=> About: Elisabeth Staudner, Geschäftsführerin KAG , Semper Constantia Privatbank. Weitere Beiträge
Krisenstimmung hält an
Die Eurokrise wird auch 2012 das Hauptthema bleiben. Viele potentielle Stolpersteine und Umsetzungsrisiken liegen noch auf dem Weg zur Lösung. Der letzte EU-Gipfel brachte erneut nur kleine Fortschritte, die gerade ausreichten, um eine Katastrophe zu verhindern. Mehr als vage Lösungskonzepte, die nur einen Teilbereich der bestehenden Probleme adressieren, sind nach wie vor nicht auf dem Tisch. Negative Nachrichten bleiben somit an der Tagesordnung. Die Wachstumsaussichten bleiben in diesem „geordneten Chaos“ getrübt, sodass Europa eine leichte Rezession nicht erspart bleiben dürfte. Global erwarten wir jedoch ein moderates Wachstum, da wir von keiner massiven Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise ausgehen. Wie lange die Wachstumsaussichten für die Eurozone eingetrübt bleiben, hängt stark von den fiskalpolitischen Sparprogrammen und der Fähigkeit der Banken, neue Kredite zu vergeben, ab. Zugleich hat auch das Ausmaß des globalen Wachstums entscheidenden Einfluss auf die Dauer der Rezession in Europa. Aktuell ist davon auszugehen, dass die USA 2012, trotz der negativen Vorgaben aus der Eurozone, moderat wachsen wird. Auch für die Schwellenländer wird nur eine leichte Abflachung der dynamischen Entwicklung gesehen. Die EU-Politik hat 2011 die Krise durch viele Versäumnisse angefacht und wird 2012 daran arbeiten müssen, das verlorengegangene Vertrauen wiederherzu-stellen. Im weniger wahrscheinlichen Fall eines ungeordneten Zahlungsausfalls von einzelnen Mitgliedsstaaten oder eines Auseinanderbrechens des Euro wäre eine globale Rezession unvermeidbar.
Europrognosen nach unten geschraubt
Die Unsicherheit und die harten Sparbemühungen nehmen der Wirtschaftsentwicklung im Euroraum jeden Schwung, was sich auch im Einkaufsmanagerindex der Eurozone widerspiegelt. Dieser blieb im Dezember trotz eines leichten Anstiegs auf 47,9 Punkte erneut klar unter der Marke von 50 Zählern. Speziell bei der verarbeitenden Industrie, deren Produktion seit fünf Monaten schrumpft, herrschen sinkende Aufträge und pessimistische Geschäftsaussichten vor. Bereits für das 4. Quartal 2011 wird ein leichtes Minuswachstum erwartet und auch für das 1. Halbjahr 2012 gehen angesichts der hartnäckigen Misere in den Euro-Peripherieländern immer mehr Prognosen von einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung aus. Andererseits sollte die schwache wirtschaftliche Entwicklung auch die Inflationsentwicklung im Euroraum zumindest kurzfristig eindämmen, sodass auch nach der jüngsten Leitzinssenkung eine anhaltend expansive EZB-Geldpolitik gesichert scheint.
Euroland im Teufelskreis
In den einzelnen Euro-Ländern ist die Lage extrem unterschiedlich, aber selbst in Deutschland dürfte das BIP im 1. Quartal sinken. Daran ändert auch nichts, dass der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts für Dezember den zweiten Monat in Folge gestiegen ist. Die befragten Manager beurteilten die Geschäftsperspektiven für die kommenden sechs Monate besser und schätzten die aktuelle Lage unverändert ein. Erfreulich ist jedenfalls, dass das Weihnachtsgeschäft für den deutschen Einzelhandel recht gut gelaufen ist. Die deutschen Verbraucher blicken immer noch mit Zuversicht ins Jahr 2012, wie die jüngsten Stimmungserhebungen zeigen. Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Finanzkrise tendieren die Verbraucher dazu, statt ihre finanziellen Mittel zu historisch niedrigen Zinsen auf die hohe Kante zu legen, größere Anschaffungen vorzuziehen. Deutlich schlimmer als für Deutschland sieht es jedoch für einige andere Euroländer aus. Selbst der Musterschüler Irland, der einen vorbildlichen Konsolidierungskurs eingeschlagen hat, kämpft mit einer wegbrechenden Konjunktur und schrumpfender Inlandsnachfrage. Irland hatte bis vor einiger Zeit noch alle Haushaltsvorgaben erfüllt, nun nimmt aber die Neuverschuldung in Prozent des BIP wieder zu. Am härtesten getroffen hat es aber Griechenland, wo die Auswirkungen einer harten Sparpolitik in Extremform studiert werden können. Das Land muss rigide sparen, um die Auflagen für weitere Hilfstranchen zu erfüllen. Aber je mehr gespart wird, desto mehr bricht die Konjunktur ein, sodass das Haushaltsdefizit in Prozent des BIP weiter steigt. Die Wirtschaftsflaute hat selbst die zusätzlichen Einnahmen durch neue Krisensteuern aufgefressen, wie aus den Daten des Finanzministeriums hervorging. Alle Spar-ziele werden verfehlt. Die Steuereinnahmen sinken, während die Ausgaben gleichzeitig zulegen, da sich das Wirtschaftsfiasko in den Sozialsystemen niederschlägt. Der Kampf gegen die Krise geht weiter und die EU-Task-Force hat angeblich einen neuen "Marshall-Plan" im Gepäck. Die Konjunkturflaute im übrigen Euroland und die nur magere weltwirtschaftliche Entwicklung machen die Aufgabe nicht leichter. Bis sich Reformbemühungen niederschlagen, wird es vermutlich Jahre dauern.
