Mit derzeit etwas über 1800 US-Dollar je Feinunze ist Platin aufgrund knapper Vorkommen und relativ aufwändiger Fördermethoden gleich teuer wie das edle Metall Gold. Gut also, dass es eine „kleine Schwester“ hat: Palladium.
Chemische Ähnlichkeiten und ein wesentlich günstigerer Preis ermöglichen die Substitution des einen Edelmetalls durch das andere. Das silbrig glänzende Palladium wurde 1803 vom englischen Arzt und Chemiker William Hyde Wollaston entdeckt. Auch wenn es häufiger als Gold und Platin vorkommt, ist Palladium stets sehr selten. Es wird vorwiegend als Nebenprodukt der Platin-, Nickel- und Kupferproduktion gewonnen, wobei Russland als weltgrösstes Förderungsgebiet für ungefähr 50% der globalen Produktion verantwortlich ist und die internationale Angebotsseite somit erheblich dominiert.
Da Edelmetallanleger während der Rezession der letzten Jahre vor allem Gold oder Silber präferierten, erlitt Palladium Ende 2008 starke Kurseinbrüche. Besonders die Krise der Automobilindustrie wirkte sich negativ auf den Preis aus, denn wie bei Platin werden auch hier ungefähr 60% der Gesamtproduktion in der Automobilbranche verwendet, z.B. als Katalysatoren. Mit einem Minus von rund elf Prozent legte Palladium im laufenden Jahr die schlechteste Performance unter den Edelmetallen hin. Grund dafür war die Katastrophe in Japan, in deren Folge viele japanische Autobauer ihre Werke schliessen mussten und weniger Autokatalysatoren nachgefragt wurden. Mit wenigen Aussichten auf einen steigenden PKW-Absatz wird es für Palladium schwierig sein, von seinem derzeitigen Niveau - knapp über 700 US-Dollar - wieder aufwärts zu tendieren.
Weitere Anwendungen
Feinverteilt ist Palladium ein exzellenter Katalysator zur Beschleunigung chemischer Reaktionen. Weiters verwendet wird es u. a. für Schmuck und Uhren und für Feinstfolien, weil es bis zu 0,01 µm dünnen Folien ausgewalzt werden kann. „Technisch“ dient es als Kontaktwerkstoff für Relais, als Zahnersatz, für medizinische Instrumente, in der Nanotechnologie oder auch für Pd/Ni-Legierungen als Goldersatz in der Elektroindustrie (galvanische Beschichtung von Kontakten). (cg)
*) Mehrteilige Serie "Rohstoffe" in Zusammenarbeit mit Société Générale
Morgen im Börse Express: Aluminium






