Die Zustände in Frankreich seit der Wahl François Hollandes zum Präsidenten sind derartig besorgniserregend, dass der renommierte Fondsmanager Edouard Carmignac nicht umhin kann, die Missstände in einem offenen Brief an Präsident Hollande zu geißeln, der inzwischen auch in etlichen Zeitungen veröffentlicht wurde. Hollande setzt demzufolge alles daran, die schwache französische Wirtschaft mit populistischen Zugeständnissen an seine Wähler endgültig zu ruinieren und die anderen EU-Zahlerländer wie Deutschland (und Österreich) dürfen das auch noch mitfinanzieren, etwa die Senkung des Pensionsalters.
Der auch auf der Österreich-Homepage von Carmignac http://www.carmignac.at/ publizierte offene Brief lautet in ungekürzter Form:
Paris, 4. Juli 2012
Monsieur le Président,
Sie sind vor kurzem nach einer besonders geschickt und erfolgreich geführten Wahlkampagne mit der gesamten Machtfülle gewählt worden. Damit bietet sich Ihnen die historische Gelegenheit, unser Land tiefgreifend zu reformieren. Auf diese Weise könnte Frankreich die bevorstehenden Herausforderungen, mit Unterstützung der gesamten Gesellschaft besser meistern.
Die ersten von Ihrer Regierung bekannt gegebenen Projekte gehen leider nicht in diese Richtung, sondern sind vielmehr eine Anhäufung von verhängnisvollen Drohungen. Die Umsetzung eines geradezu enteignenden Steuerwesens würde die Führungsspitzen unserer Unternehmen vertreiben und den Exodus ihrer Führungskräfte beschleunigen sowie die Investitionen der kleinen und mittelständischen Unternehmen einfrieren lassen. Die geplante Mehrbelastung der Mittelschicht würde zudem die durch die 35-Stunden-Woche ohnehin gesunkene Arbeitsmoral, weiter schwächen. Letztlich würden auch die niedrigsten Einkommensschichten nicht verschont. Die Überbesteuerung von Überstunden wird ihre Kaufkraft beschneiden, während die Pläne zur Förderung des Sparbuches, des Livret A zwar sicherlich die Platzierung von Staatsschulden erleichtern, aber auch einen höheren Teil der Volksersparnisse in einer Anlage mit mittelmäßiger Rendite binden würde.
Die Schröpfung eines gesamten Landes, um das Überleben eines überholten Gesellschaftsmodells zu gewährleisten, ist ein von Anfang an zum Misserfolg verdammtes Projekt, das sich bestenfalls während einiger Monate realisieren lässt. Darüber hinaus auch unsere deutschen Freunde zur Kasse bitten zu wollen, ist ein gefährliches und unüberlegtes Unterfangen. Warum sollten sie auch einem Beitrag zur Finanzierung des Ruhestands ab 60 Jahren in Frankreich zustimmen, wo doch ihr eigenes Rentenalter selbst gerade bis auf 67 Jahre angehoben wurde? Sicherlich hätte Deutschland bei einem Auseinanderfallen des Euro viel zu verlieren. Es ist politisch aber nicht vertretbar, von Deutschland eine Unterstützung für den Erhalt sozialer Errungenschaften einzufordern, welche sich das Land selbst nicht zugesteht. Zudem ist es unrealistisch zu erwarten, dass Deutschland alleine die Last eines Europa, das weit über seinen Verhältnissen lebt, tragen könnte.
Wollen wir den Kern unserer sozialen Errungenschaften auf lange Sicht erhalten, indem wir mutige Reformprogramme umsetzen, oder wollen wir diese gefährden, indem wir Frankreich auslaugen und damit das Projekt Europa aufs Spiel setzen? Sie stehen vor einem furchtbaren Dilemma. Ich hoffe in unser aller Interesse, Sie treffen die richtige Entscheidung.
Hochachtungsvoll Ihr
Edouard Carmignac






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