Dass Aktien mit hoher Dividendenrendite die Heilsbringer im Depot sein sollen, ist ein nicht unterzukriegender Mythos. Anscheinend brauchen die Anleger etwas, an dem sie sich anklammern können, eine Theorie, die auf den ersten Blick bestechend sein mag. Denn die Aktien mit hoher Dividendenrendite, das sind quasi die „Guten“, die man nur ernten muss. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bald schon jede Woche ein Fonds oder ETF mit einer High-Yield-Dividend-Strategie aus dem Boden schießt. Kein Fondshaus kann es sich leisten, nicht auf diesen Zug aufzuspringen, dem viele Anleger gleich Lemmingen derzeit folgen.
Hohe Dividendenrendite heißt gar nichts
Was heißt denn nun eine hohe Dividendenrendite? Das heißt nicht, dass das Unternehmen auf sein Kapital viel Gewinn erzielt und einen guten Teil davon ausschüttet. Es heißt nur, dass der Aktienkurs in Relation zur Dividende tief ist. Dies kann aber die verschiedensten Gründe haben.
Der günstigste Fall: Alle Anleger verkennen, dass die Aktie X eine Perle ist, und kaufen sie nicht, sodass der Kurs dahindümpelt. So eine Aktie hat in der Tat Potential.
Der weniger günstige Fall: Es hat schon seinen Grund, warum die Aktie niemand will. Sie hat zwar viel Dividende gezahlt, aber dabei wird es auch schon bleiben. In paar Monaten kommt nämlich die Gewinn-Warnung und das war es dann auch mit der hohen Dividende: Diese wird massiv gekürzt oder fällt gar aus. Hier kann man wieder zwei Fälle unterscheiden. Das Unternehmen ist zyklisch und es pfeifen schon die Spatzen vom Dach, dass der Zyklus nach unten bricht. Daher rührt niemand die Aktie an, der Kurs ist tief, die Dividendenrendite auf Basis der letzten Ausschüttung ist enorm. Der unangenehmere Fall ist der, dass nur Insider und Marktspezialisten wissen, wie mies es dem Unternehmen geht. Das äußert sich darin, dass die Analysten, die meist ja nur darin gut sind, die Vergangenheit vorauszusagen (Mickäel Mangot), glauben, einen Dividendenstar entdeckt zu haben. So wird die Aktie zwar viel empfohlen, kommt aber nicht vom Fleck, weil die Wissenden die Gelegenheit nützen, auszusteigen.
Vergangenheitsdividenden sind nutzlos
Fazit: Eine hohe historische Dividendenrendite sagt also überhaupt nichts aus. Dazu müsste man vielmehr die Dividenden der nächsten Jahre schätzen, und damit taugt die in der Praxis verfügbare Dividendenrendite, die auf historischer Dividende beruht, gar nichts.
Wer selbst schon viel in Aktien investiert hat, wird das nicht erst einmal am eigenen Leib erlebt haben, wie die Dividendenträume platzen. Der eine oder andere mag sogar schon erlebt haben, dass nicht nur die Dividendenträume platzten, sonder das Unternehmen pleite ging (an der Wiener Börse gab es genug solche Fälle vermeintlicher Dividendenstars).
Dass das hier Behauptete nicht nur Hirngespinste des Verfassers sind, belegt Mickäel Mangot, Lektor für Behavioral Science an der Essec Business School/Singapur und Buchautor: „Alle Theorien über Aktien laufen darauf hinaus, dass die Dividendenrendite für die Gesamtperformance keine Rolle spielt, und dass hohe Dividenden aus steuerlichen Gründen sogar nachteilig sind.“ (Tagesanzeiger, S.41, vom 2. Februar 2012; online nicht verfügbar). Wenigstens der steuerliche Nachteil wurde in Österreich und Deutschland mit der neuen Schröpfungssteuer für Aktionäre und Fondsbesitzer nachhaltig beseitigt. Aber auch das ist kein Trost.
(cr)






