Der aktuelle Marktkommentar von Mark Mobius:
In einer zunehmend vernetzten Welt mit neuen Finanzprodukten und ihren Auswirkungen auf die breiten Märkte und verschiedene Anlageklassen haben sich die globalen Finanzmärkte in den letzten zehn Jahren rasch gewandelt. Die Weltwirtschaft wird inzwischen strukturell anders wahrgenommen. Die USA gelten nicht länger als der globale Wachstumsmotor und es wächst das Bewusstsein, dass grosse Schwellenländer wie China und Indien einen zunehmenden Beitrag zum globalen BIP leisten.
Die Weltwirtschaft dürfte sich in den kommenden Jahren in unterschiedlichem Masse erholen. Die Schwellenmärkte werden ihren dynamischen Wachstumskurs fortsetzen, während die Industrieländer langsamer expandieren, da sie weiterhin die Kosten der jüngsten Exzesse im Finanzsektor sowie rückläufige Produktivität absorbieren müssen. Wir denken, dass die Aktienmärkte von Schwellenländern noch viel grösser werden könnten als heute. In den kommenden zehn Jahren könnten sie den Gesamtwert der Aktienmärkte der USA, Japans und Europas sogar übersteigen. Die Schwellenmärkte sind seit 1986 weit vorangekommen, als die Internationale Finanz-Corporation (IFC), eine Weltbank- Tochter, mit der Förderung der Entwicklung der Kapitalmärkte in weniger entwickelten Ländern begann. Seitdem haben sich die Schwellenländer von einfachen Billigproduktionsländern zu wachstumsorientierten Volkswirtschaften mit einer sehr starken Verbraucherbasis entwickelt. Die Binnennachfrage dürfte in Schwellenländern in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen, da für Industrienationen mit viel schwächerem Wachstum und mit Belastungen durch fiskalpolitische Herausforderungen gerechnet wird.
In Schwellenländern wird der Binnenkonsum von steigenden Einkommen und einer jüngeren Arbeitsbevölkerung getragen. Die Regierungen werden neue geeignete politische Programme formulieren müssen, um die Beschäftigung zu fördern und der Einkommensungleichheit entgegenzuwirken. Unseres Erachtens werden alle Schwellenmärkte einschliesslich der sogenannten BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) ihren langfristigen Wachstumskurs fortsetzen.
Alle Schwellenländer zeichnen sich durch einzigartige Eigenschaften aus. Daher werden ihre Märkte auf verschiedene Bedingungen unterschiedlich reagieren. Wir haben in der Vergangenheit in alle Schwellenmärkte investiert, insbesondere in die neueren Grenzmärkte, und werden dies auch in Zukunft tun. Neben konsumabhängigen Sektoren bleiben Rohstoffe angesichts anhaltender Nachfrage aus Wachstumsländern sowie weltweiter Angebotsengpässe ein Kernthema. Mit Blick auf eine Untergruppe von Schwellenmärkten ist das Wirtschaftswachstum in vielen Grenzmärkten ebenfalls nach wie vor hoch, sogar kräftiger als in manchen Schwellenländern, und stellt die in Industrienationen erreichten Raten bei weitem in den Schatten. Dort wächst nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kapitalmärkte. Einige dieser Länder entwickeln sich von kleinen und illiquiden zu grossen und liquiden Märkten. Viele Grenzmärkte sind auch führende Produzenten von Öl, Gas und Edelmetallen und gut aufgestellt, um von der hohen weltweiten Nachfrage nach diesen Ressourcen zu profitieren. Ausserdem investieren Grenzmärkte parallel zur Expansion ihrer Wirtschaft auch immer stärker in Infrastruktur. Daraus ergeben sich werthaltige Chancen in Industrien wie Bau, Transport, Bank- und Finanzwesen und Telekommunikation. Der steigende Konsum verleiht diesen Ländern starke Kaufkraft und die Fähigkeit, durch Ausgaben Wachstum zu erzielen. Grenzmärkte wurden und werden ausserdem durch beträchtliche Investitionen von grösseren Schwellenländern wie China, Indien, Russland und Brasilien unterstützt. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Triebfedern in den Grenzmärkten unterschiedlich. Zum Beispiel führt Botsuana, einer der weltgrössten Diamantenexporteure, Call-Center und Rechenzentren ein. In Kasachstan, das reich an Öl und anderen natürlichen Ressourcen ist, wird dagegen massgeblich in die Infrastrukturentwicklung investiert. Diese unterschiedlichen wirtschaftlichen Schwerpunkte der einzelnen Grenzmärkte stellen ein diversifiziertes Portfolio sicher.
Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre sollten sich Schwellenmärkte gut entwickeln. Die Marktvolatilität wird anhalten und könnte sogar steigen, wenn Derivate weiter anwachsen, weil der Hochfrequenzhandel zunimmt und die Märkte internationaler werden. Ein weiterer Faktor sind potenzielle Staatspleiten in Europa und deren Auswirkungen auf andere Länder. Unseres Erachtens werden diese Länder weiter praktikable Lösungen für kurzfristige Probleme finden und die Möglichkeit bekommen, ihre Haushalte mittelfristig zu konsolidieren.
Es kommt darauf an, gut kapitalisierte unterbewertete Unternehmen mit einzigartigem und wettbewerbsfähigem Produktangebot ausfindig zu machen. Besonders attraktiv sind Unternehmen, die zuverlässig solide Dividenden ausschütten. Die nächsten Jahre sind für die Weltwirtschaft entscheidend, da die Länder Ungleichgewichte bewältigen und den Boden für die nächste Wachstumsphase bereiten müssen.






