Nach der Hochstufung von Brasiliens Bonitätsnote in die Kategorie Investment-Grade rechnen Investoren offenbar mit einem weiteren Anstieg des Ratings. Das zeigen die Preise für Kreditausfallswaps, mit denen sich Anleger gegen einen Zahlungsausfall bei Staatsanleihen absichern können.
Die Kosten für eine Absicherung brasilianischer Bonds gegen einen Zahlungsausfall sank am Dienstag um 0,04 Prozentpunkte auf 1,19 Prozentpunkte, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Zum Vergleich: Eine Absicherung südafrikanischer Anleihen kostet 1,24 Prozentpunkte, obwohl das Land von Moody’s Investors Service drei Stufen höher als Brasilien bewertet wird. Bei Polen, einem Land mit einer Bonitätsnote vier Stufen über der Brasiliens, liegen die Kosten für eine Absicherung bei 1,18 Prozentpunkten.
Moody’s hatte Brasiliens Rating am Dienstag auf “Baa3” angehoben, die niedrigste Note in der Güteklasse Investmentgrade. Damit reagierte die Ratingagentur auf Brasiliens Massnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Das Land hat seine Rekord- Devisenreserven eingesetzt um seine Währung zu stützen, ausserdem wurden die Zinsen gesenkt und die Kreditvergabe ausgeweitet um die durch die weltweite Finanzkrise ausgelöste Rezession in den Griff zu bekommen. Die Bonitätswächter haben das Rating mit einem positiven Ausblick versehen und signalisieren damit die Bereitschaft zu einer weiteren Hochstufung.
“Die Dynamik geht eindeutig in Richtung weitere Anhebungen”, sagt David Bessey, auf Schwellenländer spezialisierter Fondsmanager bei Prudential Financial in Newark, New Jersey. “Es überrascht ein wenig, dass sie das Land hochstufen und dann auf die Überprüfungsliste für eine weitere Anhebung setzen. Aber angesichts der Stärke der brasilianischen Wirtschaft ist es sicher nicht verrückt.” Einige Analysten hatten sogar mit einer Verbesserung des Ratings um zwei Stufen gerechnet.
Moody’s begründete die bessere Bewertung Brasiliens mit der “starken wirtschaftlichen und finanziellen Widerstandskraft” des Landes während der Finanzkrise. Standard & Poor’s und Fitch Ratings hatten Brasiliens Rating bereits vor einem Jahr in die Kategorie Investmentgrade hochgesetzt. Nachdem nun die drei grossen Ratingagenturen Brasilien alle auf der Stufe Investmentgarde einordnen, dürften verstärkt Gelder in brasilianische Anleihen fliessen, sagte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega am Dienstag gegenüber Journalisten.
Zentralbankchef Henrique Meirelles rechnet damit, dass S&P und Fitch dem Beispiel von Moody’s folgen und die Bonitätsnote mit einem positiven Ausblick versehen werden. Beide Ratingagenturen bewerten Brasiliens Schulden mit “BBB-”, der niedrigsten Stufe im Bereich Investmentgrade.
Im Vergleich zum März, als Brasiliens Volkswirtschaft in eine Rezession abgerutscht war, sind die Preise für Kreditausfallswaps des Landes deutlich gesunken. Bei einem Preis von 1,19 Prozentpunkten kostet es derzeit 119.000 Dollar, um brasilianische Anleihen im Volumen von 10 Mill. Dollar über fünf Jahre gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Am 2. März lagen diese Kosten noch bei 434.000 Dollar.
Mit den Kosten für Kreditausfallswaps sind die Renditen brasilianischer Anleihen gefallen. Die 2015 kündbare Tranche der 2040 fälligen und mit elf Prozent verzinsten Staatsanleihe rentierte am Dienstag mit 4,35 Prozent acht Basispunkte niedriger als am Vortag. Gleichzeitig stieg der Kurs um 0,5 Cent je Dollar Nominalwert auf 134,25 Cent. Vor einem Jahr notierte die Anleihe noch bei 127,75 Cent.
Auch der Aktien- und der Devisenmarkt mit Kursgewinnen auf die Entscheidung von Moody’s. Der Benchmarkindex Bovespa legte 0,9 Prozent zu und markierte bei 61,493,39 Punkten ein 14-Monats- Hoch. Für den Real ging es 1,7 Prozent aufwärts auf 1,7929 je Dollar. Damit hat die brasilianische Währung in diesem Jahr 29 Prozent zugelegt, nach einem Minus von 23 Prozent im Vorjahr. (Bloomberg)






