Der Börse Express kürte in den Jahren 2006/2007 „Zertifikate des Monats“ (bevor es die Zertifikate Awards Austria gab). Damals stand der ATX bei „um die 4000 Punkte“ und auch die intl. Leitindizes notierten deutlich höher. Gemeinsam mit Andreas Dolezal von Die Manufaktur sehen wir uns im August die historischen „Zertifikate des Monats“ aus dieser Phase an. Deren Performance muss natürlich immer vor dem Hintergrund der „Krise“ betrachtet werden, die verschiedenen Mechanismen der Zertifikate zeigen sich gerade vor diesem Hintergrund sehr schön. Heute Teil 12 der Serie.
Zertifikat des Monats Mai 2007: Protect-Bonus-Cap-Zertifikat auf Wienerberger von Sal. Oppenheim
Zertifikate auf Einzelaktien führen im Kreis der „Zertifikate des Monats“ eher ein Schattendasein. Dennoch schaffte es Sal. Oppenheim im Mai 2007 mit einem Protect- Bonus-Cap-Zertifikat auf Wienerberger (DE000SDL2EV4) den Titel zu holen.
Als Basiswert für Protect-Bonus-Zertifikate eignen sich laut Sal. Oppenheim besonders Aktien, auf die hohe Dividenden gezahlt werden. Denn die erwarteten Dividenden dienen zur Finanzierung des Bonusmechanismus. Damit auch Aktien ohne oder mit geringer Dividende als Underlying dienen können, ist ein Cap notwendig. Die Gewinnaussichten sind also nicht mehr unbegrenzt.
Die Analysten von Sal. Oppenheim stuften die Aktie von Wienerberger damals mit „buy“ ein. „In diesem Fall haben wir auf die Kaufempfehlung unseres Researches für Wienerberger ein Protect Bonus Cap Zertifikat emittiert, das einerseits den Fair Value unserer Analysten im Cap aufnimmt, als auch andererseits zusätzliche Sicherheit und Seitwärtsrendite bietet“, wird Sal. Oppenheim im Mai 2007 zitiert. Als Referenzkurs der Wienerberger- Aktie bei Emission am 29. Mai 2007 wurden 53,42 Euro fixiert. Leider kein guter Zeitpunkt. Denn schon eine Woche später erreichte der Kurs bei 58,06 Euro sein Allzeithoch. Von da an ging es nur noch bergab, bis der Kurs im März 2009 bei 4,86 Euro den Boden fand.
Der Protect Level von 40 Euro wurde schon am 5. November 2007, nur wenige Monate nach der Emission, durchbrochen. Bonus (62 Euro) und Cap (65,50 Euro) spielen seit diesem Schwellenereignis keine Rolle mehr, das Zertifikat verhielt sich wie ein Direktinvestment in die Aktie (allerdings ohne Dividendenzahlung). Die Tilgung erfolgte am 23. Juni 2009 mit 9,20 Euro je Anteil, was exakt dem Kurs der Wienerberger-Aktie am Bewertungstag (16. Juni 2009) entsprach. Die Anleger mussten also einen schmerzlichen Verlust hinnehmen. Daran zeigt sich, dass auch das beste Zertifikat mit augenscheinlich dickem Sicherheitspolster in massiv korrigierenden Marktphasen leider keinen ausreichenden Schutz bieten kann.
(BE / Die Manufaktur / Dolezal)
Aus dem Börse Express vom 21. August 2009
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