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Bankenlandschaft in Österreich vor Neuordnung   Facebook be



01.09.2009
 
Banken dürfen nicht mehr zu groß sein

Am Ende der Finanzkrise wird auch in Österreich eine Neuordnung der Bankenszene stehen. Davon gehen die Experten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) mittlerweile aus. "Ich bin überzeugt, in fünf Jahren wird Österreichs Bankenlandschaft nicht so aussehen wie sie heute aussieht", sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Montagabend vor Journalisten in Alpbach.

Österreich sei "overbanked", und Notowny glaubt, dass hier eine Restrukturierung erfolgen solle. Es sei nicht das Ziel, jede Bank in dieser Struktur zu erhalten. Das Land werde mit weniger Banken genauso funktionieren. Welche Banken verkauft bzw. fusioniert werden könnten, sagte Nowotny nicht, sieht seine Äusserungen in Richtung der Branche aber als deutlich genug an. Als einer der ersten grösseren Kandidaten für einen abermaligen Verkauf gilt in der Branche die angeschlagene Kärntner Hypo Group Alpe Adria, bisher mehrheitlich im Eigentum der Bayerischen Landesbank.

"Man weiss eher, wer abgebender Part sein wird, nicht aber wer aufnehmender Teil wäre", so Nowotny. Dass Wettbewerbsgründe einer Konsolidierung in Österreich im Weg stehen könnten, wird von den Notenbankern bedauert. Nach Nowotnys Ansicht sollten die EU-Behörden nicht auf den nationalen, sondern auf den europäischen Markt abstellen.

Banken sollen künftig nicht mehr zu gross sein, um allein dadurch vor dem Umfallen bewahrt zu sein. "Too big to fail" bedeutet bisher implizite Staatsgarantien, so Nowotny. Das Prinzip müsse durch eine "abgestufte Staatsgarantie" ersetzt werden. Von Bankenriesen gingen höhere Risiken für das Gesamtsystem aus. Grössenbeschränkungen oder Zerschlagungen würden international diskutiert, von Nowotny aber nicht goutiert. Ein praktikabler Ansatz wäre in den Augen der OeNB, dass die Eigenkapitalunterlegung mit der Grösse (Bilanzsumme) des Instituts zunimmt. Damit würde das Bankgeschäft mit Umfang der Bank und ihrer Risiken teurer.

"Aus heutiger Sicht" benötigten die heimischen Grossbanken keinen Nachschlag an staatlichem Eigenkapital, meint OeNB-Direktor Andreas Ittner. Wirklich wissen wird man dies erst gegen Ende des dritten Quartals oder gar erst im ersten Quartal 2010. Für das zweite Halbjahr 2009 wird mit weiter steigenden Kredit-Wertberichtigungen gerechnet. Relevante Zuwächse bei der Kreditvergabe an Private hat es heuer nicht mehr gegeben, das Kreditwachstum ist viel schwächer geworden. Bereinigt lag das Kreditwachstum insgesamt im Juni bei 3,1 Prozent und so rund 2,4 Prozentpunkte unter Vorjahr. Privatkredite legten nur um 0,7 Prozent zu. Selbst wenn derzeit Banken die mit der Staatshilfe verbundene Pflicht zur zusätzlichen Kreditvergabe nicht erfüllten sollten, sei diese Auflage als "Orientierung" völlig richtig gewesen, so die OeNB-Spitze.

Nach den aktuellen Stresstests würde die Kapitalsituation den Anforderungen Stand halten und über den regulatorischen Limits liegen. Freilich sei eine übergrosse Eigenkapitalausstattung der heimischen Banken heute Geschichte. Es sei kein Geheimnis, dass die österreichischen Banken mit ihren Eigenkapitalquoten "eher nicht zum Spitzenfeld der europäischen Banken zählen", sagte Ittner.

Aktuell sind die heimischen Banken (inklusive Bank Austria und Hypo Alpe Adria) mit 287 Mrd. Euro Krediten in Ost- und Südosteuropa engagiert. Das bedeutet einen leichten Rückgang in den letzten sechs Monaten, der laut OeNB an Wechselkurseffekten lag. Die Banken seien nicht aus der Region rausgegangen. Im Gesamt-Auslandsengagement lägen die heimischen Banken im europäischen Mittelfeld. Nowotny: "Lieber bin ich bei Immobilien in Tschechien exponiert als bei Immobilien in Spanien". (apa)


 
 

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