Wie schwer die Probleme des spanischen Finanzsektors in Zahlen wiegen, haben gestern zunächst die beiden Wirtschaftsprüfer- Gesellschaften Roland Berger und Oliver Wyman klar gemacht. In einem Worst Case Szenario - Wirtschaftsrückgang von rund 6,5% des Bruttoinlandsprodukts und Preiseinbruch am Immobilienmarkt von 60% - brauchen die spanischen Geldinstitute nach den Schätzungen der Experten zwischen 51 und 62 Mrd. Euro an Kapital. Dies würde sich mit den für die spanische Bankenrettung veranschlagten 100 Mrd. Euroraum- Geldern ausgehen.
Der erste Schritt der von der spanischen Regierung in Auftrag gegebenen Zweistufenanalyse ist also erledigt. Nach dem nun vorliegenden Gesamtbericht zur Branche - mit der Prüfung von 14 Geldhäusern sind 90% des Sektors abgedeckt - soll es im September noch einen detaillierten Überblick über die Situation einzelner Häuser durch die vier grossen Wirtschaftsprüfungsinstitute Deloitte, PwC, Ernst & Young und KPMG geben.
Spanien und der Rest der Eurozone wissen aber bereits jetzt genug, um Massnahmen einzuleiten. Daher soll ein formelles Hilfegesuch bis kommenden Montag auf den Tischen der Eurozonen-Partner liegen, erklärte Jean-Claude Juncker gestern. Möglicherweise ist es auch bereits in ein paar Stunden so weit, so der Luxemburgische Finanz- und der spanische Wirtschaftsminister heute in Interviews.
Fingerzeig für die grosse Not war das seit Beginn der Eurozone erstmalige Überschreiten der 7%-Renditemarke bei zehnjährigen spanischen Bonds am Montag gewesen. Auch Irland, wo die Banken ebenfalls einen Hauptbelastungsfaktor darstellten und wo ebenso eine geplatzte Immobilienblase mit Schuld an der Krise war, hatte wenige Wochen nach diesem Ereignis kapituliert. Mit 63 Mrd. Euro war der Kapitalbedarf irischer Banken ähnlich hoch wie in Spanien ausgefallen.
Die Parallelen zwischen irischen und spanischen Sorgen damals und heute veranlassen irische Experten jetzt dazu, Empfehlungen für Spanien auszusprechen. Die meisten raten zu einer Rosskur und zur Gründung einer Bad Bank für die Auslagerung der Verluste durch notleidende Kredite. „Spanien muss sich den ökonomischen Realitäten stellen. Das gilt für Immobilienkredite, die vielleicht 40, 60 oder gar 80% Verlust einbringen.“, ist auch Alan Ahearne, der frühere Berater des irischen Finanzministers, überzeugt.
Unter den Anlegern wächst indes die Unsicherheit. Denn die Investoren befürchten, dass sie bei einem Zahlungsausfall gegenüber den offiziellen Krediten des permanenten Rettungsfonds Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM), nachrangig behandelt werden. Am 9. Juli soll der Fonds starten und die Entscheidung über die Notkredite für Spanien fallen. Die spanischen Anleihekurse sinken daher auch nach Bekanntwerden des Finanzbedarfs leicht, Positive Impulse gibt allerdings das heutige Treffen der Staatschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. (cg)






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