Nicht nur Gold, das als Währungsreserve eine unbestreitbare monetäre Rolle spielt, auch Silber ist seit vielen Jahren Gegenstand staatlicher Marktmanipulationen. Diese Ansicht vertritt der Analyst Dimitri Speck. Der Deutsche hat Abermillionen minütliche Preise durch eine selbst entwickelte Software laufen lassen und kommt zum Schluss: Am Future-Markt für Silber kommt es immer wieder zu blitzartigen Preiseinbrüchen, die von Kräften verursacht werden, die ein anderes Interesse haben als möglichst gut zu verkaufen.
Speck erweitert damit seine Analysearbeit, die er vor zwei Jahren in seinem Buch "Geheime Goldpolitik" begonnen hat. Basierend auf einer quantitativen Analyse der Preismuster verlegt er den Beginn der zeitgenössischen staatlichen Manipulation der Goldpreise auf den 5. August 1993. Diese Analyse wiederholte er jetzt mit Silber und wurde auch da fündig: "Es gibt statistisch belegbare Eingriffe in den Silbermarkt, die aber nach anderen Mustern verlaufen als bei Gold. Es ist eine eigenständige Intervention."
Ziel der Eingriffe sei es, durch das Erzeugen von plötzlichen Preisseinbrüchen Investoren/Spekulanten, die auf einen Preisanstieg setzten, zu vertreiben. "Für solche 'Kursschocks' ist kein physisches Material nötig", sagte Speck. Solange kein tatsächliches Silber die Hände wechsle, könne das Spiel unbeschränkt weitergehen. Die Sache funktioniere freilich nur mit Anlage-, nicht aber mit Verbrauchsgütern wie Öl.
Dass staatliche Organe oder Zentralbanken für einzelne Eingriffe verantwortlich seien, könne er im rechtlichen Sinn nicht beweisen, räumt der Manager beim baltischen Vermögensverwalter Staedel Hanseatic ein. Es seien inzwischen aber viele öffentlich zugängliche Äusserungen von Notenbankern dokumentiert, die belegten, dass nicht nur bei Zinsen und Währungen, sondern auch bei Edelmetallen eingegriffen werde. Die Motive lägen auf der Hand: Management der Inflationserwartungen, Niedrighalten des Zinsniveaus und die Stärkung des Vertrauens in das Finanzsystem.
"Gold und Silber sind eben politische und monetäre Metalle. Das war schon immer so und das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben", sagt Speck. Das bedeute aber nicht, dass den Manipulation keine Grenzen gesetzt seien: "Seit 2001 müssen sich die Zentralbanken damit bescheiden, den Anstieg des Goldpreises nur zu verlangsamen."
apa






