S&P-Ausblick

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"Es gibt viele Zombie-Firmen, die mit ihren eigenen Schulden in der Falle sitzen" - Insolvenzen vor Verdopplung   Facebook be



27.01.2012
 

Bei den Unternehmen in Europa ist mit einer deutlich höheren Rate von Zahlungsausfällen zu rechnen. Die Firmen haben Probleme, Verbindlichkeiten zu refinanzieren, während die Banken Geld horten, das sie günstig von der Europäischen Zentralbank bekommen haben.

Standard & Poor’s rechnet mit einem Anstieg der Ausfallrate auf bis zu 8,4 Prozent oder höher, im Vergleich zu 4,8 Prozent Ende 2011. Belastungen kämen aus der Rezession, zudem dürfte die Unternehmensfinanzierung austrocknen, begründet die Ratingagentur ihre Einschätzung. Im Basisszenario geht S&P von einer Ausfallrate von 6,1 Prozent in diesem Jahr aus, wobei eine “milde Rezession” im ersten Halbjahr berücksichtigt ist, wie Paul Watters, Leiter Analyse Unternehmenskredit bei S&P in London, erläutert. Bei einer sich verschärfenden Staatsschuldenkrise rechnet S&P mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent für eine stärkere Rezession, ergänzt er.

Jüngstes Opfer der härteren Haltung der Banken ist der in der Schweiz ansässige Raffineriebetreiber Petroplus Holdings. Das Unternehmen musste Insolvenz beantragen, nachdem die Banken Kreditlinien im Volumen von 2,1 Mrd. Dollar gekündigt haben. “Es ist für jeden eine grosse Herausforderung, jetzt Geld von den Banken zu beschaffen”, sagt Andrew Cleland-Bogle, Direktor bei DC Advisory Partners in Frankfurt. Die Gesellschaft ist auf Unternehmensfinanzierungen spezialisiert. Die erhöhten Eigenkapitalanforderungen für die Banken sorgten dafür, dass die Banken, obwohl sie Geld bekommen, sehr selektiv bei der Kreditvergabe seien, fügte er an. “2012 wird ein sehr, sehr hartes Jahr werden”.

Unternehmen mit einem “Ramsch“-Rating unterhalb der Kategorie “Investmentgrade” müssen dieses Jahr laut S&P Verbindlichkeiten im Volumen von rund 230 Mrd. Euro refinanzieren. Gleichzeitig raufen sich die Banken und Kreditfonds, die die erste Finanzierung bereitgestellt haben, um Kapital oder sie sind unwillig, Kredite zu verlängern.
Die Banken haben von der EZB 489 Mrd. Euro zu 1,0 Prozent Zinsen für bis zu drei Jahre erhalten. Sie setzen diese Liquidität aber lieber ein, um Staatsanleihen zu kaufen, deren Verzinsung mehr als 2,5 Prozent höher liegt, statt die Gelder über Kredite an die Unternehmen weiter zu reichen. John Rathbone, Leiter von J.C. Rathbone Associates, einer Beratungsgesellschaft für Risikomanagement, sagt, italienische und spanische Banken hätten ganz eindeutig die EZB-Gelder genutzt, um Staatsanleihen ihrer Länder zu kaufen und von der “massiven” Zinsdifferenz zu profitieren.

Einen Teil der EZB-Kredite parken die Banken auch wieder bei der EZB selbst - im gleitenden 30-Tage-Durchschnitt liegen die EZB-Einlagen bei der Rekordsumme von 400 Mrd. Euro.

Die Insolvenz von Petroplus dürfte kein Einzelfall bleiben. “Es gibt viele Zombie-Firmen, die mit ihren eigenen Schulden in der Falle sitzen und keinen Ausweg finden”, sagt David Bryan, Partner bei dem Londoner Sanierungsspezialisten Bryan, Mansell & Tilley LLP. “Die Konjunkturerholung findet nicht so richtig statt und es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine zweite Rezession. Die Banken haben sich schon einmal Zeit verschafft und könnten das auch wieder tun”.

Unternehmen, die in fremdfinanzierten Buyouts während der Boomjahre um 2005 übernommen wurden, sind besonders gefährdet, keine Finanzierungen mehr zu erhalten. Denn ihr Verschuldungsniveau liegt höher, als Investoren das heute akzeptieren, wie Edward Eyerman, Leiter Leveraged Finance bei Fitch Ratings in London berichtet. Das Problem verschärfe sich noch dadurch, dass Banken und Emittenten strukturierter Wertpapiere wie Collateralized Debt Obligations (CLOs) ebenfalls kreditfinanziert seien.

“Bei Unternehmen mit einem fünffachen Leverage in zyklischen Branchen, die sich in anämischen Volkswirtschaften befinden und in nächster Zeit vor Fälligkeitsterminen stehen, ist fraglich, wie viel Eigenkapital noch unter den Schulden steckt”, sagt Eyerman. Wenn diese hochverschuldeten Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, stehe die Frage, welches die richtige Kapitalstruktur sei, in Konkurrenz zu den Ansprüchen der Banken und Emittenten von CLOs, vorrangigen Anleihen zu sichern.

Für besonders gefährdet hält Watters Unternehmen mit niedrigem Rating und einem Grossteil ihres Geschäfts in den Ländern, die von der Staatsschuldenkrise am härtesten betroffen sind, und die ihre dieses und kommendes Jahr fällig werdenden Kredite noch nicht refinanziert haben.

Um die von der Europäischen Bankenaufsicht EBA geforderten höheren Eigenkapitalquoten zu erreichen, und angesichts der Schwierigkeiten, neues Kapital zu beschaffen, ziehen die Banken es vor, ihre Risikoaktiva zu reduzieren. Alberto Gallo, Stratege bei der Royal Bank of Scotland Group Plc in London, geht davon aus, dass die europäischen Banken ihre Bilanzsumme von derzeit zusammen rund 26,5 Billionen Euro in den nächsten drei bis fünf Jahren um wahrscheinlich 5,1 Billionen Euro reduzieren werden.
“Nach unserer Einschätzung wird es für die europäischen Banken schwierig sein, damit zu beginnen, ihre Liquidität an die breitere Wirtschaft zu transferieren”, sagt Gallo.

(Bloomberg)


 
 

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