USA mit moderatem Wachstum
Die USA hingegen scheinen den globalen Unsicherheitsschock ausgehend von der (europäischen) Schuldenkrise bislang gut verkraftet zu haben. Die Wirtschaftsdaten haben sich stabilisiert und die USA scheinen ähnlich wie 2011 auch in diesem Jahr mit rund 2 % zu wachsen, was unter den Umständen durchaus erfreulich ist. Zwar liegt dies deutlich unter dem bisherigen Wachstumspfad, aber immerhin scheint ein moderates Wachstum möglich. Die Notenbank dürfte dabei weiter Hilfestellung leisten und hat eine expansive Geldpolitik bis zumindest Mitte 2013 angekündigt. Auch die Makrodaten brachten in den letzen Monaten positive Überraschungen. Beim Verbrauchervertrauen scheint die Talsohle durchschritten, wenngleich die Werte weiter niedrig ausfallen. Zuletzt haben die Verbraucher ihre steigenden Konsumausgaben über eine neuerliche Reduktion der Sparquote finanziert, weshalb die nach der Lehman-Krise begonnene Entschuldung beinahe zum Stillstand gekommen ist. Gerade in den USA wurde in den letzten 30 Jahren ein guter Teil des Wirtschaftswachstums über eine Ausweitung der Kreditfinanzierung generiert. Diese Entwicklung kann sich in dieser Form allerdings nicht ewig fortsetzen und am Arbeitsmarkt zeichnet sich derzeit trotz des jüngsten Rückgangs der Arbeitslosenquote auf 8,6 % noch keine ausreichende Verbesserung ab, um zu einem spürbaren Anstieg des Lohnniveaus zu führen. Bei der US-Industrie verbesserte sich der Ausblick leicht: Die Geschäfte im Schlüsselstaat New York liefen im Dezember so gut wie seit über einem halben Jahr nicht mehr. Der "Empire State"-Index kletterte von 0,61 auf 9,53 Punkte, und in der Region Philadelphia stieg das Geschäftsklima für Dezember überraschend stark auf 10,3 Punkte. Damit zeichnet sich ein robustes US-BIP-Wachstum im Schlussquartal 2011 ab, das sich auch im Jahr 2012 fortsetzen sollte, wenn externe Schocks ausbleiben. Aufgrund der Tatsache, dass 2012 auch ganz im Zeichen des Wahlkampfs stehen wird, sind ernsthafte Beschlüsse zur Haushaltssanierung nicht vor 2013 zu erwarten.
Gegenwind für die Emerging Markets
Während sich die USA im moderaten Aufwind befinden, ergreift die globale Abkühlung gerade die Emerging Markets. Eine konjunkturelle Verlangsamung ist bereits in vielen Schwellenländern festzustellen. Unter der Krise in Euroland leidet ganz besonders Zentral-, Ost- und Südosteuropa, weil hier die real- und finanzwirtschaftlichen Verflechtungen mit dem krisengeschüttelten Westeuropa am größten sind. Asien ist zwar weniger anfällig für Krisen in den Industriestaaten als noch vor drei Jahren, dennoch bleiben so große Belastungsfaktoren nicht ohne Spuren. Zudem kühlt sich die Konjunktur in China, dem wichtigsten Wachstumsmotor der letzten Jahre, ab. Die rückläufigen Immobilienpreise in China stellen ein Risiko für den Inlandskonsum dar. Für den Bankensektor sollten die Risiken, in Anbetracht des verhältnismäßig geringen Gewichts von Immobilienkrediten in den Bankbilanzen und der hohen Liquiditätsreserven der Regierung, jedoch bewältigbar sein. In Lateinamerika sind die Wachstumsängste deutlich geringer ausgeprägt als in anderen Teilen der Emerging Markets, zumal hier die Nähe zu den USA für die wirtschaftliche Entwicklung deutlich entscheidender ist. Letztlich bleiben aber die Schwellenländer als Gesamtes die globalen Wachstumslokomotive und die nun immer häufigeren Zinssenkungen in den Schwellenländern unterstützen eine „sanfte Landung“. Das Wachstum in den Emerging Markets ist nach wie vor intakt, die Staatsfinanzen sind gesund, lediglich das Sentiment ist aufgrund der globalen Unsicherheiten leicht getrübt.
Japan verliert Schwung
Auch Japans Wirtschaftswachstum gerät nach einem kurzen Aufschwung, getrieben durch die Aufholeffekte nach dem schweren Erdbeben, wieder ins Stocken. Obwohl die Inlandsnachfrage immer noch recht robust erscheint, leiden die Exporte unter der starken Aufwertung des japanischen Yen. Als Sonderbelastung kommt die Flutkatastrophe in Thailand hinzu, wohin 5 % der japanischen Exporte gehen und woher mehrere japanische Unternehmen Zulieferteile beziehen. Die Unternehmensinvestitionen sind derzeit noch lebhaft. Es wird allerdings vermutet, dass diese abnehmen könnten, da gemäß der Dezember-Tankan-Umfrage die großen Industrieunternehmen ihre Pläne für Kapazitätsausweitungen kürzen. Nach einem moderaten Minuswachstum für 2011 als Folge der Katastrophe im Frühjahr scheint sich nun für 2012 auch nicht mehr als ein minimal positives Wachstum abzuzeichnen.
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