"Das Geld kommt dann, wenn man oben ist. Es fliesst ab, wenn man unten ist. Das liegt in der Natur des Menschen – egal bei welcher Anlageform.” Amanda Haynes-Dale, Geschäftsführerin beim New Yorker Hedgefondsinvestor Pan Reliance Capital Advisors, spricht die ungewisse Zukunft der Hedgefonds-Branche an. Zumindest derzeit sieht sie alles andere als rosig aus. Die gute Wertentwicklung - nach Meinung der Expertin eine wichtige Voraussetzung für das Branchenwachstum - fehlt nämlich.
Mit einem Minus von im Schnitt 2,9 Prozent war der Mai der schlechteste Performancemonat seit September 2011. “Es ist schwer für die Hedgefonds, auf breiter Ebene Gewinne zu generieren, wenn es bei den Aktien weltweit zu einem signifikanten Ausverkauf kommt. Gemessen an der absoluten Rendite ist der Mai definitiv der schlechteste Monat in 2012.” lautet der Kommentar eines amerikanischen Hedgefonds-Beraters anlässlich des schlechten Abschneidens. Damit haben die Verluste im Wonnemonat einen Grossteil der zum Teil hohen Gewinne des ersten Quartals wieder aufgezehrt, denn von Jahresbeginn bis Ende Mai büssten Hedgefonds 1,3 Prozent ein. Wie bereits in den vergangenen drei Jahren, hinken sie damit auch den weltweiten Aktienmärkten hinterher, die 0,9 Prozent gewonnen hatten. Nur im Finanzkrisenjahr 2008 hatte die Branche dagegen lediglich halb so hohe Verluste erlitten wie der breite Markt.
Kein Wunder, dass daher immer wieder Fonds ihre Bücher schliessen. US-Hedgefonds-Manager Paul Sinclair ist das jüngste Opfer der Turbulenzen, die sich aus der europäischen Staatsschuldenkrise ergeben. Wie Bloomberg berichtet, will Sinclair seinen auf Gesundheitsaktien spezialisierten und 458 Millionen Dollar schweren Fonds nach mehr als fünf Jahren dicht machen. Politische Entscheidungen am anderen Ende der Welt haben seine Aktien-Auswahl im Nachhinein negativ beeinflusst und ihm das zweite Jahr in Folge Verluste eingebracht.
Mit seiner Entscheidung ist Sinclair nicht allein. Milliardär-Energiehändler John Arnold, Ex-Morgan-Co-President Zoe Cruz und Duke Buchan III gehören zu einer ganzen Reihe von prominenten Managern, die ihre Fonds in den vergangenen zwölf Monaten geschlossen haben. Wie Daten von Hedge Fund Research belegen, war die Anzahl der Hedgefonds-Liquidationen im Vorjahr auf 775 und damit auf den höchsten Wert seit 2009 gestiegen.
Und doch bescheinigt eine Citigroup-Studie der Branche ein enormes Wachstum. Danach könnte das weltweit verwaltete Vermögen binnen fünf Jahren auf fünf Billionen US-Dollar steigen und sich damit mehr als verdoppeln. Grund ist vor allem der Einstieg in das traditionelle Fondsgeschäft, darunter offene „long only"-Fonds, die in Aktien investieren. Dazu kommt der erhöhte Zuspruch von Pensionsfonds und anderen institutionellen Investoren. Weil sich, so Sandy Kaul, Leiterin der Sparte Business Advisory Services der Citi in den USA, “Hedgefonds-Beteiligungen von einem Randposten für ein wenig Diversifizierung hin zu einem Kernbestandteil des Portfolios entwickeln”. (cg)






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