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Mit investigativen Methoden zum erfolgreichsten Analysten   Facebook be



13.07.2012
 
Suche nach relevanter Information ist wichtiger als Empfehlung

Es war Januar 2011. Anleger auf der ganzen Welt waren der Meinung, dass die Wirtschaft in den USA und Europa sich erholen würde, und daher in Kauflaune. Eine Aktie, deren Kurs nach oben kletterte, war Janus Capital Group Inc., ein Vermögensverwalter mit Sitz in Denver.

Investoren hatten gewettet, dass Janus mit seiner Palette von wachstumsorientierten Investmentfonds von dem Schub profitieren würde. Analyst Kenneth Worthington von JPMorgan Chase & Co. war anderer Auffassung.

Als er die Fonds von Janus betrachtete, stellte er fest, dass deren Renditen seit sechs Monaten nachließen. Zudem hatte das Unternehmen vor kurzem Performance-Gebühren für ein halbes Dutzend seiner Fonds eingeführt. Seitdem zahlten diese Fonds Gebühren an Janus Capital, ihren “Berater”, die auf der Kursentwicklung der Fonds im Vergleich zu ihren Benchmarks basierten. Wenn die Fonds schwächeln, fallen solche Gebühren niedriger aus und schmälern den Gewinn der Fondsgesellschaft.

“Die Kurse brechen ein, der Gewinn bricht ein, die Aktie bricht ein”, war das Szenario, das Worthington vorhersah. Der Analyst empfahl am 7. Januar 2011 bei einem Aktienkurs von 13,45 Dollar, Janus zu verkaufen. Im Februar stieg die Aktie noch auf 14,45 Dollar. Dann folgte ein tiefer Fall - Janus beendete das Jahr bei 6,31 Dollar.

Worthingtons Verkaufsempfehlung für Janus trug dazu bei, dass er im Ranking der US-Aktienanalysten den ersten Rang im Bereich Broker und Vermögensverwalter belegte. Das Ranking wurde von der Beratungsgesellschaft Greenwich Associates in Zusammenarbeit mit Bloomberg Markets erstellt und basiert auf der Befragung von 980 Buy-Side-Analysten bei 216 Kapitalanlagegesellschaften, Investmentfonds, Hedgefonds, Pensionsfonds und Versicherern. Insgesamt kam JPMorgan mit der größten Anzahl hoch bewerteter Analysten auf Rang 1 im Bereich US-Aktien-Analyse, vor Bank of America und Morgan Stanley.

Seit Beginn der Finanzkrise sind die Märkte deutlich mehr durch makroökonomische Ereignisse angetrieben als durch Faktoren, die auf ein bestimmtes Unternehmen einwirken. Analysten konzentrieren sich daher darauf, Studien über Trends und Branchen zu veröffentlichen. “Unser Geschäft ist, die Punkte zu verbinden”, sagt David Bleustein, Leiter US- Aktienanalyse bei UBS AG in Zürich. “Wir können erklären, wie sich ein Streik von Hafenarbeitern in Australien wahrscheinlich auf eine Kohlegesellschaft in den USA auswirken wird.”

“Man muss heutzutage Ermittler sein”, sagt Stefano Natella, Co-Leiter Wertpapieranalyse bei Credit Suisse Group AG. Die Schweizer Bank ist mit vier ersten Plätzen, unter anderem in den Bereichen Öl und Gas sowie Halbleiter, die Nummer 4 im Ranking.

Beispielhaft für das investigative Vorgehen steht John Glass, Gastronomieanalyst bei Morgan Stanley. Er gab im Januar 2011 eine Umfrage unter 1.500 Kaffeetrinkern in Auftrag. Starbucks Corp. hatte kurz zuvor Interesse am Markt für Kaffee- Pads bekundet. “Die Schlüsselfrage war: ’Werden Sie Ihre Besuche in Starbucks Coffee Shops reduzieren, wenn es Starbucks- Kaffeepads für zuhause gibt?’”, so Glass. Wenige der Befragten antworteten mit “Ja”. Aufgrund der Umfrage prognostizierte Glass, dass Starbucks schnell 30 Prozent des wachsenden, 3 Mrd. Dollar schweren Einzelportionenmarkts an sich reißen könnte und dass das neue Produkt das Gewinnwachstum bis auf 20 Prozent treiben könnte. Er gab eine Kaufempfehlung für die Aktie aus, als sie bei 33,12 Dollar stand. Drei Tage später, nachdem Starbucks eine Partnerschaft mit Green Mountain Coffee Roasters Inc. aus Waterbury im US-Bundesstaat Vermont bekanntgab, schoss der Kurs auf 37,97 Dollar hoch. Am Donnerstag schloss die Aktie bei 52,68 Dollar.

Deutsche-Bank-Analyst Rod Lache ist die Nummer 1 im Automobilbereich. Er kann zahlreiche Erfolge mit seinen gegen den Trend gehenden Empfehlungen vorweisen. Im April 2010 drückten die Anleger den Kurs des Autoteilebauers Johnson Controls Inc., da vermutet wurde, dass der schlechte Ausblick in der Euro-Zone das Geschäft belasten werde. Lache setzte hingegen auf einen neuen Vertrag der Batteriesparte mit Wal-Mart Stores Inc. und einer Erholung in den Bereichen Auto-Innenausstattung und Gebäudetechnik - und behielt recht.

Doch obwohl die Analysten sich bemühen, sich für Investoren unverzichtbar zu machen, wird ihre Welt kleiner. Investoren handeln weniger, das reduziert die Provisionen. Das tägliche Handelsvolumen betrug im März 2009 durchschnittlich 12,3 Milliarden Aktien, im März 2012 waren es laut Daten von Rosenblatt Securities Inc. nur noch 6,6 Milliarden. Auch ETFs, börsennotierte Indexfonds, haben den Bedarf an Analysten weiter sinken lassen.

Der Superstar-Analyst der 90er, der Millionen Dollar im Jahr verdiente, ist Vergangenheit. Eine wachsende aber wenig bekannte Aufgabe der Analysten ist es jedoch, Investoren Kontakte mit Managern der von den Analysten beobachteten Unternehmen zu ermöglichen, sei es über einzelne Treffen, Konferenzen oder Reisen. Dies ist das neueste Angebot einer Branche, der ein schlecht gehütetes Wall-Street-Geheimnis zu schaffen macht: Die traditionellen Empfehlungen zum Kaufen, Verkaufen oder Halten werden von den Investoren nur wenig beachtet.

“Herab- und Heraufstufungen sind zweitrangig”, sagt Credit-Suisse-Analyst Thomas Gallagher, Nummer 1 im Bereich Lebens- und Krankenversicherungen. “Es geht vielmehr um die Suche nach relevanter Information: Eine Hilfe dabei zu sein, Probleme zu erklären, die über mehrere Jahre eine Rolle spielen.”

Kurz gesagt, sind vor allem die Analysten bei den Anlegern beliebt, die selbst in einem Markt, der von Angst, Wechselbeziehungen und Risikoabneigung beherrscht wird, noch gute Investmentideen liefern.

(Bloomberg/red)


 
 

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