Niemand wird bestreiten, dass Warren Buffetts Berkshire Hathaway in den 90ern eine ganz herausragende Performance aufwies. Wegen dieses Erfolges wird Buffett auch das Orakle von Omaha genannt und seine Anhänger pilgern jährlich in Scharen zur schon Kultstatus habenden Hauptversammlung, um keines seiner Worte zu versäumen.
Vom Überflieger zum Marktperformer
Doch der Mythos Buffetts beginnt zu bröckeln. Er hängt hartnäckig seiner Value-Strategie an, indem er auf Basis diskontierter künftiger Erträge unterwertete Unternehmen finden will. Damit versäumte er den Internet/Technologie-Boom um die Jahrtausendwende, wo es vor allem um Wachstum (Growth) ging, und gleich darauf den Goldboom. Gold scheint Warren Buffett überhaupt nicht zu verstehen, wie man aus seinen seltsamen Aussagen dazu erkennen kann (http://www.foonds.com/ ). So kommt es aber auch, dass die Performance im letzten Jahrzehnt nicht mehr berauschend ist. Auf 10-Jahresbasis konnte zwar eine Kurssteigerung um gut 50% erzielt werden (4,1% p.a.), aber betrachtet man die letzten 5 Jahre, schaut es schlecht aus. Einerseits brach seine Aktie 2008 um fast 50% ein, andererseits liegt die Kurssteigerung seit Anfang 2007 bei nur rund 10%. In derselben Zeit machte der Dow Jones zwar nur ein geringes Plus von 2%, die Nasdaq aber rund 18%. Im Vergleich zu Gold oder Edelmetallen generell, sieht die Performance überhaupt trostlos aus.
Buffetts Silberabenteuer
Abgesehen von Buffetts kurzem Abenteuer mit Silber (er kaufte 1998 ca. 130 Mio. Unzen bzw. ca. 4000 Tonnen um 5,90 USD/Unze), das er viel zu früh, in der 2. Hälfte 2005 zu Kursen unter 8 USD verkaufte, hält er nichts von Edelmetallen. Am Rande: Der Spiegel machte sich 1998 große Sorgen, wie Buffett denn seine Tonnen (ein Fünftel einer Jahresproduktion) wieder loswerden könne, ohne dass der ganze Markt zusammenbreche:„Niemand weiß, wie Buffett sein Silber jemals loswerden will. Sollte er auch nur einen Teil feilbieten, würden die Preise sofort wegbrechen. Der Profit wäre so schnell zerronnen wie gewonnen.“ (http://www.spiegel.de/ ). – wie man sieht, eine völlig unnötige Sorge und angeblich wurde das Silber vom damals – April 2006 - aufgelegten Barclays Silber-ETF (SLV) absorbiert.
Buffett hält Gold für nutzlos
Gold ist ihm nun überhaupt ein Graus. Er bezeichnet es als völlig nutzlos und hält es für absonderlich, dieses nutzlose Metall auszugraben und dann in Tresoren zu bunkern. Hier schwingt wohl auch eine gewisse Überheblichkeit mit, nicht anerkennen zu wollen, dass Gold eben seit vielen Jahrtausenden nicht als nutzlos angesehen wird, sondern ein bewährtes Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel ist (den bekannten Vergleich mit dem Anzug und der Toga wollen wir uns sparen). Buffett: „Gold wird aus dem Boden gegraben. Dann schmelzen wir es ein, graben ein anderes Loch, wo wir es wieder beerdigen und bezahlen Leute, die darum herumstehen, um es zu bewachen. Es hat keinerlei Nutzen, jeder, der vom Mars aus zuschaut, würde sich den Kopf kratzen!“
Gold entzieht sich den Bewertungsinstrumentarien der Value-Theoretiker, denn da es keine Erträge liefert, gibt es nichts zu diskontieren und es kann kein Wert (außer Null) bestimmt werden.
Buffetts Goldblasentheorie
Warren Buffett scheint nun in Erklärungsnotstand zu geraten. Alles was mit Edelmetallen zu tun hat, performt, seine Aktie kommt dagegen seit einem halben Jahrzehnt nicht vom Fleck. Anders kann man sich seine eher seltsamen Ausführungen zur von ihm behaupteten Goldblase nicht erklären.
„Bei einem Unzenpreis von 1'750 Dollar würde der Wert des Würfels ungefähr 9,6 Billionen Dollar betragen. ..... Dafür könnten wir zum Beispiel das gesamte Ackerland der USA erwerben (162 Millionen Hektar mit einem Ertrag von etwa 200 Milliarden Dollar pro Jahr) plus 16 Mal Exxon Mobil (die rentabelste Firma der Welt, die pro Jahr etwas über 40 Milliarden Dollar Gewinn erzielt).“
Und es bleibt sogar noch eine Billion USD über. Der Vergleich ist deshalb dürftig, weil das Weltvermögen nicht nur aus US-Ackerland besteht, aber insbesondere deshalb, weil der Vergleich eher mit der inzwischen im Explosionsstadium befindlichen Welt-Geldmenge zu vergleichen ist. (zur gesamten Aussage Buffets: http://www.finews.ch/ bzw. http://finance.fortune.cnn.com/ .
EZB und FED haben soviel Geld binnen 5 Jahren geschaffen, wie der aktuelle Wert des jemals geförderten Goldes
Um die Größenordnungen zurechtzurücken: Das von EZB und FED allein in den letzten 5 Jahren aus dem Nichts geschaffene Luftgeld erreicht bereits den Wert des Goldwürfels.
Aber irgendwie muss Buffett wohl seinen Anlegern erklären, warum Gold nichts ist, in das man investieren muss. Außerdem ist Buffett ein strammer Patriot und Goldanleger/befürworter sind ohnehin unerwünscht und inzwischen dem FBI hochgradig suspekt (http://www.foonds.com/ ).
Einen wie immer treffenden Kommentar zu diesem Thema liefert der Vorsitzende der Dt. Edelmetallgesellschaft, Peter Boehringer: http://www.goldseitenblog.com/
(cr)






