Die norwegische Krone wird nach Ansicht der Deutschen Bank künftig weiter an Wert gewinnen. Nach der Festsetzung eines Euro-Kursziels durch die Schweizerische Nationalbank seien Anleger im gegenwärtig unsicheren Konjunkturumfeld “verzweifelt” auf der Suche nach Währungen, die als sicherer Hafen taugen und nicht überbewertet scheinen.
Am Dienstag hatte die SNB angekündigt, kein stärkeres Franken-Niveau als 1,20 je Euro mehr zu tolerieren und zur Schwächung der Landeswährung Devisen zu kaufen. Seither hat Norwegens Krone bis zu 2,3 Prozent zum Euro zugelegt. Gegenüber dem Schweizer Franken kletterte die norwegische Devise sogar um 10,2 Prozent.
Gegenüber Euro, Dollar und Yen hat sich der Franken stärker entwickelt als alle anderen grossen Weltwährungen, seit die Herabstufung der USA am 5. August zu einer Verkaufswelle an den internationalen Finanzmärkten gesorgt hat. Die Schweizerische Nationalbank hat angekündigt, ihr Kursziel gegenüber dem Euro “mit aller Konsequenz” durchzusetzen. Sie zeigte sich bereit, zu diesem Zweck unbeschränkt Devisen zu kaufen. Damit schwand für internationale Anleger die Motivation, den Schweizer Franken als sicheren Hafen zu nutzen, da nun mit einer Parallelentwicklung zum Euro zu rechnen ist. Die Bemühungen der Schweiz, die Tür zur Franken-Aufwertung zu schliessen, zwinge Investoren, sich andernorts umzusehen, sagte Stratege Henrik Gullberg von der Deutschen Bank. Die norwegische Krone werde eine der Währungen sein, die das vom Schweizer Franken hinterlassene Vakuum ausfüllen. “Es gibt einen verzweifelten Bedarf an sicheren Häfen und die Krone ist ein offensichtlicher Kandidat dafür”, sagte Gullberg am Mittwoch in einem Telefoninterview. “Die Krone ist nicht erheblich überbewertet. Dies ist ein weiterer attraktiver Faktor.” Norwegen verfügte vergangenes Jahr über einen Haushaltsüberschuss in Höhe von 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein so solides Budget gibt es in keinem anderen Land mit der Spitzen-Bonitätsnote “AAA”.
Die Arbeitslosigkeit in Norwegen ist die niedrigste in Europa. Dank seiner Ölförderung blieb das Land gegenüber der globalen Finanzkrise relativ immun. Die Einnahmen aus der Öl-und Gasindustrie fliessen in Norwegens 540 Mrd. Dollar schweren Ölfonds. Er sorgt dafür, dass Anleger bei dem Staat im globalen Vergleich das niedrigste Risiko eines Zahlungsausfalls sehen. Die Zentralbank in Oslo warnte am Mittwoch, gegebenenfalls gegen eine überzogene Stärke der Krone vorzugehen. “Eine zu starke Krone kann im Laufe der Zeit zu Inflation führen und das Wachstum schwächen”, sagte Notenbankgouverneur Oeystein Olsen in einer Rede an der Universität Oslo. “In diesem Fall werden geldpolitische Massnahmen ergriffen. In Norwegen ist dabei der Leitzins das relevante Instrument.”
Eine direkte Ankündigung von Interventionen wie in Japan und der Schweiz gab es in Norwegen indessen nicht. Dazu hätte die Notenbank auch weniger Grund, da die Währung nicht über ihren fairen Wert hinaus gestiegen sei, sagte Gullberg. Norwegens Finanzminister Sigbjoern Johnsen erklärte auf Anfrage von Bloomberg News: “Wir müssen auf Schwankungen beim Kurs der Krone vorbereitet sein”, so der Minister. Das Umfeld an den Finanzmärkten sei “volatil”. Die Krone hat das höchste Kursniveau seit Februar 2003 erreicht. Die Danske Bank A/S aus Kopenhagen sieht die norwegische Krone unter den Währungen in Skandinavien als “offensichtliche Wahl”, was sichere Häfen angehe. Beim Kurs zum Euro sei ein Fall deutlich unter die Marke von 7,50 Kronen wahrscheinlich, hiess es am Mittwoch in einem Bericht der Analysten Kasper Kirkegaard und Christin Kyrme Tuxen. “Um dem Strom entgegenzuwirken, wird die Norges Bank aus unserer Sicht erst einmal wohl nichts tun, was über verbale Interventionen hinausgeht”, hiess es in der Analyse. “Tatsächliche Interventionen hat es seit 1999 nicht gegeben. Und wenn es hart auf hart kommt, wird das erste Mittel der Wahl in Zinssenkungen bestehen.”
Am 10. August nahm die Notenbank in Oslo von einer geplanten Leitzinserhöhung Abstand. Als sie ihren Leitzins bei 2,25 Prozent beliess, verwies sie auf wieder aufkommende Verwerfungen an den globalen Märkten und einen schwächeren Ausblick für die Konjunkturerholung.






