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Libor

© Bloomberg

Neuer Erdstoss erschüttert die Bankenwelt   Facebook be



07.07.2012
 

„Sollzinsen gebunden an den 1-Monats Libor, kaufmännisch gerundet auf volle 0,125 Prozentpunkte....”, so oder so ähnlich könnte es in einem Kreditvertrag unter dem Punkt Konditionen und bei Ausnutzung in Fremdwährung lauten. Im Falle eines variabel verzinsten Eurokredites wäre die für die Zinsanpassung heranzuziehende Basis nicht der Libor sondern der Euribor. Libor (London Interbank Offered Rate) oder Euribor (Euro Interbank Offered Rate) geistern aber derzeit in ganz anderem Zusammenhang durch die Medien.

Die beiden Referenzzinssätze für ungesicherte kurzfristige Ausleihungen der Banken untereinander sollen seit 2005 manipuliert worden sein, in den USA und Europa ermitteln verschiedene Behörden bereits seit Jahren gegen eine ganze Reihe namhafter Grossbanken, darunter die Deutsche Bank und die UBS. Das erste schwarze Schaf kam in der Vorwoche auf die Schlachtbank: Barclays. Die zweitgrösste britische Bank wurde zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert, drei Top-Manager nahmen ihren Hut und der Aktienkurs stürzte ab.

Um was es geht: Die Libor-Zinssätze werden für sehr kurze und monatliche, bis hinauf zu einjährigen Notierungen festgesetzt. Berechnet werden sie für 10 verschiedene Währungen - von US-Dollar über das Pfund bis hin zur Dänischen Krone. Arbeitstäglich um 11 Uhr Londoner Zeit werden sie von der British Bankers Association (BBA) fixiert, in dem vorher die nach Marktaktivität wichtigsten Banken ihre Schätzungen abgeben, zu welchen Zinsen ihnen andere Banken Geld ausleihen würden. Die jeweils höchsten und niedrigsten Erwartungen gestrichen und danach vom Rest ein Durchschnitt ermittelt, das war’s.

Wie manipuliert wurde: Die Umfrage unter den Banken ist vertraulich und daher nicht transparent. Und bei den Ermittlungen kam heraus, dass es keine „Chinese Walls“ gab - zwischen den Mitarbeitern, die ihre Schätzungen an die BBA abgeben und den Händlern der jeweiligen Banken. Auszüge aus dem E-Mailverkehr belegen, dass sich die Händler von den Libor- ermittelnden Bankern tiefere Zinssätze wünschten, dem entsprochen wurde.

Warum manipuliert wurde: Tiefere Zinssätze deswegen, damit in Zeiten der Krise verschleiert wird, wieviel man als Bank tatsächlich bereits zahlen müsste. Ausserdem ist das Volumen an Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden, gewaltig. Niedrigere Zinssätze könnten die Banken begünstigen.

Was das Anleger angeht: Aktionäre der betroffenen Banken sollten sich fragen, ob die Institute die Last der auf sie zukommenden Geldforderungen von Behörden und Klägern bewältigen können. Zudem nutzen viele Fonds den Libor zur Berechnung ihrer Renditeziele.

Die Folgen: Abgesehen vom erneuten Vertrauensverlust, wird eine Neuüberarbeitung der Benchmark gefordert. Allein, das was jetzt die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission an Verbesserungsvorschlägen für die Banken ausarbeitet, ist, laut Bloomberg, für viele Investoren Augenauswischerei. (cg)



 
 

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