Infolge leerer Staatskassen kann Schatzkanzler George Osborne mit seinem am 21.3.2012 vorgestellten Haushalt im Infrastruktursektor nur punktuell Akzente setzen. Immerhin: Der staatliche Gleisbetreiber Network Rail wird zusätzlich 130 Mio. £ (1 £ = 1,20 Euro) im Rahmen des Northern Hub-Eisenbahnprogramms investieren. Ausgebaut und modernisiert werden soll unter anderem die Eisenbahnstrecke zwischen Manchester und Sheffield. Osborne stellt zudem (wie bereits im Herbst 2011 angekündigt) zusätzlich 100 Mio. £ an öffentlichen Mitteln für den Ausbau superschneller Internetbreitbandverbindungen (inklusive Wireless-Verbindungen) zur Verfügung. Hiervon profitieren sollen unter anderen Belfast, Birmingham, Bristol und Cardiff. Noch einmal 50 Mio. £ gibt es für den Ausbau der Internetinfrastruktur in zehn kleineren Städten, die ebenfalls den Status "super-connected cities" erhalten sollen.
Impulse durch den neuen Haushalt will Osborne auch für den britischen Öl- und Gassektor in der Nordsee setzen. Die Öl- und Gaskonzerne sollen demnach großzügigere Möglichkeiten erhalten, die Kosten für die Stilllegung ausgebeuteter Felder steuermindernd geltend zu machen. Der Fachverband Oil & Gas UK begrüßte die Ankündigungen Osbornes und rechnet nunmehr langfristig mit zusätzlich bis zu 40 Mrd. £ an Investitionen im Bereich Öl- und Gasförderung. Der Fachverband erwartet infolge künftig höherer Investitionen, dass die Branchenunternehmen zusätzlich bis zu 1,7 Mrd. Barrel an Öl und Gas aus der Nordsee fördern.
Trotz der drastischen Sparmaßnahmen der britischen Regierung rechnet Osborne für das Haushaltsjahr 2012/13 immer noch mit einer enorm hohen Neuverschuldung von 92 Mrd. £ beziehungsweise 5,8% der Wirtschaftsleistung. Aus heutiger Sicht wird die Neuverschuldung erst im Fiskaljahr 2015/16 wieder unter die Grenze von 3% (des Bruttoinlandsprodukts, BIP) sinken. Die gesamte Netto-Staatsverschuldung dürfte Prognosen des OBR zufolge im Jahr 2014/15 einen Höchststand von 76,3% (gemessen am BIP) erreichen, bevor mit einem allmählichen Absinken zu rechnen ist. Die Bruttostaatsverschuldung gemäß Maastricht-Kriterien dürfte hingegen im Fiskaljahr 2013/14 voraussichtlich die Marke von 90% des BIP durchbrechen. Das Vereinigte Königreich ist zwar unverändert neben Deutschland eines der wenigen Triple A-Länder der Europäischen Union (EU). Allerdings haben die Ratingagenturen Fitch und Moody's in den vergangenen Wochen den Ausblick, was die Bonität der Insel angeht, auf "negativ" gesetzt. Dies bedeutet, dass das Vereinigte Königreich in den kommenden Monaten seinen Triple A-Status einbüßen könnte.
Das OBR prognostiziert für die britische Wirtschaft im laufenden Jahr ein Wachstum von 0,8%, nachdem das BIP im Jahr 2011 bereits um 0,8% zugelegt hat. Damit ist die britische Wirtschaftsleistung noch immer niedriger als vor Ausbruch der Finanzkrise in den Jahren 2007/08. Erst 2013 ist aus heutiger Sicht mit einer spürbareren Belebung der Konjunktur zu rechnen. Als positiv zu werten ist, dass die Inflationsrate im laufenden Jahr auf 2,5 bis 3% zurückgehen sollte.






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