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Spielraum

Rückversicherer haben kaum Spielraum für Prämienanhebungen   Facebook be



04.09.2009
 
Da kostspielige Katastrophen ausgeblieben sind und sich die Börsen erholen, ist die Nachfrage nach Rückversicherung verhalten

Die beiden grössten Rückversicherer der Welt, die Münchener Rück und die Swiss Re, dürften Probleme haben, im nächsten Jahr die Prämien für die Abdeckung von Schaden- und Unfallrückversicherung zu erhöhen. Da kostspielige Katastrophen ausgeblieben sind und sich die Börsen erholen, ist die Nachfrage nach Rückversicherung verhalten. Ab dem 5. September tagen die Rückversicherer in Monte Carlo, um mit den Kunden über die Erneuerung der im Januar auslaufenden Kontrakte zu verhandeln. Die Diskussionen werden auf einer Tagung in Baden-Baden im Oktober fortgesetzt. Im Januar werden etwa zwei Drittel der Verträge in der Schaden- und Unfallrückversicherung erneuert, der Rest im April und Juli.

In der Hurrikan-Saison für den Atlantik, die von Juni bis November geht und die Rückversicherungsraten beeinflussen kann, hat in diesem Jahr bisher kein grösserer Sturm die US-Küste heimgesucht. Im Vorjahr hatte Hurrikan Ike im September in Texas gewütet, was die Versicherungsbranche 20 Mrd. Dollar kostete und dazu beitrug, die Rückversicherungsraten in diesem Jahr um acht Prozent nach oben zu treiben. Die beiden Jahre zuvor waren sie gesunken.

“Rückversicherer werden sich schwer tun, im nächsten Jahr grössere Prämienerhöhungen zu begründen, denn die Hurrikan-Saison 2009 ist extrem ruhig verlaufen”, sagt Markus Engels von Allianz Global Investors. “Ich rechne im nächsten Jahr mit stabilen oder etwas höheren Preisen.”

Eine Kurserholung von 52 Prozent am Aktienmarkt seit März, gemessen am MSCI World Index, hat geholfen, das Eigenkapital der Versicherer wieder aufzufüllen. Auch dürfte dies dazu beitragen, Prämienanhebungen zu begrenzen, erläutert Moritz Rehmann von der DJE Kapital AG. Im vergangenen Jahr war das Eigenkapital bei den sechs grössten europäischen Versicherungen gemessen am Marktwert um 23 Prozent gesunken. Im ersten Halbjahr 2009 ist es bei der Allianz SA, AXA SA, Assicurazioni Generali SpA, Zurich Financial Services, Prudential Plc und Aviva Plc im Schnitt um drei Prozent gestiegen. “Die Erstversicherer sind den Rückversicherern nicht mehr so sehr ausgeliefert wie vor einem Jahr”, sagt Ben Cohen, Analyst bei Collins Stewart in London.

“Vorsichtig” bei der Erneuerung von Policen gibt sich auch Swiss Re, der zweitgrösste Rückversicherer. “Es dürfte bei den Prämien und Volumina weniger Aufwärtsdruck geben als im vergangenen Jahr”, schrieb Sprecherin Simone Lauper am Donnerstag in einer E-mail. Angesichts der verbesserten Situation an den Finanzmärkten und einem bisher geringen Ausmass an Naturkatastrophen hat sich die Lage gewandelt. Mit kaum veränderten Rückversicherungsraten angesichts einer moderaten Hurrikan-Saison rechnet auch Ulrich Wallin, der Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück, des weltweit viertgrössten Rückversicherers.

Branchenführer Münchener Rück strebe einen Anstieg der Prämien von mindestens drei bis fünf Prozent an, um damit die sinkenden Zinsen weltweit zu kompensieren, erklärte Finanzvorstand Jörg Schneider im Juni. Die Münchener gehen davon aus, dass im Rückversicherungsgeschäft die “knappe Kapazität die Preise im kapitalintensiven Geschäft weiterhin auf hohem Niveau stützen sollte, wenn nicht sogar aufgrund von Kapazitätsreduktion weiter teilweise ansteigen lasse”, schrieb die Gesellschaft im Bericht zum zweiten Quartal.

Denis Kessler, der Chef von Scor SE, Frankreichs grösstem Rückversicherer, erwartet, dass die positiven Preisgestaltungsmöglichkeiten, die seit Herbst vergangenen Jahres zu beobachten sind, im weiteren Jahresverlauf von 2009 und wahrscheinlich auch 2010 anhalten werden.

Druck auf die Rückversicherungsprämien dürfte von Berkshire Hathaway, der Investmentholding von Warren Buffett, ausgehen, denn sie bietet mehr Deckung an, beispielsweise für Naturkatastrophen. Die schwächere Nachfrage nach Versicherung im Zuge der weltweiten Konjunkturkrise dürfte ebenfalls die Preise im Zaum halten, erwartet Stephan Kalb, Analyst bei Sal. Oppenheim. “Ich rechne damit, dass sich die Rückversicherungsprämien im nächsten Jahr seitwärts bewegen oder leicht steigen. Die grössten Anstiege dürften in den Segmenten zu verzeichnen sein, die Katastrophen abdecken”, sagt er.

Einige Versicherer dürften auch beschliessen, Kontrakte in den eigenen Büchern zu belassen anstatt sie an Rückversicherer weiterzureichen. Die Allianz werde im nächsten Jahr voraussichtlich weniger Rückversicherung von der Münchener Rück einkaufen, erklärte Finanzvorstand Helmut Perlet auf einer Telefonkonferenz am 7. August. (Bloomberg)


 
 

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19.04.2012
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