Warten auf Operation Twist oder die Ruhe vor dem Sturm. Die Marktteilnehmer am Goldmarkt setzen verbissen auf Bernanke und eine Lockerung der US-Geldpolitik, die heute abend verkündet werden soll. Was aber, wenn nicht? Für manche Experten ist die aktuelle Situation bei Gold recht prekär: Charttechniker sehen für Goldaktien eine gefährliche Situation, weil sich der AMEX Gold Bugs Index (HUI-Index) unter einem hartnäckigen Widerstand im Bereich von knapp über 450 Zählern festgefahren hat.
Und doch weist die unter Goldanalysten viel beachtete Dow/Gold Ratio auf interessante Zeiten für Goldminen hin. Zumindest für Quinton Hennigh, Analyst bei Exploration Insights. Er interpretiert das nahe am Tiefpunkt tendierende Rationiveau (Dow Jones Industrial Average dividiert durch Goldpreis in US$ pro Unze ergibt aktuell rund 8, der Höhepunkt lag in 2000 bei über 40) als den Beginn eines neuen Zyklus: „Goldminen machen in dieser Zeit viel Geld und die Anleger fühlen sich mit einem Goldaktieninvestment wohl. Vor allem aber ist so die Finanzierung von Abbau und Exploration gesichert, was grössere Goldfunde ermöglicht.“ Hennigh tippt auf eine Periode ähnlich wie in den Jahren zwischen 1980 und 1997, als Lagerstätten wie Goldstrike (60 Mio. Unzen) in den USA oder Yanacocha (35 Mio. Unzen) in Peru Geschichte machten und die Erfolgsbasis für Unternehmen wie Barrick Gold oder Newmont Mining bildeten.
Spekulativen Investoren legt der Experte nahe, in solch einem Goldrush-Szenario in Explorationsunternehmen zu investieren. Derzeit kämpfen allerdings rund 2000 Junior Explorer ums Überleben. Die meisten behaupten von sich selbst, billig und vor dem Hintergrund vielversprechender Projekte unterbewertet zu sein. Allein, welche Projekte wirklich attraktiv sind und rentablen Goldabbau zulassen, verrät er nicht.
Michael George von U.S. Geological Survey, nach eigenen Angaben das Informationslager für Fakten zu Goldminen, glaubt vor allem in Alaska noch unberührtes Gold vorzufinden: „Dort gibt es zudem noch viele Gebiete, in denen nicht einmal exploriert wurde.“ Ein langwieriges Hindernis auf dem Weg zur Mine ist das Warten auf Genehmigungen. Will man dem entgehen, bieten sich laut George vor allem im US-Bundesstaat North Carolina fast paradiesische Bedingungen: „Das Land ist komplett in der Hand privater Bergbauunternehmen. Die Projekte müssen nur durch die direkten staatlichen Ämter abgesegnet werden, was es einfacher macht.“ Das in dieser Region fortgeschrittenste Projekt soll laut George die Haile Mine von Romarco Minerals sein.
Jedenfalls, Peak Gold ist für George nicht in Sicht und funktioniert als Theorie auch nicht: „ Gold wird aufgrund seines Wertes so gut wie nie im eigentlichen Sinn verbraucht, ist fast unzerstörbar und wird fast komplett recycelt.“ Selbst günstiges, einfach zu förderndes Gold wird nicht so schnell ausgehen. Zwar ist die Suche nach Gold teurer geworden, aber nicht deutlich. Im Vergleich zu Öl vor allem dann nicht, wenn man die Inflationsfaktoren berücksichtigt. (cg)






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