Mit einem dicken Produktionsplus im Mai haben die deutschen Firmen Konjunkturskeptikern den Wind aus den Segeln genommen. Die Unternehmen stellten trotz der grassierenden Eurokrise 1,6 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das deutsche Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Im April war die Produktion noch um 2,1 Prozent eingebrochen. Das Wirtschaftsministerium von Ressortchef Philipp Rösler sieht nun "verbesserte Chancen" für ein stabiles zweites Quartal im Produzierenden Gewerbe. Experten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung leicht zulegen wird.
Genährt wird der Optimismus auch durch die jüngst vorgelegten starken Auftragsdaten: Die Industrie sammelte im Mai 0,6 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat. Überraschenderweise hatten Großaufträge aus der von der Schuldenkrise gebeutelten Eurozone für einen Schub gesorgt. Die Daten sind ein deutliches Zeichen der Erholung, nachdem es im April einen Ordereinbruch von 1,4 Prozent gegeben hatte. "Die ebenfalls starken Produktionsdaten werden jetzt die größten Konjunkturskeptiker verstummen lassen", meint Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud. Auch wenn es in der Euro-Zone große Probleme gebe, sehe es für die Absatzmärkte in Übersee nicht so trübe aus. Insbesondere China sorge mit fiskalischen und geldpolitischen Impulsen dafür, dass das Wachstum nicht aus der Spur gerate.
Die Expertin sieht auch gute Chancen, dass im zweiten Vierteljahr ein leichtes Plus beim Bruttoinlandsprodukt herausspringen wird. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent zugelegt. Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftklima und der Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts signalisieren jedoch eine Eintrübung: "Die Produktionsdaten stehen in einem gewissen Kontrast dazu. Dennoch dürfte es im Juni wieder nach unten gehen", meint Deka-Experte Andreas Scheuerle.
Die Baubranche steigerte ihre Produktion im Mai um 3,1 Prozent, nachdem es im April einen Einbruch von 5,5 Prozent gegeben hatte: "Die Baukonjunktur ist mittlerweile eine entscheidende Konjunkturstütze. Deutschland ist nicht nur auf der Exportseite stark", sagt Ökonomin Traud. Die Industrie fuhr die Produktion im Mai immerhin um 1,8 Prozent hoch. Die Hersteller von Konsumgütern meldeten ein Plus von 3,8 Prozent: Dabei wurde der Ausstoß von Verbrauchsgütern sogar um 4,0 Prozent gesteigert. Die Erzeugung von Vorleistungsgütern wie Chemikalien zog um 1,0 Prozent an. Die Produzenten von Maschinen, Geräten und anderen Investitionsgütern stellten 1,7 Prozent mehr her. Die Energieversorger drosselten ihre Leistung hingegen um 1,6 Prozent.
APA






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