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Interview

'Die Gier der Kunden wird nach zwei Watschn nicht mehr so groß sein'   Facebook be



14.05.2009
 
Alois Steinböck u. Peter Pavlicek, Geschäftsführer Bawag PSK Invest

Alois Steinböck und Peter Pavlicek, die beiden Geschäftsführer der Bawag PSK Invest, sehen einen gravierenden Umbruch in der Fondsbranche. Der Handlungsauftrag ergehe aber ganz klar an die KAGs und ihre Produkte.

foonds.com: Was wird sich an der Diskussion über Fonds nach der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise ändern?

Alois Steinböck: Wenn man in der letzten Zeit über Fonds gesprochen hat, so war das immer ein Gespräch über Equity. Es wurde damit sehr das Risiko in den Vordergrund gestellt. Das wird sich mit den aktuellen Entwicklungen - an den Märkten und bei neuen Produkten - ändern.

Peter Pavlicek: Von den Vorteilen von Fonds-Investments redet keiner. Bei den Assetklassen hat der Rentenbereich in den vergangenen Jahren eine absolute Underdog-Funktion gehabt, obwohl die meisten Veranlagungen in diesem Bereich stattfinden.

foonds: Wie kann man Fonds im Ansehen wieder nach oben bringen? Und wer kann etwas dazu tun?

Steinböck: Es müssen die KAGs selber aktiv werden. Die wahre Arbeit beginnt erst, wenn wieder ein Aufschwung kommt, damit nicht wieder die gleichen Fehler gemacht werden. Wir meinen z.B., man sollte als Fondsgesellschaft auch für Einzelfonds einen Anlagehorizont nennen. Beratung und Aufklärung werden wieder viel wichtiger. Den Kunden stört am meisten, wenn sich etwas überraschend negativ entwickelt hat. Uns geht es vor allem darum, das Verständnis für bestimmte Dinge zu fördern. Man muss dem Kunden einmal sagen, was wirklich das zu erwartende Renditeniveau für eine risikolose Veranlagung ist.

Pavlicek: Wir können etwas tun in der Produktgestaltung. Und wir haben eine Verantwortung für bewusstes Verkaufen von Produkten, die nicht verblüffen. In Prospekte brauchen sie so etwas nicht schreiben - die liest der Kunde nicht.

foonds: Wie wird sich die Produktgestaltung bei Ihnen im Haus nach der Kriseverändern?

Pavlicek: Wir werden ganz sicher noch stärker auf Absolute Return-Fonds setzen. Und zwar echtes Absolute Return mit einem Sicherungskonzept. Da hat es ja Produkte im Markt gegeben mit 40, teilweise 50 Prozent Kapitalverlust. Das kann nicht sein. Prinzipiell wird es ein anderes Zusammenleben mit den Kunden geben müssen. Ich denke, die Gier wird nicht mehr so groß werden, nach den beiden Watschn 2002 und 2008/09.

Steinböck: Wir wollen bei uns im Haus in Zukunft stärker die Rolle eines Asset Managers erfüllen, der die Veranlagung seiner Kunden steuert. Einzel-Aktienfonds wird es aber dennoch weiterhin geben, auch von uns. Wesentlich wird es aber sein, denkende Produkte zu entwickeln (wie den Zielrendite-Fonds), die dem Kunden einen guten Teil der Anlageentscheidung bereits abnehmen. Insgesamt muss auf verschiedene Funktionsweisen stärker hingewiesen werden. Bei einem kapitalgarantierten Produkt darf ich mich nicht hinstellen und sagen: 8% pro Jahr sind möglich, sondern: Mit 3% bist du dabei, 4% sind schon eine sehr gut Leistung. Darüber hinaus wird eines unserer klaren Ziele sein, Produkte anzubieten, die es Kunden schon mit 3000 bis 4000 Euro erlauben, eine ausreichende Diversifikation ihres veranlagten Geldes zu erreichen. Für uns alle muss jedenfalls gelten: Wir dürfen den Verlokkungen nicht erliegen. Wir wollen aber auch, dass sich der Kunde mit dem Thema Risiko richtig auseinandersetzt.

foonds: Nach der Finanzmisere sind nun neuerlich Steuern für Transaktionen und/oder Vermögen per se in Diskussion. Wie ist da Ihre Haltung?

