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Nordische Währungen sind bald keine ‘sicheren Häfen’ mehr   Facebook be



22.02.2012
 

Die Währungen aus Schweden und aus Norwegen könnten schon bald ihren Status als “sichere Häfen” verlieren. Experten verweisen darauf, dass die schwedische und auch die norwegische Krone überwertet sind, und darauf, dass sich das Wachstum in den Ländern selbst sowie in der Eurozone abschwächt. Hinzu kommt, dass beide Währungen - relativ gesehen - eher als illiquide Devisen gelten.

Schwedens Zentralbank hatte den Leitzins am 16. Februar bereits zum zweiten Mal in Folge zurückgenommen auf nun 1,50 Prozent. Einer der Gründe: Im Dezember war Schwedens Export, der fast die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, um rund 6 Prozent gefallen.

Auch Norwegens Exporte waren im vierten Quartal vergangenen Jahres geschrumpft- und zwar um 4,3 Prozent. Die Zentralbank senkte im Dezember den Leitzins auf 1,75 Prozent. Das war nicht nur ein Rückgang von 0,5 Prozentpunkten, sondern auch die grösste Reduzierung seit Mai 2009.

Eine schwächere Nachfrage aus verschuldeten Euro-Ländern hatte einige Exporteure bereits dazu veranlasst, Stellen zu streichen. So teilte beispielsweise das Solar-Unternehmen Renewable Energy aus Oslo mit, einige Werke dicht machen zu wollen. Von der Massnahme würden rund 700 Mitarbeiter betroffen sein.

Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist die schwedische Krone derzeit etwa 25 Prozent zu teuer. Bei der norwegischen Krone seien es sogar über 40 Prozent. Erst vergangene Woche erklärte Oeystein Olsen, Chef der norwegischen Notenbank, er stehe bereit, etwas gegen die Stärke der Krone zu unternehmen.

Sein schwedischer Amtskollege Stefan Ingves hatte noch Ende 2010 Forderungen nach einem Eingreifen eine Absage erteilt. Nun jedoch hat sich das Blatt gewendet. Es gibt Sorgen, die starke Krone belaste das Wachstum im Land - nicht zuletzt wegen der griechischen Schuldenkrise.

“Diese Währungen müssen abwerten”, sagte Peter Von Maydell, Chef für Devisenstrategien bei Credit Suisse Securities in London, im Interview.
In dieselbe Richtung argumentierte auch Björn-Roger Wilhelmsen, Chef-Stratege für Zinsen und Devisen bei Swedbank First Securities in Oslo. “Eine substanzielle Aufwertung hätte geldpolitische Antworten zur Folge.”

Schwedens Finanzminister Anders Borg hatte am 17. Februar die Wachstumsprognose für 2012 von 1,3 Prozent auf nur noch 0,5 Prozent reduziert. Einen Tag zuvor hatte die Zentralbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt und erklärt, dass er auf dem damit erreichten Niveau von 1,50 Prozent bis zum 1. Quartal 2013 verharren werde. Analysten gehen davon aus, dass die nordischen Währungen gegenüber dem Dollar und dem Euro bis einschliesslich zum dritten Quartal an Wert verlieren.
Demnach wird die norwegische Krone auf 7,60 Kronen je Euro und 6 Kronen je Dollar sinken, zeigt der Median von mehr als 20 Schätzungen. Die schwedische Krone wird sich auf 8,89 Kronen je Euro und 6,90 Kronen je Dollar verbilligen, legte eine weitere Umfrage unter Experten nahe.

Zu Verlusten bei den beiden Währungen könnte es auch deshalb kommen, weil sie unter den G10-Staaten zu jenen vier Devisen gehören, die am wenigsten gehandelt werden. Das geht aus Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hervor. Damit dürfte es für Investoren schwieriger werden, aus den Währungen auszusteigen.
“Ihre Illiquidität ist definitiv negativ, wenn die Märkte Risiken reduzieren wollen”, sagte Adam Cole, weltweiter Chef für Fremdwährungsstrategien bei RBC Capital Markets in London. “Sie sind beide derzeit in Gefahr wegen ihrer Abhängigkeit von der Eurozone.”
Einer Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten zufolge dürfte das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone in diesem Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen.

Der Ausblick für die Eurozone “sollte die nordischen Zentralbanken in einem Lockerungs-Zyklus halten”, sagte Adrian Lee, Investmentchef beim Devisen-Manager Adrian Lee & Partners in London. In der Folge sollten sowohl die schwedische als auch die norwegische Krone nachgeben, sagte er.

(Bloomberg)


 
 

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