Kommentar von Mark Mobius. Executive Chairman Templeton Emerging Markets Group
Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts hielt sich im Westen das Klischeebild von Strassen chinesischer Städte ohne Autos, aber voller Fahrräder. Die kommunistische Ideologie missbilligte privates Eigentum und würgte die Nachfrage nach Privatautos unweigerlich ab.
Während die Wurzeln der chinesischen Autoindustrie bis in die 1950er Jahre zurückreichen, war die frühe Produktion stark auf Nutzfahrzeuge ausgerichtet und bis 1980 wurden jährlich kaum mehr als 5000 Autos im Inland hergestellt. Die Marktreformen der späten 1970er bis in die 1990er Jahre, die in erster Linie dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei Deng Xiaoping zugeschrieben werden, setzte eine starke aufgestaute Nachfrage nach eigenen Autos frei.
Die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation im Jahr 2001 verstärkte den Prozess und in den frühen 2000er Jahren legte der chinesische Automarkt ein schnelles Wachstum vor. Laut China Automotive Information Net wurden im Jahr 2009 in China mehr Autos verkauft als in den USA und Ende 2011 lag die Anzahl verkaufter Kfz in China weit über einer Million.
In den 1980er Jahren handelte es sich beim Grossteil der in China verkauften Autos um Importfahrzeuge, insbesondere aus Japan, aber das Bestreben, Devisen zu sparen, führte zum Bau inländischer Autofabriken. Die chinesische Regierung lockte ausländisches Know how ins Land, indem sie Fremdinvestitionen in die Autoindustrie willkommen hiess. Beschränkungen ausländischer Besitzanteile verhinderten, dass Hersteller aus anderen Ländern hundertprozentig eigene Werke einzurichten. Statt dessen bildeten sie Joint Ventures mit Staatsbetrieben oder chinesischen Unternehmern. Ausländische Autohersteller gingen oft Kooperationen mit mehreren verschiedenen lokalen Firmen ein, die in erster Linie globale Marken (unter Lizenz), aber auch einige Inlandsmarken produzierten.
Darüber hinaus etablierte eine grosse Zahl ausschliesslich lokaler Hersteller ihre eigenen Marken, die auch heute noch aktiv sind. In den letzten Jahren haben einige dieser lokalen Hersteller begonnen, selbst Auslandsmarken zu übernehmen. Damit hat sich die chinesische Autoindustrie von der reinen Massenfertigung in den frühen Zeiten immer weiterentwickelt und wird von einer starken einheimischen Komponentenindustrie unterstützt. Ausserdem haben chinesische Hersteller, obwohl sie immer noch hauptsächlich auf den Binnenmarkt ausgerichtet sind, ihre Präsenz in Exportmärkten ausgeweitet und damit angefangen, Produktionsanlagen im Ausland aufzubauen.
Derzeit ist der chinesische Automarkt noch von ausländischen Marken dominiert. Grosse europäische und US-amerikanische Marken sind die Marktführer, dicht gefolgt von japanischen und südkoreanischen Unternehmen. Es gibt jedoch auch viele einheimische Marken, die zwar im Economy-Segment am stärksten vertreten sind, aber auch die führende SUV-Marke in China stellen. Darüber hinaus gibt es mindestens eine ursprüngliche US-Marke, die nun mehr Fahrzeuge in China verkauft als in ihrer alten Heimat.
Einige der schwächeren einheimischen Marken mussten aufgeben und die Konkurrenten, die sich in Sachen Qualität durchsetzen können, haben die besten Erfolgsaussichten. Es gibt Anzeichen, dass die chinesische Regierung die Marktanteile einheimischer Marken anheben möchte. Anfang 2012 veröffentlichte die chinesische Regierung eine Liste von Fahrzeugen, die von staatlichen Stellen gekauft werden dürfen. Diese enthielt ausschliesslich lokale Marken.
Stimulationsmassnahmen für die Branche waren ebenfalls hauptsächlich auf kleinere Fahrzeuge mit sparsamem Spritverbrauch ausgerichtet, was generell einheimische Hersteller bevorzugt. Auch die Produktion von Fahrzeugen mit Elektro- und Hybridantrieb gewinnt im Land an Zugkraft. Luxusautos, einst politischen Würdenträgen vorbehalten, haben sich zu einem signifikanten Segment des chinesischen Markts entwickelt. Führende deutsche und US-amerikanische Unternehmen investieren intensiv in modernste Produktionsanlagen in China. Darüber hinaus wächst in China die Nachfrage nach Ultra-Luxusfahrzeugen, die vornehmlich importiert werden. Zwei der berühmtesten westlichen Luxusmarken legten dramatische Umsatzanstiege vor, die Chinas Anteil an ihren Verkaufszahlen zwischen 2009 und 2011 mehr als verdoppelten. Während China sein Gewicht im globalen Automarkt weiter steigert, handelt es sich jetzt zweifellos um eine spannende Zeit für die chinesische Autoindustrie.






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