Immer wieder berichten Frankenkreditnehmer, dass ihre Banken den Fall der von der Schweizer Nationalbank (SNB) im September 2011 festgesetzten Euro/CHF-Untergrenze von 1,20 quasi als Damoklesschwert in den Raum stellen.
Um es gleich vorweg zu nehmen, niemand kann voraussagen, wann es dazu kommt. Ausserdem reden wir über einen von der SNB selbst gesetzten Schritt, also ein Ende der Euro-Stützungskäufe? Hier gibt es zahlreiche fast regelmässig in den Medien zitierte Betonungen der verschiedenen SNB-Granden, dass sie den Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen wollen und auch können.
Erst am Sonntag sagte SNB-Präsident Thomas Jordan wieder in einem Interview, dass die Nationalbank zu unbegrenzten Devisenkäufen bereit sei, so lange die Durchsetzung des Mindestkurses die richtige Geldpolitik sei. Und man werde auch die Risiken einer sich ausweitenden Geldmenge für die SNB-Bilanz akzeptieren und tragen. Starke Worte, zumal die abermalige Verschärfung der Euro-Verschuldungskrise die SNB im Mai zu einem umfangreichen Ankauf von Fremdwährung zwang und ihre Devisenreserven in diesem Zeitraum um über 66 Mrd. bzw. 28% auf 304 Mrd. Schweizer Franken ansteigen liess. Der Grossteil davon entfiel auf die Verteidigung der Kursuntergrenze. Gerade diese Zunahme ist für Steen Jakobsen von der Saxo Bank alarmierend: „Die Interventionen werden bald 100% des BIP erreichen.”
Adrian Beck, Analyst der Erste Group, sieht allerdings bereits Erfolge in der SNBMassnahme. „Die Untergrenze stützt die exportorientierte schweizerische Wirtschaft und hat das Deflationsrisiko deutlich vermindert. Die Wirtschaftsleistung legte 2011 um 2,1% zu und sollte auch dieses Jahr mit 1,5% wieder überdurchschnittlich wachsen. Auch die Vorlaufindikatoren zeichnen nach wie vor ein recht positives Bild”, schreibt er im globalen Strategie- Ausblick für das dritte Quartal.
Laut Beck bestehen - wie für viele internationale Analysten und zuletzt auch für die der Schweizerischen UBS - vor dem Hintergrund der Entwicklung in der Eurozone markante Risiken für die Schweiz: „Wie lange die Untergrenze im Fall einer deutlichen Eskalation der Krise halten würde, bleibt aus unserer Sicht aber fraglich.“ Mittelfristig sehe man aber eine Seitwärtsbewegung nahe 1,20 EUR/CHF.
Für Matthias Reith von Raiffeisen Research geben die zuletzt verlautbarten und morgen anstehenden Schweizer Wirtschaftsdaten Aufschluss über die nächste Richtung der Schweizer Geldpolitik: „... die Konjunkturentwicklung insgesamt dürfte sich nach dem guten ersten Quartal merklich abkühlen und der SNB folglich momentan keinen Grund liefern, an der derzeitigen geldpolitischen Ausrichtung etwas zu ändern. Denn auch die Preisentwicklung liesse momentan keine Aufgabe oder Anpassung der Wechselkursuntergrenze zu; die am Freitag anstehenden Inflationszahlen für Juni sollten dies bestätigen.“
Also, längerfristig gibt es keine Entwarnung. Höchstens, die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse würden den Anfang vom Ende der Schuldenkrise markieren... (cg)






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