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Entscheidung

Ben Bernanke bleibt Chef der US-Notenbank   Facebook be



25.08.2009
 
Ankündigung Obamas am Nachmittag erwartet

Ben Bernanke bleibt für weitere vier Jahre Chef der US-Notenbank. Präsident Barack Obama werde den 55-jährigen Wirtschaftsprofessor noch am Dienstag für eine zweite Amtszeit nominieren, hiess es in der Nacht zum Dienstag aus hochrangigen Kreisen der US-Regierung. Eine erneute Berufung Bernankes hatte zuletzt als unsicher gegolten.

Obama werde seinen Urlaub unterbrechen und um 15 Uhr (MESZ) seine Entscheidung verkünden, sagte ein Mitarbeiter des Weissen Hauses in Washington. Er werde dabei Bernankes Verdienste bei der Bewältigung der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten herausstellen. In dem für die Verkündung vorbereiteten Redetext lobt Obama Bernankes Strategie zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise. Bernanke habe sich mit "Ruhe und Weisheit, mit mutiger Tatkraft und ungewöhnlichen Ideen" der Krise entgegen gestellt und so den freien Fall der Wirtschaft gebremst. Obama betone, dass es zu den getroffenen Massnahmen zur Stabilisierung des Finanz- und Kreditsystems, zur Restrukturierung der Autoindustrie und zur Ankurbelung der Wirtschaft keine Alternative gegeben habe: "Alle diese Schritte haben unsere Wirtschaft vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt. Alle diese Schritte funktionieren."

Bernankes musste zuletzt um seine Wiederernennung fürchten. Grund war seine umstrittene Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America. Auch seine Rolle bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ist nicht völlig unumstritten: Kritiker werfen ihm vor, er habe sie nicht verhindert, obwohl die weltweiten Schockwellen absehbar gewesen seien. Es hatten sich zudem zuletzt Stimmen gemehrt, wonach Obama seinem Wirtschaftsberater Lawrence Summers den wichtigen Posten an der Spitze der Notenbank übertragen könnte. Bernanke war noch von Obamas Vorgänger George W. Bush ernannt worden. Seine Amtszeit endet Ende Jänner 2010.

Eine Wiederernennung muss vom Senat bestätigt werden. Der demokratische Vorsitzende des Bankenausschusses, Christopher Dodd, erklärte nach Bekanntwerden der abermaligen Nominierung Bernankes: "Obwohl ich in den vergangenen Jahren einige ernste Differenzen mit der Federal Reserve gehabt habe, denke ich, dass eine Wiederernennung von Ben Bernanke wahrscheinlich die richtige Wahl ist." Die Demokraten verfügen im Senat über die Mehrheit der Stimmen.

Bernanke hat von Zentralbankern und Ökonomen in aller Welt viel Lob für sein Krisenmanagement in den vergangenen Monaten bekommen. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und andere bekannte Experten hatten sich zuletzt vehement für eine zweite Amtszeit des Fed-Chefs stark gemacht. Bernanke gilt als einer der besten Kenner der Geldpolitik der Fed während der Krise der 30er Jahre. Damals führten eklatante Fehler von Notenbank und Regierung dazu, dass die USA jahrelang wirtschaftlich nicht wieder auf die Beine kamen.

Bernanke hatte 2006 das schwere Erbe seines legendären Vorgängers Alan Greenspan angetreten. Dessen Mythos verblasst mittlerweile allerdings immer mehr, weil seine Politik des billigen Geldes in den vergangenen Jahren als eine der Hauptursachen für die gegenwärtige Krise gilt, die aus einer Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt entstand. Im Kampf gegen die Krise senkte Bernanke in beispielloser Weise den Leitzins auf null Prozent. Zudem versorgt die Fed die US-Wirtschaft und das Bankensystem mit Liquidität in ungeheurem Ausmass - ihre Bilanz ist inzwischen auf mehr als zwei Billionen Dollar angewachsen, weil sie unter anderem Staatsanleihen und andere Papiere am Markt aufkauft.

An den Finanzmärkten wird Bernanke zugetraut, dass er diese Krisenpolitik in den kommenden Jahren Schritt für Schritt wieder zurückführen kann, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Dabei wird es darauf ankommen, das bereitgestellte Geld genau zum richtigen Zeitpunkt wieder einzusammeln, damit keine Inflation entsteht. Wegen des ausufernden Staatsdefizits könnte die Fed dabei unter den politischen Druck geraten, eine etwas höhere Teuerungsrate zuzulassen um den Schuldendienst des Staates zu erleichtern. (apa)


 
 

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