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Angst vor Kreditkarten-Blase. Schluss für Wucherzinsen.   Facebook be



11.05.2009
 
Kreditkarten-Schulden könnten Ausfälle von 82 Mrd. Dollar bringen - Obama will Wucherzinsen verbieten

Das weltweit gefürchtete Schreckgespenst fauler US-Kreditkartenschulden geht wieder um: Der staatliche "Stress-Test" für die größten US-Banken deckte die enormen schlummernden Risiken bei dem Plastikgeld auf. Mit der rasant steigenden Arbeitslosigkeit können immer mehr Amerikaner ihre überfälligen Rechnungen nicht mehr bezahlen. Der Finanzwelt drohen neue Schockwellen.

Noch dazu sitzt den Kartenanbietern US-Präsident Barack Obama im Nacken: Im Eiltempo will er Wucherzinsen von teils bis zu 30 Prozent und andere Auswüchse verbieten. Was schuldengeplagten US-Bürgern etwas Luft verschaffen soll, könnte für die Finanzkonzerne Experten zufolge zusätzliche Milliardenlöcher bedeuten - und damit eine neue Runde in der Abwärtsspirale.

Von "Entwarnung" und "vorsichtiger Zuversicht" war nach den Ende vergangene Woche veröffentlichten Ergebnissen der US-Belastungstests für die Bankenbranche vielfach die Rede. Auch die Börsen reagierten positiv. Doch seither tauchen immer neue Zweifel auf. Die Regierung habe sich von den Banken um Milliardensummen auf geschönte Resultate herunterhandeln lassen, berichtete das "Wall Street Journal".

Und ein genauer Blick in die Tests offenbart obendrein: Allein bei Kreditkartenschulden könnten den 19 größten US-Banken bis Ende 2010 Ausfälle von bis zu 82,4 Mrd. Dollar (60,7 Mrd. Euro) drohen. Führende Anbieter wie American Express, Bank of America und J.P. Morgan Chase müssten im Extremfall mit bis zu 20 Prozent faulen Krediten rechnen.

Manche Experten halten das von der US-Notenbank Fed angesetzte Szenario dabei noch nicht einmal für den schlimmsten Fall. Mögliche Verluste von bis zu 141,5 Mrd. Dollar habe das Beratungshaus Oliver Wyman errechnet, so die "New York Times" am Montag. Für die gesamte Branche könnten es demnach sogar 186 Mrd. Dollar sein.

Der Grund: Die Arbeitslosenrate könnte leicht über die von der Fed angenommenen rund zehn Prozent steigen. Zudem hätten die Banken einen Gutteil des Kartenrisikos außerhalb ihrer Bilanzen in Wertpapiere verpackt und weitergereicht. Genau eine solche Praxis aber sorgte bei Hauskrediten für die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise.

Amerikaner lieben ihre Kreditkarten und hassen sie zugleich. Jeder hat mehrere davon - und stöhnt über teils horrende Zinsen. Bis zur Krise zahlten Amerikaner fast alles per Karte, tilgten am Monatsende allenfalls einen Bruchteil und türmten gigantische Schuldenberge auf. Jeder US-Haushalt steht laut den Experten von Moody's rechnerisch mit 8.400 Dollar an Schulden auf vor allem Kreditkarten in der Kreide. Hausdarlehen und andere Kredite gar nicht mitgerechnet.

Die Immobilienkrise mit abgestürzten Häuserpreisen versperrte US-Bürgern einen früher beliebten Fluchtweg: Wenn die Karte vor Schulden überquoll, nahmen sie einfach eine weitere Hypothek aufs Haus auf. Das ist vorbei. Auch das beliebte "Kreditkarten-Hopping" von einer auf die nächste Karte geht kaum mehr. Nach Jahren blinder Gier schauen angesichts der Milliardenrisiken nun selbst US-Banken bei der Ausgabe des Plastikgelds etwas genauer hin.

Doch auch weniger Kartenkredite sind - neben unbezahlten Schulden - für die USA ein Problem: Amerikas Wirtschaft lebt vom Konsum. Wenn die Verbraucher noch weniger kaufen als in der Krise ohnehin, dann zieht sich die Konjunkturerholung noch länger hin.

Obama macht deshalb dem US-Senat bei den diese Woche anstehenden Beratungen zum Gesetz gegen extreme Praktiken der Branche gehörig Druck. Binnen 14 Tagen wolle er das Gesetz unterzeichnen, ließ er gerade wissen. Eine bereits beschlossene Verschärfung ab Sommer 2010 kommt ihm zu spät. "Der Missbrauch in der Kreditkarten-Branche hat auf dem Höhepunkt der Rezession nur noch zugenommen - gerade dann wenn die Amerikaner zusätzliche Lasten am wenigsten gebrauchen können", wetterte er am Wochenende per Radioansprache. (Von Roland Freund/dpa)


 
 

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