Banken mit Casino-Mentalität treiben die Wirtschaftskrise an, nicht Institute, die im klassischen Bankgeschäft ihr Geld verdienen, waren sich fünf Herren am Sonntagabend bei einer Diskussion in der ORF-Sendung "Im Zentrum" einig. Finanzinstitute, die nahe an der Realwirtschaft ihre Geschäfte machen, verdienen zwar nicht so viel, das aber nachhaltig.
Allerdings ist es nicht so einfach, ein gutes und solides Haus zu erkennen: Vor drei Monaten ist die belgisch-französische Bank Dexia als zwölftbeste Bank von 91 getesteten Häusern durch den Stresstest gekommen, nun muss sie aufgefangen werden. Dabei hat sie viel Eigenkapital, gab der Bankenexperte und frühere Investkredit-Vorstand Wilfried Stadler zu bedenken.
Auch in Österreich ist nicht alles eitel Wonne. Raiffeisenlandesbank-Oberösterreich Chef Ludwig Scharinger verweist zwar auf die gute Zusammenarbeit unter Österreichs Banken, im allgemeinen würde er seinen Kollegen Geld kurz- und langfristig anvertrauen, "aber zwei Banken würde ich derzeit Geld nicht borgen" räumt er ein. In Österreich kenne man einander eben.
Scharinger erntete für sein Haus Lob vom früheren SPÖ-Finanzminister und aktuellen Chef der Fimbag, Hannes Androsch. "Ihre Bank ist noch eine Bank und nicht eine Casino-Veranstaltung wie internationale Bankhäuser. Wir brauchen also wieder ein Bankwesen, das so funktioniert wie Ihre Bank". Die Politik habe seit Ausbruch der Krise 2008 "zu viel Zeit verloren", man sei "in politischen Aktionismus geflüchtet statt Entscheidungen zu treffen".
Auch der Globalisierungskritiker Franz Josef Rademacher sieht die internationalen Grossbanken in der Pflicht: Die Internationale Regulierung und Gesetzgebung habe ihnen erlaubt "uns alle auszuplündern und darauf nicht einmal Steuern zu zahlen". Institute wie die Raiffeisenbanken haben nur eine Rendite wie in der "Realökonomie", aber "Bonanzabanken haben die fünffache Rendite und zahlen keine Steuern".
Der Bankenexperte Wolfgang Gerke sieht die Rolle von Finanzinstituten grundsätzlich positiver: Sie seien nötig und müssten auch Risiken eingehen. Allerdings müssten sie diese auch selber bewältigen können. "Wir müssen nur lernen, dass eine Bank nicht automatisch besser ist, wegen einer besseren Rendite. Eine Volksbank kann nach Risikobereinigung besser sein als eine Investmentbank".
Die Finanztransaktionssteuer wird wohl kommen, erwartet Scharinger. Wenn sie in ganz Europa gemeinsam eingeführt wird, wäre er auch dafür. Aber es müssten alle spekulativen Geschäfte eingeschlossen sein. Auch Stadler sieht die Abgabe als gutes Disziplinierungsinstrument, Rademacher ist ohnehin "mehr als einverstanden". Androsch allerdings warnt davor, dass "wir dafür zahlen", wie bei der Mehrwertsteuer im Supermarkt. Die Steuer sei eine Selbsttäuschung. Und Gerke fürchtet, dass das Geld bei jenen landet, die damit nicht gut umgehen können.
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