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"Das System kann sich nicht mehr selbst stabilisieren"   Facebook be



24.11.2011
 

Die deutsche Fondsgesellschaft DWS warnt in der europäischen Schuldenkrise eindringlich vor einem Zusammenbruch des Staatsanleihen-Marktes. "Seit dieser Woche wissen wir: Das System kann sich nicht mehr selbst stabilisieren", sagte der Chef-Anlagestratege (CIO) der Deutsche-Bank-Tochter, Asoka Wöhrmann. Er nahm damit Bezug auf die überraschend schwache Nachfrage nach neuen zehnjährigen Bundesanleihen am Vortag, um die sich die Anleger in den vergangenen Monaten wegen des Bonitätssiegels "AAA" noch gerissen hatten.

Dass viele Investoren zum Jahresende ihre Bücher zumachten, sei keine Entschuldigung für die verpatzte Emission. Vielmehr erhöhe der Markt den Druck auf die Politik, eine nachhaltige Lösung für die Schuldenkrise zu finden, warnte Wöhrmann.

"Die Dynamik überholt uns. Wenn wir länger warten, gibt es nicht nur einen Jahresend-Shutdown bei Staatsanleihen, sondern einen Shutdown für die kommenden Monate." Nach Wöhrmanns Worten müssen sich die Staaten ernsthaft fragen, von wem sie künftig noch Geld bekommen. Nicht nur die Banken gingen in einen Käuferstreik über, auch Vermögensverwalter und Versicherer zögen sich mehr und mehr zurück. Die Anlageklasse sei einfach nicht mehr risikofrei: "Selbst Italien ist ja schon toxisch", betonte Wöhrmann, der auch Mitglied der DWS-Geschäftsführung ist.

Die DWS selbst hat Bundesanleihen in ihren Portfolios zwar immer noch übergewichtet, wie Fondsmanager Stefan Kreuzkamp sagte, der das Europageschäft mit festverzinslichen Anleihen verantwortet. Das geschehe allerdings eher aus Mangel an Alternativen. "Es muss jetzt schnell eine Lösung her, jeden Tag nimmt der Stress im System zu." Erst wenn sich ein tragfähiger Ausweg aus der Schuldenmisere abzeichne, werde er wieder in die Peripheriestaaten umschichten. Das könne dann aber sehr schnell gehen, um Renditen mitzunehmen.

Mit einem verwalteten Vermögen von 130 Mrd. Euro allein in Deutschland ist die DWS Marktführerin im Publikumsfondsgeschäft hierzulande, in Europa zählt sie mit zu den grössten Spielern. Der europäischen Politik rät CIO Wöhrmann, die Europäische Zentralbank (EZB) nicht als dauerhaften Risikomanager zu missbrauchen, sondern - wie von Deutschland propagiert - eine Fiskalunion mit strikter Haushaltsdisziplin anzustreben. Die EZB könne mit ihren Staatsanleihe-Käufen eine "Brückenfunktion" übernehmen, aber mehr nicht. "Man muss wissen, wo man hinläuft." Euro-Bonds zum jetzigen Zeitpunkt seien das falsche Mittel, denn sie "verkleisterten" die Probleme in den Schuldenstaaten.

(APA/Reuters)


 
 

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