Der Trend der Aktie eines Fussballvereines hängt zum grössten Teil vom sportlichen Erfolg des Klubs ab. Eines ist also für einen potentiellen Interessenten für das im August geplante IPO von Manchester United an der Wall Street Voraussetzung - grosses Fussballverständnis und -animo. Hinge der Erfolg des Börsegangs des legendären britischen Fussballklubs allerdings einzig und allein von seiner gegenwärtigen sportlichen Verfassung ab, wäre das Projekt Börse schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn der sonst so erfolgsverwöhnte 19-malige britische Meister schied bereits im Gruppenendspiel gegen FC Basel aus der Champions League aus.
Für den Eigner des Vereins ist ein IPO meist “ein probates Mittel, um kurzfristig an zusätzliche Finanzmittel zu kommen“, betont Thomas Fuggenthaler, Unternehmensberater und Experte für Sportökonomie bei Ernst & Young. Dies dürfte der US-Milliardär und Grossinvestor Malcolm Glazer, der 2005 mit einigen Familienangehörigen die Mehrheit bei United übernahm, genauso sehen. Damals war der Verein bereits seit 1991 an der Börse notiert und konnte dort eine Erfolgsstory vorweisen. Die gestiegenen Aktienkurse hatten United 2004 zum achten Mal in Folge zum reichsten Fussballverein der Welt gemacht.
Anders ging es für die dann noch verbliebenen Aktionäre aus. Anfang des neuen Jahrtausends hatte Glazer seine Aktienanteile kontinuierlich erhöht, bis ihm 98 Prozent des Vereines gehörten und die Kleinaktionäre abgefunden. Er ernannte seine Söhne zu Vorstandsvorsitzenden und machte innerhalb der nächsten vier Jahre aus United einen Sanierungsfall. Seit 2010 sucht Glazer nach Anlegern, die zwecks Umschuldung rund eine halbe Milliarde Euro aufbringen sollen. 2011 wird ein Gang an die Börse in Singapur angedacht, scheitert aber an den volatilen Aktienmärkten. Mit der Rückkehr zur Börse will der britische Rekordmeister jetzt laut letzten Infos etwa 300 Mio. Dollar (245 Mio. Euro) einsammeln. Geld, das der chronisch klamme Klub dringend gebrauchen kann: Vor Beginn der neuen Saison steht der Verein laut Medienberichten mit 425 Mio. Pfund (ca. 545 Mio. Euro) in der Kreide. Allerdings ist der Gesamtwert des Klubs vom Magazin „Forbes“ unlängst auf 2,24 Mrd. Dollar taxiert worden. Sofort verfügbare Barmittel dürften angesichts entgangener Fernsehmillionen nach dem frühen Champions-League-Aus bei United dennoch sehr willkommen sein.
Anlageberater und Verbraucherschützer warnen überhaupt vor überzogenen Erwartungen an die Aktien von Fussballklubs. „Für Anleger sind solche Titel generell eher Liebhaberobjekte“, meint Fuggenthaler. Im Prinzip seien „solche Aktien aus Verbrauchersicht eher kritisch zu sehen“, stösst auch Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen ins gleiche Horn. Die Papiere von Fussballklubs betrachtet er eher als „Liebhaberei“ als eine nennenswerte Wertanlage. Sein Tipp: Wenn überhaupt, so sollten Privatanleger sie seiner Ansicht nach höchstens „sehr sparsam einstreuen“ ins Depot. (cg)






DNB
Vontobel
weiterlesen