Die taiwanesische Regierung will mehr ausländische F&E-Zentren auf der Insel ansiedeln und andererseits die einheimischen Unternehmen bei ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unterstützen. Im internationalen Vergleich steht die Insel gut da: Taiwan ist nicht mehr nur Auftragsfertiger für internationale Unternehmen. Die Insel hat sich auch als leistungsstarker Standort im Bereich Forschung und Entwicklung etabliert. Vor allem im Elektronik- sowie Informations- und Kommunikationssektor haben Unternehmen wie HP, Dell, Motorola, Sony, Fujitsu, Ericsson, ASML teilweise bereits vor Jahren in Innovationszentren investiert. Zugleich sind in Taiwan in den Segmenten Halbleiter, Displays, tragbare Computer, Mobiltelefone auch zahlreiche einheimische Unternehmen forschend und entwickelnd tätig. Nicht wenige engagieren sich auch in den Bereichen Medizintechnik, Automatisierung, Software sowie Mess- und Regeltechnik.
Taiwans Regierung betreibt aktiv den Aufbau von internationalen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten. Zugleich will sie auch die einheimische Industrie zu mehr Innovation anregen. Nach Angaben des Ministry of Economic Affairs sind bis Ende 2011 auf der Insel 54 F&E-Zentren multinationaler Unternehmen gegründet worden. Auch die inländischen Firmen haben ihre Kapazitäten ausgeweitet, um ihre Konkurrenzfähigkeit auszubauen. Ende 2011 lag die Zahl der unternehmenseigenen Innovationszentren nach Angaben des Department of Industrial Technology bei 143. Hinzu kommen die überwiegend aus öffentlichen Kassen finanzierten Einrichtungen, wie das renommierte Industrial Technology Research Institute (ITRI). Dass die Anstrengungen Früchte tragen, zeigt sich im internationalen Vergleich. Im "Global Information Technology Report 2010-2011" des World Economic Forum, der 138 Länder untersucht, kam Taiwan auf Platz 6 und lag damit fünf Ränge besser als in der vorangegangenen Studie. Der Insel wird eine starke Innovationskraft bescheinigt, vor allem weil die Zahl der Patentanmeldungen hoch ist und massiv in die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur investiert wird.
Dies bestätigt auch der "IT Industry Competitiveness Index 2011". Er wurde von der Economist Intelligence Unit entwickelt und untersucht die Leistung von Unternehmen und Regierungen in Bezug auf die Förderung der IT-Industrie. Dabei wurden 66 Länder ins Visier genommen. Taiwan konnte mit der dreizehnten Platzierung gegenüber dem Vorjahr zwei Stufen höher rücken. In Asien schnitt lediglich Singapur (Platz drei) besser ab. Japan und Korea (Rep.) folgten auf den Rängen 16 und 19. Im Subsegment des Forschungs- und Entwicklungsumfeldes, das u. a. die Patentanmeldungen und die F&E-Ausgaben berücksichtigt, nimmt Taiwan sogar weltweit Rang drei ein und konnte damit zum Vorjahr um vier Plätze aufrücken.
Eine wichtige Rolle für Taiwans gutes Abschneiden in internationalen Ranking spielte der große Pool an Forschungs- und Entwicklungspersonal. Im Jahr 2001 arbeiteten laut Angaben des National Science Council mehr als 117.000 Personen forschend und entwickelnd in Hochtechnologieindustrien. Gegenüber 2001 hat sich der entsprechende Personalstock mehr als verdoppelt. Damals registrierte die Statistik 49.000 Kräfte. Die F&E-Ausgaben der Hightech-Industrien haben sich zwischen 2001 und 2010 nominal verzweieinhalbfacht. Taiwan plant, seine F&E-Ausgaben im Jahr 2012 auf 3% des Bruttoinlandprodukts (BIP) auszuweiten. Die entsprechende Quote für 2009 lag bei 2,9%. Dabei trägt die Privatwirtschaft das meiste zu den landesweiten F&E-Leistungen bei. Von den Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Unternehmen fließen mehr als 70% in Hightech-Industrien, insbesondere in die Computer- und Optoelektronik. Um Unternehmen Investitionen in Innovationen zu erleichtern, hat die Regierung seit November 2010 neue Bestimmungen in Kraft gesetzt, die es erlauben, F&E-Aufwendungen steuerlich geltend zu machen. Daneben existieren weitere fiskalische Anreize, um forschenden Unternehmen die Ansiedlung zu erleichtern.






