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Monte Cassino

Swaps von der Wall Street ruinieren Städte in Italien finanziell   Facebook be



29.12.2011
 

In der Schlacht um Monte Cassino im Zweiten Weltkrieg wurde die gleichnamige Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Jetzt müssen die 33.000 Einwohner wieder Trümmer beseitigen. Diesmal haben sie die Banker der Wall Street hinterlassen.

Sechs Jahrzehnte nachdem die Alliierten in einer der blutigsten Schlachten in Italien die deutschen Besatzer vertrieben haben, kann die Stadt nicht mehr für ihre Kinderkrippen zahlen und es fehlt an Mitteln, um Arme und Bedürftige zu unterstützen. Hintergrund sind nicht zuletzt ausufernde Kosten für Zins-Swaps, die der Stadt 2003 von Bear Stearns Cos. - der Wall-Street-Firma, die 2008 von JPMorgan Chase & Co. übernommen wurde - verkauft worden waren.

In Mailand stehen JPMorgan, Deutsche Bank AG, Depfa Bank Plc und die UBS AG vor Gericht. Den vier Banken wird vorgeworfen, die Stadt im Jahr 2005 ebenfalls dazu überredet zu haben, solche Zins-Kontrakte zu kaufen. Die Banken weisen jede Schuld von sich.

Um nicht unter noch höheren Kosten erdrückt zu werden, löste Cassino die Swaps 2009 vorzeitig auf. Dennoch musste die Stadt harte Sparmaßnahmen ergreifen, die Zahl ihrer Beamten von 450 auf etwa 250 reduzieren und wird Familien voraussichtlich bitten müssen, für die Kinderbetreuung mehrere Hundert Euro pro Monat zu bezahlen, erklärt Iris Volante, die Vorsitzende des Finanzausschusses der Stadtversammlung.

Ihrer Ansicht nach sollten die Banker, die damals die Transaktion eingefädelt haben, dafür jetzt mit ihrem Job bezahlen. Ebenso wie die Demonstranten von Occupy Wall Street fordern auch sie, dass das Finanzsystem komplett überholt wird, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

“Wir erwarten, dass zumindest einige Köpfe rollen”, sagt Volante im Interview mit Bloomberg News. “Wenn die Gesinnung dieser Leute so aussieht, dass sie andere betrügen, dann müssen die Regeln geändert werden, damit so etwas nicht wieder geschieht.”

Überall in Italien haben Städte Swaps von JPMorgan und anderen Banken gekauft, um angesichts schrumpfender Einnahmen und höherer Kosten die kurzfristigen Zinskosten zu reduzieren. Dafür nahmen sie das längerfristige Risiko steigender Zinsen in Kauf. Tatsächlich ging das ganze jedoch nach hinten los, denn etwa 300 Stadtverwaltungen von der Spitze des italienischen Stiefels bis zum Alpenrand verloren mit solchen Derivaten bis zum März insgesamt 912 Mill. Euro, wie aus Daten der italienischen Zentralbank hervorgeht.

Cassino selbst erstand einen Kontrakt im Volumen von 22 Mill. Euro von Bear Stearns. Dadurch wechselte die Stadt von ihrer vorherigen Festverzinsung ihrer Verbindlichkeiten hin zu einem variablen Zinssatz. Kurzfristig zahlte sich die Transaktion aus, da das Zinsniveau damals auf dem Rekordtief von einem Prozent lag. In den darauf folgenden Jahren stiegen die Zinsen jedoch drastisch und stürzten Cassino in Finanzierungsnöte.

“Die Banken haben diese Transaktionen ausgehandelt, ohne sich um das Wohl anderer zu kümmern, und haben dadurch viele Städte in finanzielle Nöte gestürzt”, sagt Carmelo Palombo, der dabei mitgeholfen hat, für Cassino die Einigung mit JPMorgan auszuhandeln. In dem unabhängig davon laufenden Strafprozess bemüht sich die Stadt um Entschädigungszahlungen.

Die variable Verzinsung der Schulden von Cassino richtete sich nach dem in US-Dollar festgelegten Londoner Interbankensatz Libor. Dieser befand sich im Juni 2003 auf dem damaligen Allzeittief von einem Prozent, erreichte bis Januar 2006 jedoch mehr als 4,6 Prozent, wie aus Daten der British Bankers’ Association hervorgeht. Im September 2007 ging es dann sogar bis auf 5,7 Prozent nach oben, nachdem die Kreditmärkte einfroren. Zinssenkungen ließen den Libor dann bis Dezember 2009 auf das neue Rekordtief von 0,25 Prozent fallen.

Bereits ab der dritten alle sechs Monate fälligen Zahlung begann Cassino, Geld zu verlieren. Etwa zwei Mill. Euro musste die Stadt zahlen, wie aus Polizeiunterlagen hervorgeht. Dadurch wurden Mittel aufgebraucht, die eigentlich für sanitäre Einrichtungen und Straßenarbeiten eingeplant waren. Bear Stearns hatte die Transaktion damals als vorteilhaft für die Stadt bezeichnet, sagt Volante.

Zwar hat Cassino die ausufernden Kosten für den Zins- Kontrakt mittlerweile unter Kontrolle gebracht, die Fehlkalkulation werde dennoch bleibende Folgen haben, sagt Giuseppe Lauro, ein früherer Manager beim Stromversorger Enel SpA, der sich nun bei der italienischen Caritas in Cassino engagiert. Die schrumpfende Wirtschaft der Stadt und die Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben lasse die Zahl der Armen in der Stadt anwachsen, sagt er.

Kommunalverwaltungen in Deutschland und den USA haben ebenfalls JPMorgan und andere Banken in Zusammenhang mit Derivat-Kontrakten verklagt. Vor etwa einem Jahr verklagte die süddeutsche Stadt Pforzheim JPMorgan wegen Verlusten in Höhe von 56 Mill. Euro in Zusammenhang mit Zins-Swaps. Eine Anhörung vor dem Gericht in Frankfurt ist für den 16. Januar vorgesehen.

(Bloomberg)


 
 

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