Der Libor-Skandal bringt auch die Zentralbanken wieder ins Zentrum der Kritik. Es gab Mutmaßungen, dass die Bank of England von den Libor-Manipulationen wusste und diese stillschweigend guthieß. Das ist zumindest die Sichtweise des inzwischen zurückgetretenen Barclays-CEO Bob Diamond. Paul Tucker, Vize-Chef der Bank of England, bestritt jedoch gegenüber dem Finanzausschuss des britischen Parlaments diese Vorwürfe.
Zinsen – wie es euch gefällt
In der Kritik stehen die Zentralbanken jedoch inzwischen deshalb, weil sie selbst die größten Manipulateure der Zinsen sind, die Libor-Manipulation ist nichts dagegen. Denn längst haben sie sich in den meisten Ländern zu Erfüllungsgehilfen der Politik gemacht, die meist in den Statuten vorgesehene Unabhängigkeit ist längst Makulatur geworden. So fühlen sie sich offensichtlich immer weniger der Geldwertstabilität verpflichtet (die US-Notenbank FED hat von jeher schon auch andere Zielsetzungen) und unterstützen mit tiefen Zinsen eine inflationsfördernde Politik, um die Bedienung der Staatsschulden zu erleichtern. Aber nicht nur auf die kurzfristigen Zinsen nehmen sie Einfluss, sondern auch auf die langfristigen durch Käufe von Staatsanleihen. Nichts anderes als massive Zinsmanipulation ist etwa die Operation TWIST der FED, wo kürzer laufende Papiere gegen längerfristige getauscht werden, um die Renditen am langen Ende zu drücken, aber genauso die Käufe von maroden Staatsanleihen durch die EZB. Kritiker bezeichnen das Zinskartell der Zentralbanken als größte Betrugsmaschinerie der Neuzeit.
Tiefe Zinsen bringen viele Probleme
Denn nicht-marktkonforme tiefe Zinsen haben durchaus negative Effekte. Abgesehen davon, dass sie die Fehlallokation von Geld in sinnlose Projekte fördern (zB der spanische Immobilienboom), stellen sie vor allem eine Enteignung, ja manche sprechen von Betrug, der Sparer dar. Betroffen sind nicht nur die Besitzer von Sparbüchern, Anleihen, Termingeldern usw., sondern genauso Lebensversicherte oder Einzahler von Zusatzpensionen, da bei einem Nullzinsniveau keine entsprechende Verzinsung der Gelder mehr möglich ist, und die Versicherten um ihre Leistungen geprellt werden. „Unter dem Strich zerstören die Federal Reserve und andere Zentralbanken in den entwickelten Ländern das Finanzsystem beim Versuch, genau dieses System über Wasser zu halten“, gibt Investmentveteran Robert Fitzwilson zu bedenken. Jim Rogers würde die FED am liebsten gleich abschaffen und auch Senator Ron Paul hält sie für überflüssig und schädlich. Aber nicht nur die FED, auch die EZB hat ihren guten Ruf längst verspielt: Die EZB sei zu einem Büttel der Politik geworden, kommentiert die FAZ. Äußern wird sich das über kurz oder lang in einem immer stärker erodierenden Vertrauen in das Papiergeld.
(cr)






DNB
Vontobel
weiterlesen