Die Schiffsfondsprobleme reißen nicht nur nicht ab, sondern kommen nun erst so richtig ins Rollen. Seit die Commerzbank bekanntgab, sich aus der Schiffsfinanzierung zurückzuziehen eskaliert, die Krise weiter. Die Commerzbank finanzierte Schiffe im Wert von 20 Mrd. Euro. Die HSH Nordbank, der zweite Großfinancier, muss das Kreditvolumen wegen Auflagen im Rahmen von EU-Hilfen von fast 30 auf 15 Milliarden Euro halbieren. Da viele Schiffe nicht einmal ihre laufenden Kosten decken, sind sie auf Verlängerung und Stundung ihrer Kredite angewiesen. In den letzten 12 Jahren haben Privatanleger rund 25 Mrd. in Schiffsbeteiligungen investiert (allein seit 2009 sind es 17 Mrd. von Privatanlegern UND institutionellen Anlegern), nochmals 30 Mrd. kamen als Fremdkapital dazu.
Börse-Express berichtete bereits frühzeitig über die auf die Anleger zurollende Problemwelle (http://www.foonds.com/ ), was zu erbosten Reaktionen von Anbietern geschlossener Schiffsfonds führte. Pikanterweise stellte sich inzwischen heraus, dass ausgerechnet derjenige Anbieter, der sich damals über den Artikel am meisten beschwerte, zu denjenigen mit den größten Problemen bei seinen Schiffsfonds gehört.
Schiffsfondsanbieter sind inzwischen Penny-Stocks
Die drei börsennotierten deutschen Schiffsfondsanbieter Lloyd, HCI und MPC sind kursmäßig total zusammengebrochen und dümpeln nur mehr als Penny-Stocks vor sich hin, nachdem sie sich vor 5 Jahren noch im 2-stelligen Eurobereich bewegten.
Beratungs- und Prospektfehler als Angelpunkt
Dem Anleger in Schiffsfondsbeteiligungen bieten sich am ehesten Ausstiegsmöglichkeiten, wenn es ihm gelingt, nachweisliche Fehl- und Falschberatung geltend machen zu können, oder wenn Prospektfehler vorliegen, etwa: Nichtoffenlegung der Vertriebskosten, keine Bekanntgabe der Kickback-Zahlungen durch den Berater, die Weichkosten (d.h. Gelder, die gar nicht für die Schiffsinvestitionen dienen, sondern als Provisionen, Werbung etc. verwendet werden) können nicht auf einfache Weise nachvollzogen werden u.ä. Gerade die Beratungstätigkeit soll des öfteren sehr schleißig erfolgt sein, denn für die verkaufenden Banken, darunter viele deutsche Sparkassen, lockten satte Provisionen, gegen die sich die Vermittlung offener Fonds geradezu als Groschengeschäft ausnimmt. Längst hat sich ein ganzes Heer an Anwälten auf Schiffsfonds spezialisiert, aber nicht alle Klagen führen auch zum Erfolg, was für den klagswilligen Anleger weitere Kosten bringen kann. Einen Überblick über mögliche Angriffspunkte, nach Fonds geordnet, findet man z.B. hier: http://www.nittel.co/
Einen ausführlichen Überblick über den rapiden Niedergang der Schiffsfonds-Branche bietet http://www.ftd.de/ . Alles in allem wird die Schiffskrise die deutschen Anleger um einiges mehr kosten als die Lehman-Pleite, die sich dagegen äußerst bescheiden ausnimmt.
(cr)






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