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Too big to fail - Was tun, wenn doch?   Facebook be



29.06.2012
 
Grossbanken machen ihre Testamente

Neun der weltweit grössten Banken - darunter die Deutsche Bank, die UBS und die Credit Suisse - müssen noch in dieser Woche Pläne vorstellen, wie sie im Fall eines Zusammenbruchs abgewickelt werden können. Die Massnahme ist Teil der Bemühungen der US-Regierung, Grossinstitute in den Griff zu bekommen, die als “Too Big To Fail” eingestuft werden, deren potenzieller Kollaps also einen zu großen Schaden anrichten würde.

Kreditinstitute mit mehr als 250 Mrd. Dollar an Vermögenswerten außerhalb des Bankgeschäfts müssen vor Juli so genannte Banktestamente vorstellen - also Liquidationspläne, die voraussichtlich Tausende von Seiten umfassen. Die Aufsichtsbehörden müssen dann darüber entscheiden, ob diese Pläne glaubwürdig sind.

Die Maßnahme ist Teil der Dodd-Frank-Finanzmarktreform aus dem Jahr 2010. Damit soll es ermöglicht werden, dass der Staat komplexe Finanzriesen dicht machen kann, ohne dass dadurch Kosten für den Steuerzahler entstehen oder die Gesamtwirtschaft beeinträchtigt wird. Kurz vor Ablauf der Frist läuft die Diskussion auf Hochtouren, ob nun die Größe der Banken limitiert werden sollte oder ob ein solcher Eingriff unangemessen wäre.

“Letztendlich wird sich dies nicht als geheimes Werkzeug herausstellen, mit dessen Hilfe JPMorgan Chase & Co. und Bank of America Corp. aufgelöst werden könnten”, sagt Jaret Seiberg, leitender Analyst bei der Washington Research Group von Guggenheim Securities. “Für einen so radikalen Schritt braucht es etwas Konkreteres als die Diskussion darüber, wie glaubhaft ein Banktestament verfasst wurde.”

In den Banktestamenten sollen die rechtlichen Beziehungen zwischen den Geschäftsbereichen jeder Bank identifiziert werden, ihre vertraglichen Verbindungen, welche Finanzierungsbedürfnisse sie haben, welches die wichtigsten Mitarbeiter sind, wie Vermögenswerte im Fall eines Zusammenbruchs bewertet werden und was verkauft werden kann, um Barmittel zu beschaffen. Kürzere Zusammenfassungen der Pläne sollen dann veröffentlicht werden und die Ideen der einzelnen Banken veranschaulichen.

Eingereicht werden die Vorschläge beim US- Einlagensicherungsfonds Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) und bei der Notenbank Federal Reserve. Sollte es erneut zu Marktverwerfungen kommen, soll mittels der Pläne verhindert werden, dass sie eine Größenordnung wie beim Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings Inc. im Jahr 2008 erreichen. Die Testament-Regelung ermöglicht es den Aufsichtsbehörden, Restrukturierungsmaßnahmen und Teilverkäufe anzuordnen. Dazu würde es kommen, wenn die Pläne nicht auf verlässlichen Informationen beruhen sollten und es den Finanzkonzernen nicht möglich wäre, sich selbst geordnet zu zerlegen.

“Meiner Meinung nach sollten sie diese Macht nutzen”, erklärte Sheila Bair, die frühere Vorsitzende der FDIC, im Interview mit Bloomberg in der vergangenen Woche. “Wie gut sie diese nutzen werden, hängt von ihnen ab.”

Thomas Hoenig, der mittlerweile zu den FDIC-Entscheidern zählt, ist ganz anderer Ansicht. Statt Banken der Reihe nach dazu zu zwingen, sich zu restrukturieren, sollte die Regierung lieber die Trennung von Investmentbanking und dem Geschäftsbankengeschäft aufleben lassen. Diese Trennung war 1999 mit dem Widerruf des Glass-Steagall Act aufgehoben worden.

Die Glaubwürdigkeit jeder einzelnen Bank zu bewerten, entspricht einer “Auswahl von Gewinnern und Verlierern, und das danach, was sie einem vorlegen”, sagte Hoenig, der frühere Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, am 26. Juni im Interview mit Bloomberg Radio. Dieses Vorgehen sei “voller Probleme”, fügte er hinzu.

Jerry Dubrowski, ein Sprecher von Bank of America und Karina Byrne von der UBS erklärten gegenüber Bloomberg, dass ihre Banken die Testamente bislang noch nicht abgegeben hätten. Details dazu wollten sie nicht nennen. Sprecher anderer Banken, wie Molly Meiners von Citigroup Inc., Jennifer Zuccarelli von JPMorgan, Michael DuVally von Goldman Sachs Group Inc., Sandra Hernandez von Morgan Stanley, Michael O’Looney von Barclays PLC, Duncan King von der Deutschen Bank und Steven Vames von Credit Suisse wollten ebenfalls nicht Stellung beziehen.

Für kleinere Banken als die jetzt betroffenen neun ist die Frist für die Abgabe des Testaments noch ein Jahr hin. Zu dieser Gruppe zählt unter anderem Wells Fargo & Co., erklärte Wells- Sprecher Ancel Martinez.

“Ich versuche immer noch den einen Investor zu finden, der davon überzeugt ist, dass diese Testamente klappen werden”, sagt Mike Mayo, Bank-Analyst bei CLSA Ltd. in New York, im Telefoninterview. “Wenn Sie den einen Investor finden, der der Ansicht ist, dass Testamente bei 2 Billionen Dollar schweren Banken funktionieren können, lassen Sie es mich bitte wissen.”

(Bloomberg)


 
 

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