Steinböck: Insgesamt halte ich neue Steuern nicht für opportun in einem Hochsteuerland wie Österreich. Im Speziellen: Es darf keine neuen Steuern geben, die die Finanzmärkte noch zusätzlich belasten. Da ist es ohnehin schon schwierig genug. Vorstellbar sind für mich Steuern allenfalls in hochspekulativen Bereichen, zum Beispiel bei Devisentransaktionen, wo rein spekulativ gearbeitet wird, aber nicht dort, wo solche Transaktionen zur Absicherung anderer Positionen dienen sollen.

Pavlicek: Wir warnen vor einem Alleingang Österreichs, denn Kapital ist hochflexibel. Es käme zu einer Abwanderung gerade von vermögenden Kunden, und das würde unsere Branche massiv schädigen.

foonds: Was schlagen Sie statt dessen vor?

Pavlicek: Statt dessen sollte man sich fragen: Wie kommt man besser an den Kunden heran, MiFID hat da einen ersten Schub bewirkt, aber die Berater müssen noch viel besser geschult werden. Das haben auch wir uns auf die Fahnen geschrieben. Bei uns wird es zusätzliche Produktschulungen geben, nicht nur weil neue Produkte auf den Markt kommen, sondern um das Verständnis zu fördern. Auch hier ergeht der Auftrag aber zunächst direkt an uns, denn über die reine Produktgestaltung nimmt man schon massiv Einfluss auf das Beraterverhalten. Dabei ist auch die Frage zu stellen: Habe ich überhaupt Produkte für alle Marktphasen - und die muss ehrlich beantwortet werden. Wenn man sich die Produktportfolios so anschaut, muss man sagen: Schön langsam wird es Probleme mit dem Thema Inflation geben, denn 75% der Anlagen sind im Rentenbereich. Das wird noch zu Problemen führen.

Steinböck: Der Trade-off ist für uns nicht einfach. Es werden Produkte aufgelegt und forciert, darüber geschrieben. Das schaukelt sich hoch. Wir konzentrieren uns jedenfalls auf unsere Rolle als Asset Manager.

foonds: Es gibt in Österreich tausende Fonds, und die Gesellschaften müssen ja irgendwie auffallen. Was ist aus ihrem Hause produktseitig zu erwarten? Und was vom Markt?

Steinböck: Wir sind da schon immer eine andere Strategie gegangen als viele andere Häuser. Aber man muss sich eingestehen: Mit fünf bis sieben Produkten deckst du die wirklichen Bedürfnisse der meisten Privatkunden ab. Man muss nicht jede Woche etwas Neues anbieten.

Pavlicek: Die Zukunft wird (vom Markt her) eher unspektakulär werden. Unsere Aufgabe wird es sein, nach innen auf die Kosten zu schauen und nach außen das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen und zugleich die Transparenz zu steigern. Im Fondsmarkt selbst wird es zu weiteren Fondszusammenlegungen kommen, denn es macht für eine Fondsgesellschaft keinen Sinn, fünf oder sogar mehr Fonds zu haben, die allesamt das gleiche können und tun. Wir haben derzeit 35 Investmentfonds im Publikumsbereich. Das wird sich auch nicht wesentlich ändern.

foonds: Sie haben wenig Themenfonds, was sich zuletzt als gut herausgestellt hat. Warum diese Philosophie?

Pavlicek: Wir haben da nie so mitgespielt. Zudem muss man grundsätzlich hinterfragen, ob ein Single-Equity-Fonds heute noch Sinn macht. Dem Kunden muss ich es stets erklären können, das geht aber bei Themenfonds nicht immer ehrlich.

Interview: Peter R. Nestler

Aus dem Börse Express vom 14.5.2009
Abos unter http://www.boerse-express.com/


 
 

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