Vor zwei Monaten haben Anleger noch in beispiellosem Umfang auf einen Kursverfall an der Börse in Mexiko gewettet. Inzwischen haben diese Pessimisten kapituliert.
Die Zahl der so genannten Leerverkäufe fiel bei den zehn wichtigsten mexikanischen Aktien in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr, wie aus Daten des Dienstleisters Data Explorers in New York hervorgeht. Die Bank JPMorgan Chase sieht den Aktienindex Bolsa bis zum Jahresende um 16 Prozent anziehen. Das zweitgrösste Land Lateinamerikas mausert sich offenbar zum Weltmeister der wirtschaftlichen Erholung nach der Krise.
Long statt short ist nun die Devise in Mexiko: Nach Ansicht von Emerging Markets Management LLC und von Deltec Asset Management sind mexikanische Aktien gerade im Vergleich zu den USA niedrig bewertet. Die Bolsa unterbietet sowohl den US- Standardwerteindex S&P 500 als auch den aus Aktien der internationalen Schwellenländer gebildete MSCI Emerging Markets Index. Und zugleich rechnet der Weltwährungsfonds IWF mit einem Wachstum der mexikanischen Volkswirtschaft im bevorstehenden Jahr 2010 von drei Prozent. Im laufenden Jahr war die Wirtschaft im Lande um rekordverdächtige 7,3 Prozent eingebrochen.
Entsprechend tief waren die Kurse an Mexikos Börse gesunken. So gaben die Titel des Finanzdienstleisters Grupo Financiero Banorte SAB seit Juli um 39 Prozent nach. Die Valoren des Einzelhändlers Wal-Mart de Mexico SAB fielen sogar um 53 Prozent.
Eine Erholung der Nachfrage aus den USA - in den Export zum nördlichen Nachbarn gehen rund 80 Prozent aller in Mexiko produzierten Waren - wird von Analysten führender Banken wie Barclays Capital und BNP Paribas SA nun als Hauptgrund für die stark aufgehellten konjunkturellen Aussichten in Mexiko angeführt. Das Schlimmste der Finanzkrise habe die Wirtschaft im Lande nun hinter sich.
“Für den Rest des Jahres kann Mexiko sich überdurchschnittlich entwicklen”, sagte Stratege Cristian Moreno von der Banco Santander SA in New York voraus. Er stufte gemäss einer Studie vom 26. August mexikanische Aktien von “untergewichten” auf “übergewichten” herauf.
Der Aktienindex Bolsa bleibt mit seinem Plus von 31 Prozent im laufenden Jahr hinter vielen anderen Börsenbarometern, auch aus der Region und anderen Schwellenländern, zurück. So stieg MSCI EM Latin America Index um 67 Prozent und der Bovespa aus Brasilien rückte 56 Prozent vor. Neben den schwachen Wirtschaftsdaten im letzten Quartal, als das Bruttoinlandsprodukt in Mexiko um 10,3 Prozent einbrach, war auch der Ausbruch der so genannten Schweinegrippe im Lande dafür verantwortlich.
Daneben gilt auch die hohe Kriminalitätsrate in Mexiko als hinderlich für Investitionen. Laut Angaben der Zeitung El Universal kostete das organisierte Verbrechen in Mexiko seit Jahresbeginn 4 881 Menschen das Leben.
Die Ratingagentur S&P hatte im Mai erklärt, sie erwäge eine Abstufung des aktuellen Kreditratings von Mexiko bei BBB+. Diese Einstufung entspricht bereits dem drittniedrigsten Investmentgrad. Der Schritt sei unvermeidlich, falls der mexikanische Präsident Felipe Calderon das Budgetdefizit nicht eindämmen könne. Laut den jüngsten Daten aus dem Finanzministerium in Mexiko-Stadt sieht der Haushalt für 2010 bereits Einsparungen im Höhe von 218 Mrd. mexikanischen Pesos (rund 11 Mrd. Euro) vor.
“Die Situation im Drogenhandel macht uns Sorgen. Die Möglichkeit einer weiteren Schweinegrippe-Epidemie ist auch nicht ausgestanden”, sagte Analyst William Landers, der bei BlackRock Inc. in Plainsboro im US-Bundesstaat New Jersey auf Lateinamerika spezialisiert ist. Er stuft mexikanische Aktien weiterhin als “untergewichten” ein.
Auch für Martin Herbon von der Union Capital Group SA in Genf gibt es nach eigenen Worten “attraktivere Plätze als Mexiko” in Lateinmerika zum investieren. Er nannte Brasilien und Peru, wo der Lima General Index seit Jahresbeginn bereits um 104 Prozent gestiegen ist. (Bloomberg)









