Im letzten Jahr kam Warren Buffett mit seiner Prognose einer Erholung des US-Immobilienmarktes eindeutig zu früh. Jetzt meint er es aber offenbar richtig Ernst, denn er bietet 3,85 Mrd. Dollar (3,05 Mrd. Euro) für die Hypothekentochter und das Kreditportfolio der bankrotten Residential Capital LLC (ResCap).
“Die Offerte lässt natürlich den Schluss zu, dass Buffett glaubt, das Schlimmste liegt hinter uns”, sagt Buffet-Experte und Buchautor Jeff Matthews. Zwar habe er sich früher bei der Einschätzung des Immobilienmarktes geirrt. “Aber wer sich nun an Kreditbarometern orientiert, einen Blick auf die Banken wirft und sich mit deren Kreditportfolios beschäftigt, dem wird auffallen, dass sich die Lage bessert”, sagt er.
Die Zahl der Anträge auf Zwangsversteigerungen in den USA ist mittlerweile den 20. Folgemonat auf annualisierter Basis gefallen, wie aus Daten des Dienstleisters RealtyTrac Inc. hervor geht. Im März waren die Häuserpreise um 1,8 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Zugleich erhöhen die niedrigen Zinsen für Hypotheken und eine schrumpfende Zahl von Immobilien zum Verkauf die Nachfrage.
Die Investorenlegende Buffett reagiert prompt auf solche Entwicklungen. Seine Holding Berkshire Hathaway bereitet sich auf die Wende am Häusermarkt vor, indem ein Ziegelhersteller eingekauft wurde, das Immobilienbrokergeschäft gestärkt und die Anlagen in Gewerbeimmobilien mit einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Leucadia National erhöht wurde. Dieses Joint-Venture namens Berkadia Commercial Mortgage entstand aus einem Kreditdienstleister, der 2009 aus dem Bankrott aufgekauft wurde. Überdies würde sich hier bei einer erfolgreichen Übernahme der Kreis schliessen, denn das Unternehmen gehörte einmal der Muttergesellschaft von ResCap.
Und Berkshire kann es sich leisten. Denn die Holding verfügt über ein besseres Kreditrating von Standard & Poor’s als nahezu jedes andere Unternehmen in den USA und kann sich daher deutlich günstiger Liquidität für eine solche Übernahme am Kapitalmarkt sichern. Fünfjährige Anleihen im Volumen von 750 Mill. Dollar wurden im letzten Monat mit einem Kupon von 1,6 Prozent platziert.
ResCap gehörte vor der Subprimekrise zu den grössten Subprime-Hypothekenanbietern. Mittlerweile ist das Volumen im ersten Quartal auf 15,7 Mrd. Dollar geschrumpft - im Jahre 2006 waren es nicht mehr als 130 Mrd. Nach Informationen des Branchendienstleisters Inside Mortgage Finance ist das Unternehmen derzeit der fünftgrösste Anbieter für Hypothekendienstleistungen.
Einige der Grossbanken wie Bank of America Corp. haben sich im Zuge verschärfter Kapitalregeln aus dem Geschäft zurückgezogen. Investoren wie Buffett haben nun nach Ansicht von David Lykken von Mortgage Banking Solutions die Chance, zu reduzierten Preisen auf diesem Markt tätig zu werden und zugleich vom Aufschwung des Immobilienmarktes zu profitieren. Seit dem Zusammenbruch des Häusermarktes hätten sich die Anleger immer wieder gefragt, wann es denn Zeit wäre “in das fallende Messer zu greifen”, sagte er. Buffett begründet seien Erwartung eines anziehenden Immobilienmarktes mit dem wachsenden Bedarf und steigender Nachfrage bei zugleich sinkendem Angebot. Das ist die Konsequenz aus der Krise, in der sich viele Unternehmen vom Markt zurückgezogen hatten. Die Zahl der Hausbaubeginne in den USA ist seit 2006 etwa um zwei Drittel gesunken und die Preise liegen etwa um 35 Prozent unter dem in jenem Jahr markierten Rekordwert.
“Der Immobilienmarkt kehrt zurück - davon kann man sicher ausgehen”, hiess es von Buffett in seinem monatlichen Brief an die Anteilseigner von Berkshire im Februar.
Neben den Beteiligungen an den Grossbanken Wells Fargo & Co. und Bank of America ist die Buffett-Holfing überdies an Teppichherstellern ebenso beteiligt wie an Herstellern von Isolierstoffen und Dachmaterialien. Die auf Ziegel fokussierte Tochter Acme Brick Co. übernahm im letzten Jahr den Konkurrenten Jenkins Brick Co. aus Montgomery im Bundesstaat Alabama.
(Bloomberg)






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