Wer in den letzten Monaten noch auf Seltene Erden gesetzt hat, hat herbe Verluste eingefahren. Begonnen hat der Hype mit dem Bekanntwerden der Exportrestriktionen Chinas bei Seltenen Erden im letzten Jahr, was insoferne für die Wirtschaft unerfreulich ist, weil China 97% der Seltenen Erden produziert und viele HiTech-Produkte ohne Selten Erden nicht auskommen. Die Seltenen Erden-Förderungen im Westen wurden geschlossen, weil sie sich bei den tiefen Preisen bis vor einigen Jahren nicht mehr rentierte und zudem massive Umweltschäden auftreten, denn der Abbau und die Gewinnung Seltener Erden ist eines der schmutzigsten Geschäfte im ganzen Bergbau. Dadurch entstand auch die künstliche Knappheit, denn an sich sind die Seltenen Erden nicht sonderlich selten und zur Genüge in der Erdkruste vorhanden.
Seit Mitte 2011 fährt der Zug nach Süden
Ein interessanter Indikator ist der Kurs der kanadischen Dacha Strategic Metals, die nichts anderes als ein Seltener Erde-Fonds in Form einer AG ist. Der Kurs dieser Aktie, die inzwischen auch in Frankfurt gehandelt wird, ist im September um ein Drittel eingebrochen.
Ein weiterer interessanter Indikator, dass der Seltene Erden-Markt völlig überzogen ist, ist die Flut an Seltenen Erde-Papieren, mit denen die Emittenten am Hype profitieren wollen, denn für den Anleger bilden diese Papiere alles andere, nur nicht die Preisentwicklung Seltener Erden ab. Meist besteht die Hälfte des Portfolios aus den beiden westlichen Seltene Erden-Hoffnungswerten Molycorp und Lynas Corp, denen eine große Rolle im künftigen Abbau Seltener Erden außerhalb Chinas zugeschrieben wird. Der Preis der Aktien dieser zwei Hoffnungswerte hängt aber von allem Möglichem ab, und nicht nur vom Preis Seltener Erden. Der Kurs von Molycorp war im letzten Quartal desaströs und hat sich glatt halbiert. Aufgrund ähnlicher Kursentwicklung machte auch Lynas Corp. wenig Freude (alle drei genannten Aktien findet man zB bei comdirect.de). Auch wenn man sich andere Aktien ansieht, die die Wortfolge „rare earths“ oder „rare metals“ im Namen tragen, kommt dem Anleger das gelinde Grauen. Der Stoxx Global Rare Earths Index verlor entsprechend auch rund die Hälfte, ähnlich der Solactive Rare Earth Index (http://www.structured-solutions.de/ ).Seltene Erden-ETFs gibt es schon länger (zB auf den oben genannten Solactive Index), Börseexpress stellte bereits welche vor. Nur in Europa zugelassene machten sich bis vor kurzem rar, was aber einen fortgeschrittenen Anleger nicht zu stören brauchte, da man auch die außereuropäischen ETFs erwerben kann. Einen in Europa zugelassenen ETF emittierte Anfang November die UBS (der fälschlicherweise in vielen Medien als erster Seltene Erden ETF tituliert wurde, wobei er weder den Preis Seltener Erden abbildet, noch der erste ETF auf diese Branche ist). Aber wie gesagt, jeder der in diese Art Papiere nach Ende 2010 einstieg, sitzt auf heftigen Verlusten!
China setzt Produktion aus
Der in den letzten Monaten eingetretene Preisverfall kommt auch China ungelegen. Um den Markt zu stabilisieren, setzte Chinas größter Produzent am 19. Oktober die Förderung für ein Monat aus. Der Markt soll zudem durch die Stilllegung illegaler chinesischer Förderunternehmen bereinigt werden.
Analysten sind uneins
Diverse Analysten halten inzwischen die Preise der Seltenen Erde-Unternehmen für eine gute Einstiegsmöglichkeit, andere sehen dagegen noch einen langen Weg nach unten. Der Boden soll diesen zufolge erst dann erreicht sein, wenn die Preise wieder auf dem Niveau sind, wo sie vor der Bekanntgabe der Exportrestriktionen durch China lagen. SAM (Sustainable Asset Management)-Analyst Churet prognostiziert gar, dass sich erst ab 2016 der Markt auf tiefem Niveau normalisiert und die Preise der Metalle um weitere 70% fallen (http://www.cash.ch/ Marktkenner Dietmar Siebholz hält allerdings von diesen Analystenmeinungen auch nicht gerade viel. Die Betrachtungsweisen sind seiner Meinung viel zu pauschal, man müsse die Metalle im einzelnen betrachten, da bei ihnen sehr unterschiedliche Preisentwicklungen wahrscheinlich seien. Daher bieten Unternehmen, die einen physischen Erwerb Seltener Erden ermöglichen, auch eine entsprechende Beratung an, damit der Anleger nicht irgendwelche Metalle erwirbt, die tatsächlich wenig Potential aufweisen. Wer wirklich auf Seltene Erden setzt, sollte dies auch tun, und nicht stattdessen mittels ETFs oder Zertifikate irgendwelche Unternehmen im Dunstkreis Seltener Erden zusammenkaufen, deren Preisentwicklung von den Seltenen Erden völlig losgekoppelt sein kann. Von den paar hundert Seltene Erden-Unternehmen, die inzwischen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, werden nur wenige - in der Realität angekommen - auch Bestand haben und jemals soweit gelangen, Seltene Erden in kommerziellem Maßstab zu fördern. Ob daher nicht etliche in Seltene Erden-ETFs oder Baskets enthaltene Unternehmen allzu bald das Zeitliche segnen, ist die Frage.
Seltene Erden im Überfluss
Einem Irrtum sollte der Anleger aber nicht unterliegen: Ausgehen werden die Seltenen Erden mit Sicherheit nicht. Nicht nur übertreffen die bisher bekannten Reserven den aktuellen jährlichen Verbrauch von rund 120.000 Tonnen um den Faktor Tausend, sondern wurden nun auch noch am Boden des Pazifiks Vorkommen festgestellt, die die bisherigen Vorkommen nochmals um den Faktor 1000 übertreffen, es sollen gewaltige 100 Mrd. Tonnen sein (http://www.zeit.de/ ). Die Wirtschaftlichkeit der Förderung aus dem Pazifik muss allerdings erst analysiert werden.
(cr)






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