Die Mehrheit der Ökonomen erwartet von der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag weder einen Zinsschritt noch die Bekanntgabe weiterer geldpolitischer Massnahmen. Experten rechnen damit, dass die Notenbank zwischen den beiden Dreijahrestendern eine Verschnaufpause einlegt. Es sei wahrscheinlich, dass die EZB zunächst abwartet, wie die neuen Instrumente wirken und wie sich die Konjunktur im neuen Jahr entwickelt. Am Donnerstagnachmittag werden die Währungshüter ihre Zinsentscheidung veröffentlichen und sich im Anschluss auf einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten stellen.
Fast alle von dpa-AFX befragte Volkswirte erwarten einen unveränderten Leitzins von 1,0 Prozent. Nach Einschätzung der Experten von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) könnten die Notenbanker höchstens den Einlagensatz reduzieren, um das überbordende "Parken" der Liquidität auf den EZB-Konten unattraktiver zu machen. Zuletzt hätten die europäischen Geldinstitute einen Berg von rund 480 Mrd. Euro an Liquidität vor sich hergeschoben. Die Zirkulation dieser gewaltigen Menge im Interbankenhandel sei zweifellos wünschenswert, die hohe Verunsicherung der Marktteilnehmer behindere dies derzeit jedoch.
Was die umstrittenen Anleihekäufe der EZB und den für Ende Februar angekündigten zweiten Dreijahrestender angeht, dürfte es laut Helaba keine neuen Informationen geben. Auch die konjunkturelle Einschätzung durch EZB-Chef Mario Draghi werde keine wesentlich veränderte Haltung der Geldpolitiker zutage fördern. "Die EZB-Sitzung im März dürfte spannender werden, denn dann sind die ersten Marktentwicklungen nach der zweiten Zuteilung von Dreijahresliquidität einzuschätzen", schreiben die Analysten am Montag.
Neben der Frage, ob die EZB ihren geldpolitischen Instrumentenkasten weiter öffnen könnte, dürfte auf der Pressekonferenz eine Stellungnahme zum Thema Griechenland gefordert werden. Denn der Druck, sich am Schuldenschnitt zu beteiligen, nahm zuletzt deutlich zu. Dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos zufolge hingen die Verhandlungen zuletzt an der Frage, ob EZB und nationale Notenbanken beim Forderungsverzicht mit ins Boot steigen.
"Grundsätzlich ist eine Beteiligung von ihrer Seite nicht abwegig", heisst es in einem Ausblick der HSH-Nordbank. Um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, die EZB-Beteiligung entlaste den privaten Sektor, könne man eine Abschreibung der Anleihen auf das Preisniveau des Einkaufs zulassen. Dies könne an die Bedingung geknüpft werden, dass die privaten Gläubiger die geforderten 100 Mrd. Euro Entlastung für Griechenland erreichen.
(APA/dpa-AFX)






