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Notfallpläne

© dpa/apa

Schuldenkrise wird für Fondshäuser zum Drahtseilakt   Facebook be



20.07.2012
 

Zerbricht der Euro? Seit die Schuldenkrise immer weitere Kreise in Europa zieht, steht diese Frage im Raum. Die großen Fondsgesellschaften, die Milliardenvermögen für private und institutionelle Anleger verwalten, haben schon länger Notfallpläne für dieses Szenario in den Schubladen. Das gibt jedes Haus hinter vorgehaltener Hand zu. Doch die Gesellschaften halten diese Pläne streng unter Verschluss. Dass sie keine Panik schüren wollen, ist ein Grund dafür. Aber es gibt noch ein viel wichtigeres Motiv: Je weniger die Kunden über die Pläne wissen, desto geringer ist das Risiko teurer Klagen, sollte irgendetwas schiefgehen. Zumindest sehen das Anwaltskanzleien und Beratungsfirmen so.

"Die Fondshäuser stecken in einem Dilemma", erklärt Ben Phillips von der Beratungsgesellschaft Casey Quirk, der mit vielen Vermögensverwaltern zu tun hat. "Sie können ihren Kunden nicht einfach sagen: Sorry, wir haben das nicht vorhergesehen, Ihre Verluste sind nicht unsere Schuld." Also müsse ein Notfallplan her. Aber es könne eben auch das Gegenteil passieren - etwa wenn ein Fondshaus einen Klienten ganz offen auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone vorbereite und dessen Geld umschichte, dieses Szenario aber letztlich nicht eintrete. "Die Kunden könnten dann sagen: Sie haben mir geraten, rauszugehen, während alle anderen, die investiert geblieben sind, eine Menge Geld verdient haben." Also heißt die Devise: Den Kunden in Sicherheit wiegen und möglichst wenig kommunizieren.

Die britische Finanzaufsicht FSA hat die Fondsgesellschaften auf der Insel schon vor Monaten aufgefordert, sich auf das Zerfalls-Szenario vorzubereiten. Der einzelne Fondsmanager, der die Engagements in Schuldenländern wie Griechenland, Spanien oder Italien wahrscheinlich längst reduziert hat und das Risiko-Profil seines Fonds jederzeit klar benennt, ist da wahrscheinlich noch das geringste Problem.

Viel wichtiger ist die Frage, ob im Ernstfall die Verwaltungs- und IT-Prozesse des Hauses funktionieren, sagen Branchenkenner. Denn wenn der Handel an den internationalen Aktien- und Anleihemärkten unterbrochen wird, plötzlich Kapitalkontrollen zwischen Institutionen und Staaten stattfinden und Notfallmaßnahmen ähnlich den in der Finanzkrise verhängten Leerverkaufsverboten eingeführt werden, sei derjenige gut beraten, der einen Plan B habe, um seine Fonds am Laufen zu halten. So müsse es etwa verlässliche Absprachen mit den Clearing-Häusern geben, wie verfahren wird, wenn Verkaufsorders bereits eingegeben, aber in den Computersystemen noch nicht abschließend verbucht worden sind. Im Notfall gelte es schließlich, binnen Sekunden den Schalter umzulegen und zu verkaufen, bevor für die Kunden wegen illiquider Positionen horrende Verluste entstehen.

"Diese ganze Ungewissheit ist ein Nährboden für Rechtsstreitigkeiten - und man ist gut beraten, diese Risiken im Vorfeld zu reduzieren", sagt Richard Mitchell, Partner bei der Kanzlei McDermott Will & Emery. Er hat bei vielen Asset Managern Ratlosigkeit ausgemacht. Davon berichtet auch Rory Gage, Direktor beim Beratungshaus Navigant, das auf Risiko-Analysen spezialisiert ist. Er schätzt, dass nur eines von zehn Investmenthäusern ausreichend Vorsorge getroffen und IT-Prozesse für den Ernstfall getestet hat.

Vor allem die kleineren Fondshäuser gelten als anfällig, haben sie doch schlichtweg nicht die personellen Ressourcen, sich neben den strengeren regulatorischen Anforderungen auch noch detaillierten Notfallplänen für das Back-Office zu widmen, erklären Experten.

Das größte Gift ist die Unsicherheit. Und so kommt es, dass sich manche Investmenthäuser lieber den großen Knall wünschen, als sich weiter durchwursteln zu müssen. Einer, der den Zerfall des Euro nicht als Weltuntergang sieht, ist Jens Erhardt, Chef von DJE Kapital. "Selbst wenn das für uns erstmal das totale Chaos bedeutet und unsere Arbeit kurzfristig sehr viel schwieriger macht - ich würde mir wünschen, dass wir eine klare Entscheidung haben", sagt der langjährige Euro-Kritiker. "Denn im Moment sind wir davon abhängig, was die Politiker sagen und tun, davon, wie die Umfragen in den Schuldenländern ausfallen. Es ist einfach so schwer, Entscheidungen zu treffen. Das hier ist kein normales Marktumfeld mehr." (APA/Reuters)


 
 

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