Der Moskauer Chefhändler für Aktien bei der Goldman Sachs Group hat seinen Job aufgegeben, um im Raum New York eine russische Sauna zu eröffnen. Peter Kizenko begründete seinen Schritt damit, dass der elektronische Handel stark auf dem Vormarsch sei und die Bezüge in der Branche schrumpften.
“Der Spass ist verloren gegangen”, sagte der Ex-Banker, dessen bisherige Karrierestationen auch zur Schweizer UBS geführt hatten. “Moskau ist nicht mehr wie etwa Chicago in den 1920er Jahren, wo so ziemlich alles ging. Russland wird definierter.”
Kizenkos geschäftlicher Neuanfang lässt den gebürtigen New Yorker nach 18 Jahren Russland in seine alte Heimat zurückkehren. Weltweit zwingen die Aufsichtsbehörden die Banken, ihre Eigenhandelsaktivitäten nach unten zu fahren. Zudem kürzen die Finanzkonzerne die Bezüge ihrer Banker. Goldman Sachs hat drei Jahre in Folge die Bezüge gesenkt. Dahinter steht neben Protesten aus der Bevölkerung gegen überhöhte Boni vor allem ein Rückgang des Gewinns. 2007 hatte die Investmentbank bei der Mitarbeitervergütung noch einen Rekord aufgestellt. K
izenko war im Jahr 2006 von der UBS zu Goldman Sachs gekommen. Bei der grössten Schweizer Bank hatte er als Lead- Händler in Moskau gearbeitet. Kizenko, dessen Eltern von der früheren Sowjetunion in die USA ausgewandert waren, hat nach eigenen Worten die US-Bank am Mittwoch verlassen. Seine Sauna soll nächsten Monat aufmachen.
“Jetzt bin ich nicht mehr der älteste russische Händler auf dem russischen Markt”, sagte Kizenko. “Nun kann ich den Bau der russischen Sauna in New Jersey beenden.” Der US-Bundesstaat grenzt direkt an New York und ist dem Finanzzentrum Manhattan nahe. Eine Rückkehr in die Finanzbranche schliesst Kizenko nicht aus.
Eigentlich wollte er die Sauna in London eröffnen. Dann habe er gesehen, wie teuer dort die Mieten seien. Daher fiel die Entscheidung auf New Jersey. Im Raum New York gebe es insgesamt fünf bis sieben solcher Saunen, so Kizenko. Einige seien in Manhattan und Brooklyn zu finden. Allerdings fehle es diesen an Ästhetik. Seine Sauna sei in Russland angefertigt und anschliessend in die USA transportiert worden, berichtet Kizenko. Die Tradition des russischen Saunens geht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Ein Besuch beginnt in der Regel mit mehreren Gängen in den Dampfraum hinein, und dann wieder hinaus. Auf diese Weise soll es dem Körper ermöglicht werden, sich langsam aufzuwärmen. Die meist nackten Teilnehmer geben sich etwa mit Birkenästen gegenseitig ein paar Klapse - bevor sie in kaltes Wasser springen oder sich im Schnee rollen, um die Temperatur des Körpers wieder zu senken.
Die im 19. Jahrhundert für die Reichen errichteten so genannten Sonntags-Bäder in der Nähe des Kremls sind die nobelsten dieser Saunen in Moskau. Zu den Besuchern zählten einst Alexander Puschkin und Leo Tolstoy, ebenso wie zuletzt etwa John Travolta und Dolph Lundgren.
(Bloomberg)






