Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in ihrer Zinspolitik in einem "wait-and-see-Modus" bleiben. Davon geht der Analyst Gottfried Steindl von Raiffeisen Research aus. Zinsänderungen in den kommenden Monaten seien sehr unwahrscheinlich. "Wir gehen weiterhin für das gesamte Jahr 2012 von unveränderten Leitzinsen aus", heisst es.
Etwaige weitere geldpolitische Lockerungen dürfte die EZB über die Liquiditätsversorgung durchführen, wird hinzugefügt. Beim ersten der neu eingeführten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB mit einer Laufzeit von drei Jahren griffen die Banken mit einem Volumen von knapp 490 Mrd. Euro kräftig zu. Das Gesamtvolumen der Refinanzierungsgeschäfte betrug zuletzt über 860 Mrd. Euro. Am 29. Februar wird ein zweite Dreijahrestender durchgeführt, was die Gesamtsumme wohl über die 1000-Milliarden-Grenze treiben dürfte. Allerdings hätten die Banken auch bis über 500 Mrd. Euro in der Einlagefazilität der EZB deponiert.
Steindl berief sich auf Äusserungen von EZB-Chef Draghi, wonach jene Banken, die hohe Summen bei der Notenbank parkten, nicht eins zu eins jenen entsprächen, die hohe Summen bei den Refinanzierungsgeschäften aufnahmen. Liquiditätsreiche Banken beispielsweise aus Deutschland reichten ihren Überhang nicht mehr im vollen Ausmass an die Institute in Südeuropa bzw. Irland weiter.
Zum ersten habe die EZB also einem möglichen Liquiditätsengpass im Finanzsystem erfolgreich entgegengewirkt, resümiert der Analyst. Zum zweiten sei auch möglichen Problemen bei der Refinanzierung vorgebeugt worden. Immerhin würden dieses Jahr rund 680 Mrd. Euro an Bankenanleihen fällig. Zuletzt habe die Notenbank mit der generösen Liquiditätszufuhr natürlich auch das Neugeschäft der Banken zu beleben versucht. "Die letzten Anleihenemissionen lassen dabei Hoffnung aufkeimen, dass die von der EZB zur Verfügung gestellte Liquidität tatsächlich in eine beabsichtigte Richtung - nämlich in Euro-Staatsanleihen - fliesst", schreibt Steindl.
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