Die Industriellenvereinigung (IV) hat sich eines Themas angenommen, das sonst üblicherweise in Zeiten der Hochkonjunktur aufs Tapet kommt: Die Versorgung mit Rohstoffen, die zwischen 40 und 60 Prozent der Kosten in der industriellen Produktion ausmachen. In einem am Donnerstag vorgelegten Positionspapier fordert der Interessenverband u.a. eine aktivere "Rohstoff-Diplomatie" von EU und österreichischer Regierung, mehr Flexibilität bei Raumordnung und Abbaubestimmungen im Inland und einen steuerlichen Anreiz für die Aufsuchung nach dem Muster der Förderung für F&E.
Die Initiative trägt den Namen "Rohstoffsicherheit 2020" und wurde von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Lenzing-Vorstandschef Peter Untersperger erstellt. Das Papier bezieht sich auf nicht-energetische, nicht-fossile Materialien. Auch die EU hat sich dieses Themas bereits angenommen, denn ein großer Prozentsatz der in Europa verarbeiteten Rohstoffe muss eingeführt werden - etwa seltene Erden aus China (Computer und Telekommunikation), aber auch gängigere Massengüter/Metalle wie Eisenerz (85 Prozent Importabhängigkeit), oder Kupfer (50 Prozent Einfuhr).
Abbau und Einsatz von Rohstoffen führe unweigerlich zu einer Belastung der Umwelt und müsse daher so schonend und effizient wie möglich erfolgen, sagte Peter Korsen, stellvertretender Generalsekretär des Interessenverbands. "Gleichzeitig ist die Reduktion von Rohstoffen kein Selbstzweck, man muss ihnen den jeweils erzielbaren Nutzen gegenüberstellen."
Untersperger, dessen Unternehmen ein großer Nachfrager bei Zellstoff und Holz ist, kritisierte die staatlich geförderte Verwendung von Holz zur Erzeugung von Energie. Die stoffliche Verwertung von Holz bringe eine höhere Wertschöpfung, der geförderte Einsatz von Holz für die Ökoenergie sei dagegen "eine volkswirtschaftliche Dummheit".
Die Subventionen hätten zur Folge, dass das Holz dem Markt entzogen werde, was zu ungerechtfertigt hohen Preisen führe. IV-General Peter Koren betonte aber, dass die IV das soeben von der EU-Kommission akzeptierte österreichische Ökostromgesetz nicht infrage stelle. (APA)






