die Banken hat Spanien im Juni ein Hilfspaket über 100 Mrd. Euro beantragt. Die Gefahr für das Land liegt jetzt in den Regionen, die Finanzhilfen von der Zentralregierung wollen. Diese zusätzliche Last könnte die Anleiherenditen so hoch treiben, dass Spanien die Kosten nicht mehr tragen kann.
Alex Johnson, Leiter Festverzinsliche weltweit bei Fischer Francis Trees & Watts in London, rechnet mit einem dritten LTRO, dem er aber keine grossen Erfolgschancen einräumt. “Auf Basis der bisherigen Geldpolitik der EZB ist ein weiteres LTRO am wahrscheinlichsten”, erläutert er. “Kurzfristig mag das helfen, aber es scheint, dass dieses Problem auf politischer Ebene gelöst werden muss.”
Bloomberg






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